Gefahren durch Starkregen und Sturzfluten


Hochwasser und Überflutung in SteyrBremen (rd_de) – Starkregen und Sturzfluten forderten in den vergangenen Tagen immer wieder die Einsatzkräfte in Norddeutschland. Sie setzen sich dabei zum Teil denselben Risiken wie bei einem Hochwassereinsatz aus. Hintergründe und Tipps, wie Gefahr vermieden und taktisch richtig vorgegangen wird.

Sturzfluten bedeuten Lebensgefahr!

So gut wie jede Schutzmaßnahme gegen Flusshochwasser ist auch eine gegen Schäden durch Starkregen oder Sturzfluten. Aber während Hochwasser in der Regel Schritt für Schritt über die Ufer tritt und meist länger anhält, sind Sturzfluten eine Folge von Starkregen. Es handelt sich dabei um ein plötzliches, extremes Wetterereignis.

Die hohe Fließgeschwindigkeit des Wassers entwickelt eine sehr große Kraft. Dadurch werden nicht nur Schäden an Gebäuden angerichtet, auch Menschen geraten durch Sturzfluten in Lebensgefahr. „Sturzfluten sind ein grob unterschätztes Risiko“, warnt Dr. Wolfram Geier, Abteilungsleiter für Risikomanagement und internationale Angelegenheiten im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Starkregen – was ist das?

Die Ursache für Sturzfluten ist ein vorausgegangener Starkregen. Charakteristisch für dieses Wetterphänomen ist, dass binnen von Minuten sehr hohe Niederschlagsmengen auf ein begrenztes Gebiet von etwa 50 bis 100 Quadratkilometern fallen.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) definiert Starkregen ab einer Niederschlagsmenge von mindestens 10 l/m² innerhalb einer Stunde. Beim Sturmtief „Elvira“ beispielsweise, das Ende Mai 2016 über Süddeutschland fegte, fielen gebietsweise über 50 l/m² Niederschlag in Baden-Württemberg.

Gefahren im Hochwassereinsatz

  • Hochwasser entsteht in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Es kann sich über Tage entwickeln (zum Beispiel während der Schneeschmelze oder nach Dauerregen), aber auch innerhalb weniger Stunden auftreten.
  • Hochwasser kann im Gegensatz zu einer Sturzflut eine sehr unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeit besitzen. Deshalb bei bekannten Gewässern auf veränderte Strömungsverläufe und -geschwindigkeiten achten. Besonders in der Nähe von Flüssen und an Brückenpfeilern kann die Fließgeschwindigkeit des Hochwassers sehr hoch sein. An Hindernissen unter Wasser können sich zudem Strudel bilden. Überspülte Wehre verstärken die Wasserwalze des Hochwassers.
  • Bauwerke wie Häuser oder Brücken könnten unterspült werden und dadurch einsturzgefährdet sein. Keller sowie Tiefgaragen laufen buchstäblich voll. Durch das Wasser bzw. dessen Druck verziehen sich womöglich Türen, sodass eine Flucht aus dem Raum unmöglich wird.
  • Unmittelbar unter der Wasseroberfläche können sich nicht sichtbare Hindernisse wie Straßenpoller oder Zaunpfähle befinden. Wer durch dieses vermeintlich „seichte“ Hochwasser watet, riskiert zu stürzen und sich zu verletzen. Fast immer wird die Wassertiefe ungewiss sein.
  • Tritt Schmutzwasser aus dem Kanalsystem oder Sanitäranlagen aus und vermischt sich mit dem allgemeinen Hochwasser, müssen hygienische Schutzmaßnahmen zum Beispiel wegen möglicher Fäkalkeime im Wasser ergriffen werden. Insofern sollte immer davon ausgegangen werden, dass Abwässer im Hochwasser enthalten sind.
  • Einsatzkräfte sollten stets mit spontanen Rettungsversuchen von Passanten rechnen. Beim Bemühen, andere Personen, Haustiere oder Gegenstände zu retten, wird von diesen nicht selten unbedacht gehandelt. Laien wissen nicht, dass die Chance, Personen ohne Hilfsmittel aus einem schnell fließenden Hochwasser bzw. aus einer Sturzflut zu retten, sehr gering ist.

Taktisches Vorgehen

  • Vorausschauend handeln: keine Energie und Kapazitäten in Maßnahmen investieren, die schon wenig später vom steigenden Wasserspiegel zunichte gemacht werden. Das tatsächliche Ausmaß eines Hochwassers ist lokal in der Regel nur schwer einzuschätzen.
  • Warnsignale vereinbaren: Bei unmittelbarer Gefahr sollten alle Kräfte im unmittelbar gefährdeten Gebiet gewarnt werden können. Dafür sind vorab akustische Signale zum Beispiel mittels Fahrzeughupe zu vereinbaren. Die Zeichen müssen allen bekannt sein.
  • Fluchtweg einrichten: Um sich in einem solchen Fall unverzüglich entfernen zu können, muss ein gesicherter Fluchtweg freigehalten werden. Die Einsatzfahrzeuge sind so aufzustellen, dass sie ungehindert in Fluchtrichtung abrücken können.
  • Eigenschutz bedenken: Bei umfangreichen Sicherungsmaßnahmen wie zum Beispiel der Deichsicherung sollten wasserseitig Kräfte der Wasserrettung unter anderem mit Rettungsbooten parat stehen, um im Falle eines Unfalls sofort eingreifen zu können.
  • Gesundheitsschutz: Die Einsatzleitung sollte dafür sorgen, dass für alle eingesetzten Kräfte ausreichend Mücken- und Sonnenschutz vorhanden sind. Zudem sollte jeder die Möglichkeit haben, sich unter anderem vor den Mahlzeiten zu waschen.
  • Befahren überschwemmter Straßen: Je nach Gewicht schwimmen (Einsatz-)Fahrzeuge ab einer bestimmten Wassertiefe auf. Durch die Strömung wird das manövrierunfähige Fahrzeug in die Flussmitte gezogen. Insassen müssen schnellstmöglich versuchen, das Fahrzeug zu verlassen, und sich in Sicherheit bringen.

Literaturtipps

(12.01.2017; Symbolfoto: Gina Sanders/fotolia.com) [1372]

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