EMRI rettet Indien


(rd.de) – Bei Anruf, Rettung. So kennen wir das. In weiten Teilen Indiens hingegen, gab es bis 2005 nicht einmal eine Telefonnummer für den Rettungsdienst. Ramalinga Raju, ein zu Reichtum gekommener Inhaber einer Computerfirma, griff dem indischen Staat mit Millionenbeträgen unter die Arme und baut einen Rettungsdienst auf. Bis 2010 soll ganz Indien mit seinen 1,12 Millarden Menschen versorgt sein: Ein gigantisches Vorhaben.

2005 gründete Raju sein Emergency Management and Research Institute (EMRI) als Non-Profit-Organisation und kaufte 40 Ambulanzfahrzeuge auf eigene Rechnung. Viele hielten ihn für verrückt. Inzwischen hat das Unternehmen 4.500 Mitarbeiter und etwas über 600 Ambulanzfahrzeuge. Eigentlich wäre die Bedienung der Notrufnummer 108 und der Rettungsdienst eine hoheitliche Aufgabe, doch in Indien musste erst ein Privatier in die Bresche springen.

Inzwischen ist Rajus Firma „Satyam Computer“ nicht mehr der alleinige Finanzier des Projekts. Nach und nach erkennen die Bezirksregierungen den öffentlichen Wert des Rettungsdienstes. Die Notfallrettung wird ernsthaft als volkswirtschaftlich nutzbrindes Unternehmen beworben: Wenn das Netz aus regionalen Rettungsleitstellen und Fahrzeugen komplett ist – und das soll bis 2010 der Fall sein – wird man 1 Millionen Menschenleben pro Jahr retten können und dadurch das Bruttosozialprodukt sichern. Angesichts einer hohen Kindersterblichkeit und einer niedrigen durchschnittlichen Lebenserwartung ein offenbar zugkräftiges Argument. Heute kann man von einer Private-Public-Partnership sprechen, die von der Privatseite aus ins Leben gerufen wurde.

Mittelfristig dürfte sich EMRI selbst für den Gründer als lohnend herausstellen. Die FAZ berichtete, das Institut hat das alleinige Recht an den erhobenen Patientenadressen und auf den Fahrzeugen ist stets Werbung für die Firma Satyam angebracht. Die indische Presse jubelte, als EMRI eine schriftliche Übereinkunft mit den Bezirksregierungen in Andhra Pradesh und Tamil Nadu unterzeichnete. Für Andhra Pradesh sind 150 zusätzliche Rettungswagen und der vollständige Anschluss an die Notrufnummer 108 vorgesehen, in Tamil Nadu will die Regierung 198 Rettungswagen anschaffen, Land für den Bau der Rettungsleitstelle bereitstellen und das Equipment finanzieren.

Das hochmoderne Notruf-Callcenter bei Hyderabat wickelt unter der Rufnummer 108 derzeit über 13.000 Notrufe pro Tag ab, wobei in 95 % der Fälle ein Dispatcher nach 2 Klingelzeichen am Apparat ist. Glücklicherweise haben selbst in wenig entwickelten Regionen viele Inder kein Bankkonto, aber sehr wohl ein Handy.

Zur Fahrzeugflotte gehören verschiedene Fahrzeuge vom RTW auf Basis eines Lizenznachbaus Mercedes MB 310 (siehe Fotos), bis hin zum First-Responder-Motorrad. Durch die EMRI-Initiative konnte die medizinische Versorgungsqualität deutlich berbessert werden. Nicht ohne stolz berichtet EMRI, dass in denen von ihnen versorgten Gebieten im Durchschnitt 34 Minuten zwischen dem Eingang des Notrufs bis zum Eintreffen in eine ärtzliche Versorgungseinrichtung vergehen.

Es kann kaum ein Zweifel daran bestehen, dass EMRI im Begriff ist der größte private Rettungsdienst der Welt zu werden.

Mehr Information: www.emri.in

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