Gas-Chaos: CO2-Wolke überraschte selbst Feuerwehrleute


Wache II MönchengladbachMönchengladbach (rd.de) – Feueralarm in der Lackfabrik, das klingt gefährlich. Was Anwohner und Feuerwehrleute nicht ahnten: Das Kohlendioxid der Löschanlage gelang ins Freie. Feuerwehrautos blieben liegen, Menschen rangen nach Luft, Vögel fielen von den Büschen.

Bei dem bisher aus noch ungeklärter Ursache ausgelösten Brand in dem Lacklager der Fabrik im Ortsteil Güdderath, ist ordnungsgemäß die CO2-Anlage des Betriebes ausgelöst worden. Durch den Austritt des Kohlendioxids wird durch den Sauerstoffentzug das Feuer gelöscht. Weshalb und wie das Kohlendioxid nach außen gelangen konnte, wird noch zu ermitteln sein.

Presseberichten zur Folge blieben die Fahrzeuge des ersten Löschzuges einfach stehen, weil die Motoren keinen Sauerstoff mehr ansaugten. Einige Feuerwehrleute verstanden die gefährliche Lage nicht schnell genug, stiegen aus und brachen ohne Atemschutz zusammen.

Der Bereich musste weiträumig über Stunden abgesperrt werden, Bürger wurden per Durchsagen davor gewarnt ins Freie zu gehen. Türen und Fenster sollten geschlossen bleiben, die Menschen sollten sind in den oberen Etagen in Sicherheit bringen. Viele Häuser mussten evakuiert werden. Von dieser Maßnahme waren etwa 150 Personen betroffen.

Da die CO2-Wolke auch teilweise in die Kellergeschosse der Häuser gedrungen ist, bliesen Feuerwehrleute diese im Verlauf des Einsatzes mit Hochdruckgebläsen nach außen.

Insgesamt wurden 107 Personen, Passanten und Anwohner, darunter auch sechs Feuerwehrleute, in Zelten von Rettungssanitätern behandelt und ärztlich untersucht. Insgesamt 19 Personen mussten im Elisabeth-Krankenhaus untergebracht werden und wurden stationär behandelt. Neun Personen sind bereits wieder entlassen worden. Ihr Gesundheitszustand wird als stabil angegeben. Eine Person befindet sich auf der Intensivstation. Dabei handelt es sich um einen Feuerwehrmann.

Das fast windstille Wetter sorgte für zu wenig Luftaustausch, um die Kohlendioxidkonzentration in ungefährliche Bereiche zu verdünnen. Durch den gezielten Einsatz von zwei Polizeihubschraubern, die über dem Gebiet kreisten, konnte die C02-Wolke letztlich zerstäubt werden.

480 Kräfte wurden im Verlauf des 11-stündigen Einsatzes alarmiert. Darunter ca. 350 Kräfte, die sich aus örtlichen (Brandschutz- und Rettungsdienst, ASB, MHD, JUH, DRK und THW) und überörtlichen Organisationen (Messfahrzeuge der Kommunen Düsseldorf, Krefeld, Viersen und Neuss) rekrutieren. Des Weiteren waren im Rahmen des ausgelösten Ü-MAnV (überörtlicher MAnV) Rettungsmittel des Kreises Heinsberg, Neuss und Viersen im Einsatz.

Innenminister Dr. Ingo Wolf, Polizeipräsident Dr. Walter Büchsel und Oberbürgermeister Norbert Bude erkundigten sich vor Ort über das Einsatzgeschehen.

(Foto: Wache II Mönchengladbach, FW-Verband)

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