Ertrinkungsfälle werden zunehmen!


Bonn (pm) – Vom 10. Bonner Symposium der DRK-Wasserwacht geht die Forderung aus: Rettet die Bäder! – 300 Schwimm-, Tauch- und Rettungsexperten warnen vor Aushöhlung der Infrastruktur.

„Ich befürchte, dass wir eine Nation von Nichtschwimmern werden. Die Ertrinkungsfälle werden zunehmen.“ Das sagte Rüdiger Steinmetz, langjähriger Präsident des Verbandes der deutschen Bäderbetreiber. Angesichts sinkender Standards und zunehmender Vernachlässigung des Schwimmsports ging vom 10. Bonner Tauchersymposium am Samstag das Signal aus, dass die Kommunen eine flächendeckende Infrastruktur der Bäder ebenso wie des Schwimmunterrichts erhalten müssten. „Wir müssen die Kultusminister daran erinnern, dass Bäder eine öffentliche Aufgabe sind. Die Kommunen müssen den Rettungsorganisationen vielfältig helfen. Im Kampf ums Geld haben Sie gute Argumente“, rief Steinmetz den beteiligten Verbänden und Institutionen zu.

Mit der anhaltenden Zahl von Ertrinkungsunfällen befassten sich in ihrer Jubiläumstagung im Bonner Kekulé-Institut die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes sowie Experten aus Wissenschaft und Hilfsorganisationen, von ADAC , Feuerwehr und Polizei, Notärzte, Rettungsdienste und Taucher. „Wir beobachten, dass Kinder aus Migrantenfamilien mehr gefährdet sind“, so Ralf Schröder, Vize-Landesleiter der DRK-Wasserwacht. Statistisch belegt ist, dass Badeunfälle bei Kindern weltweit nach Verkehrsunfällen an zweiter Stelle stehen. In Deutschland sind auch Männer über 50 stärker gefährdet als andere Bevölkerungsgruppen – vermutlich weil sie zur Selbstüberschätzung neigen; belegt ist dies allerdings nicht.

Wissenschaftlich untersucht ist hingegen, dass 30 Prozent der Elfjährigen nicht mehr schwimmen können. Hier drohen nachhaltige Negativ-Entwicklungen in ganz Deutschland. Bei der Warnung vor den Folgen sah sich Verbandspräsident Steinmetz mit der Landesleitung der DRK-Wasserwacht und weiteren Rettungsexperten in einem Boot: „Mit der Streichung von Mitteln in öffentlichen Haushalten wird billigend in Kauf genommen, dass Standards nach und nach sinken.

Die konkreten Forderungen des Symposiums lauten:

  • Eine flächendeckende Bäderinfrastruktur muss erhalten werden.

  • Die Frühschwimm-Förderung muss mehr in den Vordergrund gerückt werden.

  • Schulen müssen in die Lage versetzt werden, Schwimmunterricht qualifiziert zu betreiben.

  • Die Wasserrettungs-Organisationen benötigen Unterstützung, um ihre Wachdienste an den Gewässern und die Ausbildung der Bevölkerung auszubauen.

  • Beim Personal der Bäderbetreiber dürfen unter Anerkennung von Sparzwängen kritische Grenzen nicht unterschritten werden.

Lebensrettendes Bohren in Schweineknochen

Doch auch im fachlichen Teil konnte sich das Bonner Symposium sehen lassen. In Workshops lernten die 300 Symposiums-Teilnehmer den Umgang mit neueren mechanischen Reanimationshilfen, die zunehmend auf Rettungswagen eingesetzt werden. Nach der Landung des ADAC-Rettungshubschraubers „Christoph Rheinland“ wurde unterem anderem demonstriert, wie die Herz-Lungen-Wiederbelebung von Schwerstverletzten im engen Innenraum des Helikopters fortgesetzt werden kann.

Notärzte und Wasserretter übten auch, lebensrettende Injektionen durch sogenannte intraossäre Zugänge sicher zu setzen. Dazu bohrten die Retter mit Akkuschraubern und dünnen Kanülen in echte Schweineknochen, die sie sich vom Metzger besorgt hatten: Notfälle erfordern eben auch Improvisation und präzises handwerkliches Können. „Auch durch solch elementare Praxis-Erfahrungen hat das Bonner Symposium seinen guten Ruf in der Fachwelt“, sagte der Initiator, Privatdozent Dr. Stefan Schröder, jetzt Chef der Rettungsdienst-Akademie Schleswig-Holstein.

Der Bonner DRK-Vorsitzende Christian Steitz zeigte sich zufrieden, dass Bonn seit zehn Jahren eine bundesweit renommierte Veranstaltung beherbergt, die immer den modernsten Stand in der Notfallmedizin repräsentiert. In der Erörterung neuer Forschungsergebnisse über und unter Wasser, der Stärkung der Wasserrettung in der notfallmedizinischen Ausbildung und der weiteren Vernetzung von Sport und Gesundheit sowie von Wasser-, Land- und Luftrettung liegen die Aufgaben für die Zukunft des Symposiums.

Wasserrettung und Notfallmedizin

30 Autoren der bisherigen Bonner Tauchersymposien haben ihre Erkenntnisse in einem Buch vertieft, das unter dem Titel „Wasserrettung und Notfallmedizin“ jetzt erstmals vorgelegt wurde. Es ist im Verlag ecomed Sicherheit erschienen.

(15.03.2010)

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