Geriatrie im Rettungsdienst: GEMS-Kurse für Deutschland


Beim DRK Wuppertal fand am letzten Aprilwochenende 2008 der erste GEMS BLS Provider Kurs statt. GEMS steht für Geriatric Emergency Medicals Services und befasst sich mit dem Thema Geriatrie im Rettungsdienst. Rettungsdienst.de sprach mit Bastian Etti, der das neue, zertifizierte Kurssystem zusammen mit der TÜV Rheinland Akademie an den Start gebracht hat.

rd.de: Wo kommt das Konzept „Geriatric Emergency Medicals Services“ eigentlich her?

Etti: Das kommt aus den USA von der amerikanischen Gesellschaft für Geriatrie. Unsere Aufgabe bestand darin, das Ausbildungskonzept ins Deutsche zu portieren. Dabei arbeiten wir unmittelbar mit der American Geriatric Society und dem Verlag des Original-Lehrbuchs „Jones & Bartlett“ zusammen. Die Foliensätze und Handouts sind fertig, aber es ist noch einiges zu tun. Vor allem das Lehrbuch ist noch nicht komplett ins Deutsche übertragen.

rd.de: Wie sind Sie und Ihre Kollegin Nicola Meves auf die Idee gekommen, einen US-Kurs nach Deutschland zu holen.

Etti: Ich arbeite als Schulleiter an der TÜV Rheinland Akademie und wir haben uns entschlossen, ganz auf zertifizierte Kurse zu setzen. Jürgen Gollwitzer von flightparamedics.de hat ja bereits den PEPP-Kurs (eine Fortbildung für pädiatrische Notfälle im Rettungsdienst, siehe Bericht RettungsMagazin, Ausgabe 3/2008, Seite 39f. ) mit nach Deutschland gebracht und dabei sind wir auf GEMS gestoßen.

rd.de: Zertifizierte Kurse? Was ist das, wer zertifiziert diese Kurse?

Etti: Bei GEMS ist es die American Geriatric Society. Sehen Sie, es gibt einen wissenschaftlich fundierten Ausbildungsstandard, die Ausbildungsstelle und jeder einzelne Instruktor muss ausgebildet werden und einen Test bestehen. Erst dann dürfen solche Kurse gegeben werden.

rd.de: Geriatrische Notfälle im Rettungsdienst sind ja eigentlich keine Seltenheit. Was lernen RS und RA dort?

Etti: Es geht darum, den alternden Patienten kennen zu lernen. So lernt man zum Beispiel, wie ein Mensch altert und wie die einzelnen Körpersysteme sich im Alter verändern. Es geht aber auch um die Kommunikation mit alten Patienten. Die richtige Ansprache wird in Rollenspielen regelrecht trainiert. Danach kümmert sich der Kurs um Notfallereignisse wie Allergien, Atmung, Kreislauf und Sturz sowie ihren typischen Ursachen und Verlaufsformen bei alten Patienten.

rd.de: Und dafür ein zertifiziertes Kurskonzept?

Erste Gems-Absolventen beim DRK-WuppertalEtti: Ja. Die Teilnehmer müssen sich 4 Wochen theoretisch vorbereiten und einen Eingangstest absolvieren. Letztlich geht es um den Basic Life Support und dort trifft man auf speziell abgestimmte ABCDE- und SAMPLE-Behandlungsschemata. Der Kurs endet mit einem Abschlusstest, bei dem 80 % gewusst werden muss. Der unschlagbare Vorteil an zertifizierten Kursen ist, alle haben eine Basis und eine Aussage.

rd.de: Was steckt hinter ABCD und SAMPLE?

Etti: Das sind standardisierte Vorgehensweisen. ABCDE steht für Atemwege, Breathing (Atmung), Circulation (Kreislauf), Disability (eine neurologische Kurzbefundung) und Exposure (Patientenbeobachtung). SAMPLE steht für Symptome, Allergien, Medikation, Patienten-Vorgeschichte, Letzte Mahlzeit und Ereignisse.

rd.de: War der erste Kurs beim DRK-Wuppertal ein Erfolg? Vor allem: haben die Teilnehmer bestanden?

Etti: Ja, alle neun Teilnehmer in Wuppertal haben den Kurs bestanden.

rd.de: Ist das Kurskonzept offen? Also können interessierte RD-Schulen das Konzept übernehmen?

Etti: Ja, das Kurssystem ist offen. Ausbildungsstelle und Ausbilder müssen sich schulen lassen und die Tests bestehen. Dann können die zertifizierten Kurse auch andernorts angeboten werden.

rd.de: Wann und wo finden die nächsten GEMS-Kurse statt?

Etti: Wir werden vorerst nur GEMS BLS anbieten und parallel an der Übersetzung des Lehrbuchs arbeiten. Die ersten ALS Kurse werden wir planmäßig 2009 anbieten. Informationen und Auskünfte finden man auf der Webseite der TÜV Rheinland Akademie und der GEMS-Webseite.

rd.de: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer interessanten Fortbildungsinitiative und vielen Dank für das Gespräch, Herr Etti.

Mehr Informationen finden Sie unter:
www.gemssite.de oder
www.tuev-akademie-neuwied.de

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