„Einführung light“ bei der Gesundheitskarte?


Düsseldorf (rd.de) – 2009 soll sie im großen Stil kommen, die elektronische Gesundheitskarte. Zum Start wird sie aber wohl nicht viel mehr können, als die heutige Versichertenkarte.

Viele Krankenversicherte in Nordrhein-Westfalen bekamen teilweise schon Post von Ihrer Krankenkasse, mit der frohen Botschaft, dass die neue elektronische Gesundheitskarte ab 2009 ausgegeben wird. Doch der Brief lag kaum in den Briefkästen, da wurde der Basis-Rollout in Nordrhein-Westfalen schon wieder gestoppt.

Entgegen der Beteuerungen der für die anfallenden Datenströme verantwortlichen Gematik, können die Arztpraxen und Krankenhäuser nicht wie geplant in die neuen Leseterminals investieren, erklärte die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein. Zwar haben einige Hersteller längst eine Freigabe ihrer Systeme von der Gematik erhalten, warten jedoch allesamt auf das Zertifikat für bestandene Tests beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Für die an Ärzte und Krankenhäuser gezahlten Investitionszuschüsse müssten aber einige zertifizierte Terminals am Markt sein, damit ein Durchschnittspreis ermittelt werden kann.

Von den vielfältigen Funktionen von e-Rezept bis Notfalldatensatz, wird bei dieser abermals verschobenen „Einführung light“ nicht die Rede sein können. Eigentlich leistet die neue Karte über das aufgedruckte Foto des Versicherten allenfalls mehr Schutz vor Kartenmissbrauch. Funktionen, die über Kosteneinsparungen versuchen sollen, die nicht offiziell gehandelten Entwicklungskosten in Milliardenhöhe zu rechtfertigen, stehen noch gar nicht zur Verfügung.

Viele Fragen ungeklärt

Wann steht die Telematik-Infrastruktur, wird zentral oder dezentral gespeichert, wer erhält einen Heilberufeausweis, mit dem die zusätzlichen Daten der elektronischen Patientenkarte ausgelesen werden können? Antworten auf solche Fragen werden wenigstens bis 2010 auf sich warten lassen.

Über die künftige Infrastruktur der eingesetzten Rechner, im Rahmen der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte, besteht heute noch immer keine eindeutige Klarheit, beanstandet der Gesundheitspolitische Arbeitskreis Bielefeld. Sollen die Daten auf der Karte oder im Netz gespeichert werden, sollen sie dann zentral oder dezentral abgelegt werden, sollen sie vielleicht in einem abgeschlossenen Intranet betrieben werden oder soll es kontrollierte Öffnungen zu anderen Netzen geben?

Notfalldaten im Testlauf gestoppt

Der Test der elektronische Gesundheitskarte in Schleswig-Holstein zeigte zudem eine Menge noch zu lösender Problemfelder auf. Mitte März wurde der Versuch, die neuen Versichertenkarten mit einem Notfalldatensatz zu beschreiben, wegen technischer Probleme abgebrochen. Versichertenkarten waren plötzlich ungültig, Ärzteausweise funktionierten nicht, Patienten wie Ärzte gaben ihre PIN-Nummern falsch ein. Im Ergebnis überlegt man, ob ein Patient seinen Hausarzt ermächtigen kann, die Daten auf seiner Versichertenkarte zu aktualisieren. Im jetzigen Verfahren müssen Patient und Arzt nacheinander ihre PIN-Nummer eingeben, was so gar nicht dem Arbeitsablauf in der Arztpraxis entspricht. Solche Änderungen würden aber zwangsweise neue Diskussionen um den Datenschutz auslösen.

(Foto: Techniker Krankenkasse)

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