Fußball WM: Medizintechnologie am Spielfeldrand


(Foto: Torsten Bogdenand, pixelio.de)Berlin (pm) – Ob Michael Ballack, David Beckham oder die afrikanischen Stars wie Essien, Drogba, Mikel: Viele Weltstars können aufgrund von Verletzungen nicht an der Fußball-WM in Südafrika teilnehmen. Um Verletzungsfolgen zu minimieren sind die Behandlungsstrategien am Spielfeldrand auf dem neuesten Stand.

Fußball ist ein intensiver und körperbetonter Sport, bei dem es zu einer Reihe von Verletzungen kommen kann. Sprunggelenk und Knie gehören zu den Körperteilen eines Fußballspielers mit dem größten Verletzungspotential. Für die Behandlung der Verletzungen – vorsorglich oder akut – sind Medizinprodukte unentbehrlich. Medizintechnologien sind heimliche Mitspieler bei der Fußball-Weltmeisterschaft – wie ein Dossier des Bundesverbandes Medizintechnologie aufzeigt.

Vorbeugende Behandlung

Bei vorhandenen leichten Verletzungen oder abklingenden schweren Verletzungen kommen Medizinprodukte wie Bandagen und Tapes zur Gelenkstabilisierung zum Einsatz. Bekannteste Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit sind die Handgelenk-Stützbandagen bei Philipp Lahm 2009 oder Arien Robben 2010.

Ein spektakuläres Beispiel eines Medizinproduktes, das auf dem Fußballplatz Leben retten kann, ist der implantierbare Defibrillator. In den letzten Jahren gab es immer wieder Fälle, in denen Fußballer auf dem Platz am Plötzlichen Herztod verstorben sind, ein durch Kammerflimmern ausgelöster Kreislaufstillstand. Am stärksten betroffen sind Menschen, die Monate oder Jahre zuvor einen Herzinfarkt hatten. Die einzig wirksame Waffe im Kampf gegen den Plötzlichen Herztod ist ein implantierbarer Cardioverter Defibrillator, kurz ICD.

Wird eine gefährliche Herzrhythmusstörung erkannt, dann gibt das kleine Gerät, das im Brustbereich unter der Haut implantiert ist, einen Gleichstromimpuls ab, der den regelmäßigen Herzschlag wieder herstellt. Hier ein Youtube-Clip mit einem Ausschnitt aus einem belgischen Erstligaspiel, bei dem ein Spieler Dank des ICD-Implantats den plötzlichen Herztod überlebt:

Erstversorgung auf dem Spielfeld

Muskeln, Sehnen und Bänder des Körpers werden bei einem Fußballspiel stark belastet. Kommt es zu Verletzungen, ist eine optimale Erstversorgung gefragt, denn es gilt: Je schneller eine Verletzung behandelt wird, desto besser ist der Verlauf des Heilungsprozesses.

Bei der Erstversorgung auf dem Spielfeld kommt in den meisten Fällen der Physiotherapie-Koffer des Mannschafts-Physiotherapeuten zum Einsatz, der auf das Verletzungsrisiko im Fußball speziell abgestimmt ist. Kompressionsverbände kommen beispielsweise bei so genannten „Pferdeküssen“ zur Anwendung. Sie verhindern eine Einblutung und beugen starken Schmerzen vor.

Spezielle Erste-Hilfe-Sprays und Erste-Hilfe-Salben werden in der Akut- und Erstversorgung kleiner offener Verletzungen (Sprays bei z. B. Abschürfungen) und kleineren Verbrennungen sowie bei geschlossenen stumpfen Verletzungen (Salben bei Prellungen, Verstauchungen, Muskelverletzungen) eingesetzt. Sie reinigen die Wunde und reduzieren die Blutung und die Schwellung. Bei diesen speziellen Sprays und Salben handelt es sich um Medizinprodukte. Sie unterstützen die physiologischen Prozesse des Körpers wirkungsvoll nach einem physikalischen Prinzip – ohne pharmakologische Bestandteile.

Behandlung im Stadion und Abtransport

Jedes WM-Stadion verfügt über einen eigenen Sanitätsbereich, der in seiner Ausstattung einer Notfallambulanz im Krankenhaus ähnelt. Medizinprodukte sind hier fester Bestandteil und unentbehrlich. Außerdem gibt es in jedem Stadion Rettungsfahrzeuge. Selbst bei einem Herzstillstand ist somit eine praxisgerechte Ausstattung mit Defibrillator und Beatmungsgerät vor Ort.

Gelingt die Reanimation nicht oder gibt es nach der Wiederbelebung keine Pumpleistung des Herzens (pulslose elektrische Aktivität) kann eine weitere innovative Medizintechnologie zum Einsatz kommen: die Notfall-Herz-Lungen-Unterstützung. Die mobile Herz-Lungen-Maschine ersetzt die ausgefallene Herz- und Lungenfunktion und stabilisiert so den Patienten. Der Abtransport des Verletzten erfolgt je nach Entfernung zum nächsten geeigneten Krankenhaus über den Rettungswagen oder einen Hubschrauber.

Behandlung schwerer Sportverletzungen

Zu den höchsten Verletzungsrisiken zählen Bandverletzungen und Knorpelschäden am Knie. In der Klinik wird mit einer Arthroskopie (Gelenkspiegelung) festgestellt, wie groß der Schaden ist und in einem minimal-invasiven Verfahren therapiert. Anwendungsbereiche aus der arthroskopischen Sportmedizin sind:
Kreuzbandverletzungen

  • Innen-/Außenbandverletzungen
  • Meniskusverletzungen
  • Knorpelverletzungen
  • Verletzungen am oberen Sprunggelenk
  • Schulterverletzungen (wie Luxationen)
  • Hüftverletzungen (Knochensplitter im Gelenkspalt, Labrumverletzungen)
  • Handgelenksverletzungen

Beispiel Knorpeldefekt im Knie: Mit herkömmlichen Methoden sind größere Defekte nur bedingt reparabel. Beste Ergebnisse bringt dagegen ein biotechnologisches Verfahren: Bei der ACT, der Autologen Chondrozyten Transplantation, wird Eigenknorpel im Labor gezüchtet und dann in die defekte Stelle eingesetzt. Hier ein Film zu dem modernen Verfahren

Das Beispiel Michael Ballack (Sprunggelenkverletzung)

Bei der Behandlung von Sprunggelenk- und Knieverletzungen wie Meniskusverletzungen oder Kreuzbandrissen kommen Bandagen und Orthesen zum Einsatz. Das Beispiel Michael Ballack, der sich kurz vor dem WM 2010 verletzte: Die Diagnose nach einer Kernspintomographie ergab einen Innenbandriss und Teilriss der Syndesmose im rechten Sprunggelenk. Mit “Syndesmose” sind die Bandstrukturen zwischen Schienbein und Wadenbein gemeint.

Die Therapie erfolgt in drei Schritten. Zunächst wird ein Gipsverband zur kompletten Immobilisierung angelegt. Die Unternehmen der Medizintechnologie haben in den letzten Jahren beispielsweise synthetische, glasfaserfreie Stützverbände entwickelt, die sich durch eine hohe Elastizität und Anformbarkeit auszeichnen. In ein bis zwei Lagen gewickelt eignen sich moderne Gipsverbände hervorragend für die funktionelle Therapie und vereinen Sicherheit mit Flexibilität.

Nach Abnahme des Gipses wird in den meisten Fällen eine Sprunggelenkorthese verordnet. Für die Unterstützung und Stabilisierung des Sprunggelenks nach Abnahme des Gipses gibt es moderne gebrauchsfertige Stabilisierungsschienen, so genannte Sprunggelenkorthesen. Sie bieten eine hohe Therapiesicherheit durch ein individuell verstellbares Fußteil und ein Klettverschlusssystem. Hautfreundliche Materialien sowie die anatomiegerechte Passform sorgen für hohen Tragekomfort.

Anschließend können in der Mobilisierungsphase Sprunggelenkbandagen getragen werden, um die Heilung zu beschleunigen.

Text: www.massstab-mensch.de
Foto: Torsten Bogdenand, pixelio.de

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