Erdbebenfrühwarnsystem lenkt Katastrophenschutz


Potsdam, Karlsruhe, Instanbul (openPR) – Ein deutsch-türkisches Forschungsprojekt entwickelt das Erdbeben-Frühwarnsystem für Istanbul und die Marmara-Region. Die Daten gehen direkt ins Lagezentrum. Eine Computersimulation hilft dabei, Rettungskräfte ganz gezielt in besonders betroffene Gebiete zu entsenden.

Mit der Inbetriebnahme erster Komponenten ist die Region an der die Schnittstelle zwischen der Anatolischen und der Eurasischen Platte nun besser auf zukünftige Erdbeben in der Nähe von Istanbul vorbereitet. Das System ist eine Erweiterung des Frühwarnsystems, das nach dem Beben vom 17. August 1999 bei Izmit errichtet wurde, und überwacht jetzt den Großraum Istanbul.

Das Sensorennetzwerk, dass im Rahmen des EDIM-Projekts (Earthquake Disaster Information System for the Marmara-Region) unter Leitung der Universität Karlruhe in der Megacity aufgebaut wird, ergänzt das bereits existierende Stationsnetz. Die bisherigen 10 seismologischen Stationen zur Erfassung von Erdbeben werden in den kommenden Monaten durch weitere 10 Instrumente ergänzt.

Ein zusätzliches, so genanntes selbstorganisierendes Netzwerk von Sensoren, wurde an verschieden Orten Istanbuls installiert. Die Sensoren sind untereinander drahtlos verbunden, so dass selbst beim Ausfall einiger Stationen noch ausreichend Informationen zur Verfügung stehen. Diese innovative Kommunikationstechnologie wurde in Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum Potsdam, Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ) und der Humboldt-Universität Berlin entwickelt.

Einsatzbefehle aus virtueller Schadensberechnung

Im Fall eines Erdbebens werden alle Messdaten an ein Lagezentrum übertragen. Aufgrund der dort durchgeführten Analyse können sofort zielgerichtete Rettungsmaßnahmen eingeleitet werden. So sollen Folgeschäden, wie sie zum Beispiel Großfeuer durch zerrissene Gasleitungen und unterbrochene Stromleitungen, minimiert werden. Der öffentliche Verkehr kann angehalten, Brücken und Tunnel gesperrt und die chemische Produktion gedrosselt werden.

„Die Behörden werden zudem in die Lage versetzt, schnell Ort und Art der Schäden eines Bebens abzuschätzen“, so Prof. Friedemann Wenzel vom Zentrum für Katastrophenmanagement und Schadensreduktion an der Universität Karlruhe und Projektkoordinator von EDIM. Hierzu wird ein neuartiges Informationsmanagement entworfen, dass es den Verantwortlichen erlauben wird, sich ein schnelles Bild der Lage zu machen und effektive Entscheidungen zu treffen.

Angesichts der möglichen Erdbebenintensivität in der Region, ist der Zugang zu Ergebnissen der Gebäudeschadensberechungen aufgrund von Erdbeben im Web ein sinnvolles Instrument für Zivil- und Katastrophenschutzeinrichtungen vor Ort. „Experimente mit Sensoren auf der Istanbuler Fatih-Brücke oder im Stadtteil Ataköy haben bereits die Effizienz des Systems bestätigt“, so Wenzel.

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