ESC stellt neue Leitlinien für die Infarkt-Behandlung vor


München (idw) – Die Europäische Kardiologengesellschaft (ESC) hat auf ihrem Kongress in München die neuen Leitlinien zur Behandlung von Herzinfarkten vom STEMI-Typ (ST-Hebungsinfarkt) vorgestellt. Diese sehen vor, dass Zentren mit Katheterlabor (PCI) in der Lage sind, rund um die Uhr innerhalb von 90 (-120) Minuten eine interventionelle Therapie anzubieten. Alternativ kann die Infarktbehandlung auch mittels eines zwischen PCI-Zentren vereinbarten Rotationsprinzips angeboten werden. Der Rettungsdienst soll deshalb in der Lage sein, Patienten mit STEMI rasch zu identifizieren und eine initiale Therapie, wenn nötig auch unter Durchführung einer Fibrinolyse, einzuleiten.

„Verzögerungen vorzubeugen ist von zentraler Bedeutung“, heißt es in den Leitlinien: Die Frühphase eines Herzinfarktes ist meistens die gefährlichste, und der Nutzen der Reperfusions-Therapie ist höher, wenn diese frühzeitig angewendet wird. Die frühzeitige Diagnose und Behandlung von STEMIS ist deshalb eine Kernforderung der neuen Empfehlungen.

Nach Ansicht der ESC müsse das Personal ausreichend geschult sein, um Infarkt-Patienten zu diagnostizieren und in ein geeignetes interventionelles Zentrum zu bringen. Krankenhäuser ohne PCI-Option sollten umgangen werden. Ziel sei es, bei Patienten mit STEMI das verschlossene Gefäß möglichst frühzeitig wieder zu öffnen, entweder mechanisch mittels Katheter oder medikamentös mittels Fibrinolyse. Wichtig sei auch, Patienten nach erfolgter Fibrinolysetherapie unmittelbar an ein PCI-fähiges Zentrum zu transferieren (I A-Empfehlung).

Die von der ESC-Arbeitsgruppe definierten zeitlichen Ziele sind:
• vom ersten medizinischen Kontakt eines Patienten bis zur EKG-Diagnose maximal 10 Minuten,
• vom ersten medizinischen Kontakt bis zur Initiierung der Fibrinolyse maximal 30 Minuten,
• vom ersten medizinischen Kontakt bis zur PCI maximal 60 Minuten (frischer Infarkt innerhalb von zwei Stunden ab Schmerzbeginn),
• vom ersten medizinischen Kontakt bis zur PCI maximal 90 Minuten (alle anderen Infarkte von 2-12 Stunden),
• Als grobe Einschätzung der Entscheidung, ob eine primäre PCI durchgeführt werden kann oder ob mit einer Fibrinolyse begonnen werden sollte, gelten 120 Minuten ab erstem medizinischen Kontakt (= EKG mit Diagnose) bis zur PCI (Infarkte mit 3-12 Stunden Dauer).

Der routinemäßige Einsatz von PCI bei stabilen Patienten mit älteren Infarkten ohne Anzeichen einer Ischämie wird nicht empfohlen.

(Foto: Techniker Krankenkasse)

3 Responses to “ESC stellt neue Leitlinien für die Infarkt-Behandlung vor”

  1. Stefan on September 6th, 2012 13:12

    Na wenn da mein Betrieb nicht kräftig nachrüsten muss in Punkto 12 Kanal EKGs und Lysepräparate! Abgesehen von der Nachschulung des Personals. Ach viel zu teuer! Ging ja seither auch ohne. 😉

  2. Jan Heil via Facebook on September 7th, 2012 10:05

    sehr informativ und interessant

  3. der Münchner on September 7th, 2012 14:35

    dass gibt ja wieder Raum für Diskussionen und Streit: „das Personal muss ausreichend geschult sein, um Infarkt-Patienten zu diagnostizieren “ also die RAs? Diagnosen durch nichtärztliches Personal? Bei den zeitlichen Zielen 10 min fürs EKG unnd 30 min für die Lyse gehts ja weiter. Es steht dort nicht Arzt sondern medizinischer Kontakt. Wer zählt dazu? Wenn ich mir den Ärger beim Notfallsanitätergesetz anschaue, bin ich auf die Ausführungen und Meinungen der Interessenvertretungen hierzu ja mal gespannt.

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