Einsatz von Nachtsichtgeräten in Regensburg rückt näher


Pilot mit NVG im Cockpit. Foto: DRF LuftrettungRegensburg (DRF) – Die Vorbereitungen für den Einsatz von Nachtsichtgeräten (Night Vision Googles NVGs) an der Regensburger Station der HDM Luftrettung laufen auf Hochtouren: In der vergangenen Woche hat die Maschine des Typs EC 145 mehrtägige Tests des Hubschrauberherstellers Eurocopter zur NVG-Tauglichkeit absolviert. Begleitend finden Schulungen der Piloten statt. Im April 2011 soll der NVG-Einsatzbetrieb in Regensburg beginnen. Nach der Münchner Station der HDM Luftrettung wird sie damit bundesweit die zweite sein, die Nachtsichtgeräte in der Luftrettung einsetzen darf.
Bei Eurocopter wurde “Christoph Regensburg“ unter anderem einem Test in der Dunkelkammer unterzogen: Da Nachtsichtgeräte das in der Nacht vorhandene Restlicht verstärken, musste beispielsweise überprüft werden, inwiefern im Hubschraubercockpit störende Lichtquellen oder Reflexionen vorhanden sind. In den anschließenden Flugtests wurde kontrolliert, ob z.B. bei den Cockpitanzeigen für den Tag- und Nachtflug noch Nachbesserungsbedarf besteht.

„Mit den Eurocopter-Tests sind wir unserem Ziel, Nachtsichtgeräte an Bord von `Christoph Regensburg` einzusetzen, ein gutes Stück näher gekom-men. Im nächsten Schritt wird die europäische Luftfahrtbehörde EASA die Testergebnisse überprüfen und uns hoffentlich bald die Zulassung erteilen“, erläutert Johann Haslberger, Ausbildungsleiter bei der HDM Luftrettung.

Umfangreiche Schulungen der Piloten

Ein weiterer wichtiger Baustein bei den Vorbereitungen zum Einsatz von Nachtsichtgeräten ist eine umfangreiche Ausbildung der Piloten. Hier konnte die HDM Luftrettung bereits auf die Erfahrungen bei der Ausbildung ihrer Münchner Piloten aufbauen, die an Bord von „Christoph München“ schon seit über einem Jahr NVGs einsetzen. Mittlerweile haben die Regensburger Piloten die theoretische Ausbildung abgeschlossen und mit der praktischen Schulung begonnen. Inhalte sind beispielsweise die Handhabung der Brille während des Fluges und im Anflug auf die Einsatzstelle. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Üben von Verfahren, die in Notsituationen durchzuführen sind.

Die am Pilotenhelm befestigten Nachtsichtgeräte bieten den Piloten eine neue optische Orientierung in der Dunkelheit. Hindernisse wie Hochspannungsleitungen oder Windräder können früher und besser erkannt werden. Schwierige Wetterlagen sind besser zu sehen und können ggf. umflogen werden. Damit wird die Luftrettung bei Nacht um einen weiteren wichtigen Sicherheitsfaktor ergänzt.

Pilot beim NVG-Training. Foto: DRF LuftrettungHDM Luftrettung: Nachtflugexperte

Die HDM Luftrettung zeichnet sich seit knapp 20 Jahren durch ihre Kompetenz im Bereich Nachtflug aus. Sie betreibt in Deutschland fünf 24-Stunden-Stationen, davon drei in Bayern (München, Regensburg und Nürnberg). In keinem anderen Bundesland gibt es eine solche flächendeckende Versorgung mit Hubschraubern, die rund um die Uhr im Einsatz sind. Das Luftfahrtbundesamt hatte der HDM Luftrettung als erstes ziviles Luftfahrtunternehmen in Deutschland die Genehmigung erteilt, Nachtsichtgeräte einzusetzen. Seit Juli 2009 fliegt die Münchner Besatzung der HDM Luftrettung damit erfolgreich nächtliche Rettungseinsätze.

Über den Regensburger Hubschrauber

Der mit zwei Piloten, einem Notarzt und einem Rettungsassistenten besetzte Hubschrauber wird im so genannten Dual-Use-Betrieb als Rettungs- und Intensivtransporthubschrauber eingesetzt. Dazu ist er 24 Stunden täglich einsatzbereit. Der Hubschrauber mit Funkrufnamen „Christoph Regensburg“ ist mit allen medizintechnischen Geräten ausgerüstet, die für eine optimale Versorgung von Intensiv- und Notfallpatienten notwendig sind. Innerhalb von 15 Minuten kann der Hubschrauber jeden Einsatzort im Umkreis von 50 Kilometern Luftlinie erreichen.

Bei nächtlichen Notfällen wird „Christoph Regensburg“ für die Versorgung und den Transport von Notfallpatienten direkt zum Einsatzort angefordert. Diese nächtlichen Einsätze werden nach besonderen Verfahren geflogen, für die Piloten eine umfangreiche Ausbildung erhalten. Darüber hinaus führen die Hubschrauberbesatzungen Transporte von Früh- und Neugeborenen und von Transplantationsteams durch. Außerdem werden für Patienten mit akutem Atemnotsyndrom oder Herz-Kreislauf-Versagen spezielle Transporte unter Beibehaltung der intensivmedizinischen Therapie durch-geführt. So werden beispielsweise an Bord von „Christoph Regensburg“ schwer kranke Patienten transportiert, die an die Mini-Herz-Lungen-Maschine „Cardiohelp“ angeschlossen werden. Diese Einsätze werden in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Regensburg durchgeführt, die das System entwickelt hat.

One Response to “Einsatz von Nachtsichtgeräten in Regensburg rückt näher”

  1. Sani0815 on Dezember 22nd, 2010 10:30

    eigentlich ist es längst überfällig, alle RTH nachtflugtauglich zu machen. Die RTH sind eine wichtige Komponente im RD und das sollte nicht nur auf Tageslicht/Sichtflug beschränkt bleiben.

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