Ganzkörper-CT erhöht Überlebensrate bei Schwerstverletzten


München (idw) – Schwerstverletzte haben eine signifikant höhere Überlebensrate, wenn sie während der Schockraumversorgung mittels Ganzkörper-Computertomographie (CT) untersucht werden. Eine aktuelle multizentrische Auswertung des Trauma-Registers der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) durch die Forschungsgruppe „Polytrauma“ am Klinikum „Rechts der Isar“ (München) belegt erstmals den positiven Effekt dieser Untersuchungsmethode auf das Überleben von Schwerstverletzten auch im Kreislaufschock.

Für die Untersuchung wurden die Daten von 16.719 schwerverletzten Patienten aus Kliniken in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien und Slowenien analysiert. Die Autoren verglichen die tatsächliche und die erwartete Sterblichkeitsrate von schwerstverletzten Patienten mit und ohne Ganzkörper-CT. Die Patienten wurden hierfür in drei Gruppen aufgeteilt: 1. Patienten mit schwerem Kreislaufschock, 2. Patienten mit moderatem Schock und 3. Patienten ohne Schock.

Bei kreislaufstabilen Patienten ist der Nutzen der frühen Ganzkörper-CT durch die Forschungsgruppe bereits nachgewiesen worden. Die Anwendung der Methode bei kreislaufinstabilen Unfallpatienten wird allerdings von vielen Experten abgelehnt, ohne dass bisher wissenschaftliche Nachweise vorlagen. Es wird hierbei die Ansicht vertreten, dass eine körperliche Untersuchung, Röntgenaufnahmen der Halswirbelsäule, des Thorax und des Beckens und eine Sonographie des Abdomens bei Patienten im Schock ausreichend seien.

Niedrigere Sterblichkeitsraten nach Ganzkörper-CT
 
9.233 Patienten (55 Prozent) wurden nach Klinikeinlieferung mittels Ganzkörper-CT untersucht. Durchschnittlich dauert es zwischen drei und sechs Minuten, eine solche Untersuchung durchzuführen. 1.821 (11 Prozent) Patienten waren im schweren Schock und 4.280 (26 Prozent) im moderaten Schock. Patienten, die im Schock mittels Ganzkörper-CT diagnostiziert wurden, zeigten signifikant niedrigere Sterblichkeitsraten als zunächst erwartet.
 
Für die Wissenschaftler und Unfallchirurgen ergeben sich neben der Bestätigung ihres bisherigen Vorgehens interessante Hinweise auf die Erstversorgung und Ansatzpunkte für die Anforderungen an Kliniken. Nach den Ergebnissen kommt es zu einer Erhöhung der Überlebenschance von mehr als 25 Prozent. Trotz der vermeintlichen Zeitverzögerung durch die Ganzkörper-CT ermöglicht die Kenntnis des kompletten Verletzungsmusters des Patienten eine lebensrettende zielgerichtete Therapie. Stark blutende Verletzungen können somit exakt lokalisiert und präzise behandelt werden. Diejenige Verletzung, welche zu der instabilen Kreislaufsituation am meisten beiträgt, kann durch diese Art der radiologischen Untersuchung am besten und schnellsten aufgedeckt werden.
 
(29.07.2013, Foto: Dr. Huber-Wagner, Klinikum „Rechts der Isar“)

2 Responses to “Ganzkörper-CT erhöht Überlebensrate bei Schwerstverletzten”

  1. Sascha on Juli 30th, 2013 09:38

    Das ist auch der Grund, warum schon seit Jahren in den USA Patienten mit einem ISS >16 einen eigenen Eingang in ein Level 1 Traumacenter haben, wo sie direkt durch ein Sprial CT in das Krankenhaus gefahren werden. Somit bekommt der Patient quasi schon vor dem Schockraum diese bildgebende Diagnostik.

  2. Benny on August 17th, 2013 11:47

    Zitat: „Diejenige Verletzung, welche zu der instabilen Kreislaufsituation am meisten beiträgt, kann durch diese Art der radiologischen Untersuchung am besten und schnellsten aufgedeckt werden“ Zitat Ende

    Deswegen macht es auch Sinn, wenn RTH und NAW mit Sonographioegeräten ausgerüstet werden und bereits sehr früh innere Verletzungen/Blutungen diagnostiziert werden können.

    Guter Ansatz der Klinik.

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