Funk-Etikett schaltet Perfusor ab?


Kalinko - GNUAmsterdam (pte/rd.de) – Medizingeräte lassen sich durch RFID-Etiketten stören, mit denen sich Menschen und Geräte orten lassen. Wissenschaftler der Freien Universität in Amsterdam berichten im Journal der American Medical Association, dass RFIDs die Funktionsfähigkeit medizinischer Geräte negativ beeinträchtigen können. Pläne, Patienten in einer Art Datenwolke aus Funkwellen einzuhüllen gehören demnach auf den Prüfstand.

Die Identifizierung mit Hilfe von elektromagnetischen Wellen (RFID) ist im medizinischen Bereich auf dem Vormarsch. RFIDs helfen dabei, Patienten eindeutig zu identifizieren oder den Standort von Arbeitsgeräten festzustellen. Versuche der Freien Universität zeigten auf, dass RFIDs zu Fehlfunktionen medizinischer Geräte führen können. Auch im Rettungsdienst wird wird die Nutzung von RFID-Etiketten erprobt, zum Beispiel bei der Veletztenkennzeichnung im Großschadensfall.

Die niederländischen Wissenschaftler testeten was passiert, wenn aktive und passive RFIDs sich in der Nähe von 41 medizinischen Geräten befinden. Dazu gehörten Ventilatoren, Spritzenpumpen, Dialysegeräte und Herzschrittmacher. Insgesamt wurden 123 Tests, drei an jedem Gerät, durchgeführt. In 34 Fällen kam es zu einem Zwischenfall, bei dem die aktiven Funketiketten eine Auswirkung zu haben schienen. 24 davon wurden als bedeutsam oder sogar gefährlich eingestuft. Bei manchen Tests schalteten die Geräte die Apparate entweder aus oder veränderten die Einstellungen bei mechanischen Ventilatoren. Spritzenpumpen schalteten sich vollständig aus. Externe Herzschrittmacher wiesen Fehlfunktionen auf. Dialysegeräte stoppten ebenfalls. Dafür war es nicht erforderlich, dass die Geräte in direkten Kontakt miteinander kamen. Manche Zwischenfälle ereigneten sich bei einem Abstand von mehr als 25 Zentimetern.

Es gibt zwei Arten von RFIDs. Einmal werden aktiv Informationen übertragen. Zum anderen handelt es sich um passive Geräte, die von einer Maschine gelesen werden können, wenn man sie in ihre Nähe bringt. Auch die Krankenhäuser und der Rettungsdienst erkennen ihr Potenzial.

Das Versuchsergebnis ist einigermaßen überraschend. Die Sendeleistung von aktiven RFIDs ist mit 0,5 Watt gering und das verwendete Frequenzband wird ebenso WLAN-Internetzugänge verwendet. Die Härtung gegen elektromagnetische Störungen wurde erstmals in der Richtlinie 93/42/EWG geregelt und 2007 durch verschärft, wobei die EN 60601-1-2:2001 + A1:2006 zu Grunde liegen.

Auf Grundlage dieser Vorschriften kommt das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte zu der Empfehlung, Handys nur mit mehr als drei Metern Sicherheitsabstand zu betreiben und besondere Vorsicht bei der Auslegung einer DECT-Telefonanlage walten zu lassen. Für Institutsleiter Dr. Wetzel, sind die Ergebnisse aus den Niederlanden keine Überraschung. Ähnliche Versuche führten zu der Empfehlung, elektromagnetische Einflüsse so klein wie möglich zu halten. Bei der Auswertung von Störfällen im Umgang von Medizingeräten sind RFID-Etiketten bislang allerdings nicht auffällig geworden: „Das wir hierzu keine Berichte haben, bedeutet aber nicht, dass es bisher keine Störung gab, die mit der Nutzung von RFIDs in Verbindung gebracht gebracht werden könnten“, gibt Dr. Wetzel zu bedenken. „Nach unseren Marktsichtungen“, beruhigt Wetzel, „sind in der Medizin vorwiegend Anwendungen geplant, die mit passiven RFID-Elementen arbeiten.“

So gesehen scheint das Gefahrenpotenzial der RFID-Technik eher geringfügig zu sein. Passive RFID-Tags reflektieren und verändern das elektromagnetische Feld des Auslesegerätes. Solche Etiketten sind also nicht dauerhaft aktiv, sondern nur im Augenblick der Auslesung.

(Foto: RFID-Transponder, Kalinko GNU)

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