Fit für den Notfall: Schüler werden Lebensretter


Nürnberg (pm) – Schon Kinder und Jugendliche sind in der Lage, eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchzuführen. Voraussetzung ist, dass sie entsprechend ausgebildet werden. Das Projekt „Schüler werden Lebensretter“ der Uni-Klinik Münster (UKM) verfolgt genau dieses Ziel. Eine projektbegleitende Studie wurde am Samstag (20.04.2013) mit dem „Thieme Teaching Award“ ausgezeichnet. 

Die meisten Deutschen kommen nur im Vorfeld der Führerscheinprüfung mit Maßnahmen zur Wiederbelebung in Kontakt. „Unser Ziel ist es deshalb, bereits Kinder und Jugendliche als Ersthelfer auszubilden“, erklärt Dr. Andreas Bohn, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst der Stadt Münster. Dr. Bohn ist Beauftragter für präklinische Notfallmedizin am UKM und Preisträger des Thieme Teaching Awards 2013.
 
Vor diesem Hintergrund entstand 2006 das ausgezeichnete Projekt „Schüler werden Lebensretter“. In Kooperation mit einem Münsteraner und einem Aachener Gymnasium erhielten seitdem mehr als 430 Schüler der sechsten und neunten Klasse sowohl eine theoretische als auch praktische Ausbildung in Wiederbelebung. Möglich war dies nur durch eine enge Kooperation zwischen dem UKM, dem Aachener Marienhospital sowie den Berufsfeuerwehren in Münster und Aachen.
 
Neben dem geeigneten Schulungsalter untersuchte das Team um Dr. Bohn, inwieweit die Häufigkeit des Unterrichts sich auf die Fertigkeiten der Schüler auswirkt. Ein Teil der Schüler wurde daher jährlich, ein anderer halbjährlich unterrichtet. Zudem schulten Notärzte einen Teil der Schüler, der andere Teil wurde von ausgebildeten Lehrern betreut. Den 433 Teilnehmern stellten die Wissenschaftler eine Kontrollgruppe mit 182 Schülern gegenüber, die keinen Erste-Hilfe-Unterricht erhielt.

Wiederbelebung ab zehn Jahren
 
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass bereits Kinder ab zehn Jahren Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen können“, erklärt Dr. Bohn. Hinsichtlich der praktischen Fertigkeiten unterschieden sich die zehnjährigen Schüler nicht von 13-Jährigen. Darüber hinaus zeigt die Untersuchung, dass weder häufigeres Training noch der Unterricht durch Notärzte zu einer Verbesserung von Wissen und Fertigkeiten der Schüler führt. Im Vergleich zur Kontrollgruppe führten die geübten Teilnehmer die Wiederbelebungsmaßnahmen, gemessen an der Intensität der Beatmung und Herzdruckmassage, effektiver durch.
 
Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) vergab den Preis im Rahmen des Deutschen Anästhesiecongresses (DAC) in Nürnberg. Die Thieme Verlagsgruppe, Stuttgart, stiftet die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung. „Die Studie zeigt, wie sinnvoll die feste Einbindung von Erste Hilfe in den Schulalltag wäre und dass geschulte Lehrer in der Lage sind, diese zu unterrichten. Die Schulung motiviert die Jugendlichen, im Notfall zu helfen, reduziert ihre Angst davor und leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur Stärkung der Rettungskette“, begründet Holger Sorgatz, Geschäftsführer der DGAI, die Entscheidung der Jury.

(Symbolfoto: Andreas Berger-Winkler/Johanniter)

One Response to “Fit für den Notfall: Schüler werden Lebensretter”

  1. Björn Hagge via Facebook on April 23rd, 2013 12:56

    ….das wäre ja mal was sinnvolles, wo sich Lehrer und Schüler auf eine Stufe stellen könnten….

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