Gefährdet die Sicherheitslage den Erdbebeneinsatz?


Ein peruanischer Rotkreuz-Helfer sucht in Port-au-Prince nach Verschütteten (Foto: Talia Frenkel/American Red Cross)Port-au-Prince (rd.de) – Die fehlende Infrastruktur und der Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung macht es den Helfern schwer. Durch das Machtvakuum verschlechtert sich die Sicherheitslage dramatisch.

Die Welt will den Menschen auf Haiti helfen. Doch Probleme bei der Logistik und Sicherheit stellen im Augenblick die größte Hürde dar, um die Hilfe auch wirksam werden zu lassen.

Die inländischen Sicherheitskräfte sind überfordert, die UN-Truppe ist selbst in ihrer Struktur und Handlungsfähigkeit schwer getroffen. Hilfslieferungen und Mannschaften hängen teilweise in der Dominikanischen Republik fest, und für die dringend notwendige Verteilung von Trinkwasser und Lebensmitteln fehlt ein geordneter Sicherheitsrahmen.

Wer kann Sicherheit herstellen?

Aktuell wird über einen immer heftigeren Ausbruch der Gewalt in Port-au-Prince berichtet. Der Regionalkoordinator der Welthungerhilfe auf Haiti, Michael Kühn, berichtete gestern Abend in der Sendung Anne Will (ARD), dass jede Verteilung von Hilfsgütern einen Sicherheitsrahmen benötigt, um nicht im Chaos zu enden.

Wer aber ist in der Lage, diesen Rahmen zu gewährleisten? Können, dürfen und sollen die eingeflogenen US-Truppen eingreifen, um die Sicherheit auf den Straßen wieder herzustellen?

Treibstoffmangel

Aus Port-au-Prince hatte Dr. Klaus Runggaldier, Leiter des Malteser Rettungsdienstes, eine erste Lageeinschätzung per SMS übermittelt, die in einer Pressemeldung veröffentlicht wurde: „Wir sind in der Stadt mit Autos unterwegs, auf der Suche nach Diesel. Selbst die Polizei hat keinen. Leichen überall auf den Straßen. Teile der Stadt komplett dem Mob gehörend. Versuchen auf den Airport zu kommen. Wollen dort unter Schutz der UN das Medicalteam aktivieren und Kommunikation sowie Versorgung für das Team sicherstellen. Chaos. Uns aber geht es so weit gut…“

Immerhin hat das medizinischen Team der Malteser seine Arbeit in einem nicht völlig zerstörten Krankenhaus aufnehmen können.

Luxemburger Helfer brachen Einsatz ab

Der Frust, dass die Hilfe nicht recht ankommen will, trifft Helfer und Opfer gleichermaßen. Die Sicherheitslage in Port-au-Prince könnte aber zur Gefahr für den gesamten Hilfseinsatz werden.

So berichtet die Tageszeitung „Luxemburger Wort“ darüber, dass Helfer des Luxemburger Roten Kreuzes ihren Einsatz im Erdbebengebiet aus Sicherheitsgründen abgebrochen haben. „Die Sicherheitslage wird immer schlimmer. Vergangene Nacht waren Gewehrschüsse auf die UN-Soldaten zu hören“, zitiert die Zeitung einen luxemburgischen Protection-Civile-Helfer aus Haiti. Ein belgisches Militärflugzeug habe 15 Helfer, den Angaben nach Suchhundeführer des Roten Kreuzes, am Sonntag nach Brüssel zurückgebracht.

Nach Haiti, werden Helfer Hilfe brauchen

Die Belastungen, denen sich die Helfer in der Erdbebenregion aussetzen, sind extrem, wie die Einlassung der sichtlich bewegten Humedica-Koordinatoren Simone Winneg und Dieter Schmidt veranschaulichen: „Die Vorstellung, dass irgendjemand aus den Trümmern noch lebend geborgen werden kann, scheint absolut irreal. Menschenmassen stehen inmitten der Ruinen, suchen nach ihren Angehörigen oder Freunden. Der Verwesungsgeruch steigt uns immer wieder so stark in die Nase, dass es weh tut.“

Zeit, um die belastenden Eindrücke zu verarbeiten, bleibt den Helfern nicht. Schon jetzt ist deshalb die Frage nach einer Betreuung der Hilfskräfte bei ihrer Rückkehr zu stellen.

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