Fachtagung zum Plötzlichen Säuglingstod


Plakat Fachtagung 290Vechta (pm) – Das Kriseninterventionsteam (KIT) der Malteser im Landkreis Vechta (NI) hatte kürzlich zu einer Fachtagung zum Thema „Plötzlicher Säuglingstod“ nach Lohne eingeladen. Zahlreiche Experten beleuchteten das sensible Thema aus unterschiedlichen Richtungen.

Nicht nur, dass Eltern beim „Plötzlichen Säuglingstod“ den unermesslichen Verlust eines geliebten Menschen ertragen müssen, auch sehen sie sich häufig zusätzlich einer Stigmatisierung hilflos ausgeliefert .

Alle Fachdienste und Berufsgruppen, die mit dieser Situation konfrontiert werden, waren am vergangenen Wochenende zu dieser Fortbildungsveranstaltung eingeladen. Über 200 Anmeldungen waren eingegangen, von denen aber nur 140 wegen der Größe der Räumlichkeit eine Berücksichtigung finden konnten.

Beleuchtet wurde das Thema „Plötzlicher Säuglingstod“ aus verschiedenen Betrachtungswinkeln mit Beiträgen aus Rechtsmedizin, Kinderheilkunde, Elternselbsthilfe, Polizeiarbeit und Seelsorge.

Zunächst hatte Dr. Olaf Hagemann, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst des Landkreises Vechta, ein Einsatzszenario nach der Meldung „lebloser Säugling“ durch die Lohner Malteser nachstellen lassen und war dann auf die medizinische Betrachtung dieses Themas eingegangen. Dass die Polizei bei der Meldung „unklare Todesursache“ nicht zum Einsatz kommt, um Eltern in ihrer Notlage mit Verdächtigungen zu behelligen, sondern eine Hilfe zu sein, stellte Josef Schade von der Polizeiinspektion Cloppenburg fest. Aus rechtlichen Gründen müsse die Polizei aber alle Fälle von unklaren Todesursachen untersuchen und könne dabei auch im Falle eines plötzlichen Kindstodes keine Ausnahme machen. Häufig könne dieses den Eltern später bei ihrer Trauerarbeit helfen, erläuterte Schade.

Anschließen wurde das Thema von dem Theologen Stefan Trillmich und einer evangelischen Pastorin/Notfallseelsorgerin aus Oldenburg beleuchtet.

Nach der Mittagspause beschrieb eine betroffene Mutter – heute 1. Vorsitzende der Gemeinsame Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod Nord – in einem Referat ihre Gefühle und Erlebnisse.

Der Rechtsmediziner Professor Dr. K. S. Saternus zeigte Möglichkeiten auf, die Ursache oder Faktoren für den Plötzlichen Säuglingstod sein könnten. Als eine der Hauptursachen beschrieb er die Lage des Kopfes des Kindes. Wenn die Halswirbelsäule des Babys in Bauch- oder Rückenlage entsprechend außenrotiert sei, verstärke dies durch Flußminderung in den Halsgefäßen das Risiko um ein Vielfaches. Er riet in diesen Fällen, den Säugling in leichte Seitenlage zu bringen, um so ein Abkippen des Kopfes zu verhindern. Von den neumodischen Tragehilfen, die dieses Abknicken fördern, riet er insofern ab. Aber auch wenn Eltern alle Vorsichtsmaßnahmen eingehalten hätten, könnte ein „Plötzlicher Säuglingstod“ nicht generell ausgeschlossen werden, so Professor Saternus. Es bedürfe dann auch einer rechtsmedizinischen Untersuchung, um so den Eltern zu zeigen, dass sie nicht Schuld am Tod ihres Kindes seien, und das Risiko einer Stigmatisierung zu vermindern.

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