Funk-Spanner gefährdet Einsatz in Schwalmtal


Schwalmtal (rd.de) – Bei einem Amoklauf kamen gestern in Nordrhein-Westfalen drei Personen ums Leben, eine Person wurde schwer verletzt. Unfassbar: Auf Twitter wurde noch während des Einsatzes die Taktik der Polizei live gepostet.

Ein Scheidungskrieg machte gestern blutige Schlagzeilen: Im Rahmen der Begutachtung eines Einfamilienhauses, drehte ein Familienangehöriger im Rentenalter durch und eröffnete mit einer Schusswaffe das Feuer. Die herbeieilenden Kräfte eines Sondereinsatzkommandos der Polizei brauchten einige Zeit, um sich einen Überblick zu verschaffen und einen Zugriff zu planen.

In der Zwischenzeit standen Rettungsdienstkräfte bereit. Eine Person konnte mit Schusswunden schwer verletzt aus dem Haus fliehen. Heute heißt es, der Mann sei außer Lebensgefahr. Für drei weitere Personen kam jede Hilfe zu spät. Besonders makaber hierbei: Eine angeschossene Person lag vor dem Haus. Doch der Rettungsdienst konnte aus Gründen des Eigenschutzes nicht helfen.

Gerade in solchen Lagen sind die Einsatzkräfte auf eine reibungslose Kommunikation angewiesen. Trotz der Aufgabenteilung mit dem Handy lässt es sich nicht vermeiden, wichtige Angaben über Funk preiszugeben, um alle beteiligten Einsatzkräfte schnell auf den aktuellen Stand der Dinge zu bringen.

Funkamateur plaudert Polizeitaktik aus

Der Funk von Rettungsdienst und Polizei lässt sich einfach mit einem so genannten Funk-Scanner abhören. Viele Angehörige der Hilfsorganisationen besitzen ein solches Radio, um über das Einsatzgeschehen auf dem Laufenden zu bleiben. Lokalreporter und Pressefotografen haben oft ebenso ein Ohr an den Funkfrequenzen. Das Abhören von BOS-Funkfrequenzen ist zwar verboten, gilt aber als gängige Praxis.

Gestern „twitterte“ ein Teilnehmer mit der Bezeichnung JO31DH munter den Inhalt der Polizei-Funksprüche am Einsatzort Schwalmtal. Die Bezeichnung deutete auf einen lizenzierten Funkamateur hin. Dieses „JO31DH“ ist eine Locator-Angabe, die eine recht genaue geografische Zuordnung erlaubt. In diesem Fall handelte es sich um die Gegend rund um Nettetal im Kreis Viersen, zu dem auch der Ort Schwalmtal gehört.

Alle wohlmeinenden Versuche anderer Benutzer und Journalisten, die Aktivitäten des sich um Kopf-und-Kragen twitternden Funkfreundes zu dämpfen, verliefen erfolglos. Er befand, unter Berufung auf die Pressefreiheit, es sei sein Recht, die Öffentlichkeit zu informieren. Mit wenigen Tastenschlägen definierte er für sich den Status eines Presseorgans. Für die Folgen seines Treibens, inklusive der möglichen Gefährung des Polizeieinsatzes und weiterer Menschenleben fühlte er sich hingegen nicht verantwortlich.

Es dürfte höchst wahrscheinlich sein, dass der Funkamateur seine Profilierungssucht im Cyberspace mit einer Bekanntschaft der Staatsanwaltschaft im wirklichen Leben bezahlen wird. Das dürfte dann auch ein Lehrstück für tausende Rettungsassistenten und Feuerwehrkameraden sein, die in ihrer Freizeit regelmäßig den Einsatzfrequenzen lauschen: Die aus dieser Quelle gewonnenen Informationen sind zumindest absolut vertraulich zu behandeln.

Es ist aber auch solch gefährlicher Unfug, der nochmals begründet, weshalb die Einsatzkräfte der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben dringender denn je ein verschlüsseltes Funksystem benötigen. Durch Tetra wird ein Mithören weitgehend unmöglich.

One Response to “Funk-Spanner gefährdet Einsatz in Schwalmtal”

  1. Manuel on August 23rd, 2009 13:19

    In o.g. Meldung u.a. wörtlich enthalten – Zitatanfang:

    <<Es dürfte höchst wahrscheinlich sein, dass der Funkamateur seine Profilierungssucht im Cyberspace mit einer Bekanntschaft der Staatsanwaltschaft im wirklichen Leben bezahlen wird.<<

    Zitatende

    Als Funkamateure werden – zumindest in der Funkerszene – diejenigen bezeichnet, welche über ein amtliches Amateurfunk-Rufzeichen verfügen.

    Dies bekommt man nur nach einer fachlichen Prüfung (Technik, Gesetzeskunde, Betriebstechnik) in z.Zt zwei verschiedenen Zeugnisklassen bei der Bundesnetzagentur (BNetzA).

    Die Angabe eines Locatorfeldes ist keinerlei Beweis, dass der Twitterer tatsächlich ein Funkamateur ist. Die Locatorfeldsuche kann problemlos von JEDEM Funkinteressierten bewerkstelligt werden.

    Die im vorliegenden Bericht ganz offensichtliche Vorverurteilung ohne konkrete Beweise eines Funkamateurs ist gelinde ausgedrückt, eine qualitative Berichterstattung unterster Couleur. Die hier erwähnte Profilierungssucht des Berichterstatters/Artikelverfassers möchte ich in seinem Interesse besser nicht weiter verfolgen.

    Abschlusskommentar dieses Postings: Orignalzitat des Berichterstatters:

    <<Durch Tetra wird ein Mithören weitgehend unmöglich.<<

    Bitte zuerst informieren und danach veröffentlichen – nicht umgekehrt.

    Hierzu der Querverweis innerhalb dieser Homepage auf zahlreiche Postings „Schwere Mängel und Risiken des BOS-Digitalfunks“. Im übrigen liegen mir seit August 2009 weitere Details zu erheblichen Reichweitenproblemen, techn. Mängeln und Kostenexplosionen vor.

    Kurz gesagt, erweisen sich immer mehr von mir vor ca. 6 Monaten genannten Punkte in der Folgezeit als zutreffend. Was hilft ein vermeintlich abhörsicheres Funksystem, wenn es salopp gesagt, vor letztendlich nicht abstellbaren Fehlern und Mängeln nur so strotzt?

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