Eine App aus Bayern für Retter in Pennsylvania


EMS Field Partner (Foto: Ritter Informationstechnik)Dingolfing (rd.de) – Die Softwarefirma Ritter-Informationstechnik aus Dingolfing hat für Rettungsdienstler in Pennsylvania eine App für das Iphone und Android-Smartphones entwickelt, die in den USA für Furore sorgt. Die Idee, eine Notfall-App für das Rettungsdienstpersonal gezielt auf die lokale Versorgungslandschaft hin zu entwickeln, ist dabei ein neuer Ansatz mit hohem Nutzwert.

Als sich im November 2008 die Wege von Stefan Ritter aus Dingolfing und Jeff Polona, Direktor der Notfallklinik im Alle-Kiski-Medical-Center in Natrona Heights auf einer Veranstaltung in Las Vegas kreuzten, war noch nicht abzusehen, dass durch diesen Zufall die Grundlage für eine ganze besondere Smartphone App geschaffen wurde. Als sich Ritter in Dingolfing mit seiner eigenen Firma auf die Entwicklung mobiler Apps verlegte, fragte Polona, ob er nicht eine App entwickeln kann, die die Arbeit der Paramedics draußen auf der Straße erleichtern kann.

Ritter sagte zu und so entstand in Zusammenarbeit mit den Spezialisten des West Penn Allegheny Health System binnen acht Monaten die Smartphone App „EMS Field Partner“ für den Bereich der Notfallmedizin. Im August 2010 und im April 2011 reiste Ritter in die USA, um dem Programm den letzten Feinschliff zu verpassen. „Der Wissenstransfer über den großen Teich hat hervorragend funktioniert“, freut sich Stefan Ritter. Die fortlaufende Kommunikation im Entwicklungsprozess wurde über Skype und E-Mail sichergestellt.

Das Ergebnis ist durchaus beeindruckend. So enthält die App ein Register mit mehr als 200 EMS-Protokollen und Verfahrensanweisungen die für den Bundesstaat Pennsylvania Gültigkeit haben. Bei den Protokollen wird nach BLS (Basic Life Support Protocols) und ALS (Advanced Life Support Protocols) unterschieden.

Regionaler Wegweiser

Direkter Draht in die Zielklinik: Im EMS Field Partner sind alle Kontaktdaten der regionalen Krankenhäuser hinterlegt.

Direkter Draht in die Zielklinik: Im EMS Field Partner sind alle Kontaktdaten der regionalen Krankenhäuser hinterlegt.

Neu ist der Ansatz, direkt am Notfallort über eine kurze Leitsymptomangabe wie Schlaganfall, Trauma oder Brustschmerz, das am besten geeignete und nächstgelegene Krankenhaus für den Patienten zu ermitteln. Über die GPS-Kartenfunktion wird sogleich die günstigste Fahrtroute dargestellt. Die Krankenhäuser sind mit allen nötigen Kontaktangaben versehen, um den Patienten ohne Zeitverzug ankündigen zu können.

Über die Funktion „EKG-Photo“ können die Rettungskräfte mit der Smartphone App Bilder vom EKG Gerät abfotografieren und dann per E-Mail an das Krankenhaus per E-Mail versenden. Wird hingehen die Unterstützung aus der Luft benötigt, reicht registrierten Anwendern ein Tastendruck, um einen Rettungshubschrauber anzufordern und hierbei die GPS-Koordinaten des Einsatzortes zu übermitteln.

„Alleine die Übermittlung der GPS Koordinaten an die Leitstelle kann bis zu vier Minuten an Zeitersparnis bringen. Und vier Minuten bei einem Schlaganfall oder Trauma können über Leben und Tod entscheiden“ meint Jeff Polana, Direktor der Notfallklinik im Alle-Kiski-Medical-Center in Natrona Heights bei Pittsburgh.

Die Alarmierung und Übermittlung von Einsatzdaten an die Luftrettung erfordert eine Registrierung um mutwillige Fehlalarme zu vermeiden.

Die Alarmierung und Übermittlung von Einsatzdaten an die Luftrettung erfordert eine Registrierung, um mutwillige Fehlalarme zu vermeiden.

Der Einsatzbereich der EMS Field Partner-App bezieht sich auf die Tri-State-Region Südwest-Pennsylvania, Ost-Ohio und West-Virginia.

Für spezielle Fälle bietet die App natürlich auch Gedächtnisstützen durch die EMS Pocket Reference. Sie verschafft den Zugriff auf eine Referenzkarte zur Notfallversorgung. Die Referenzkarte beinhaltet 12 verschiedene Themen, so zum Beispiel zur Verbrennungsversorgung, zur Überdruckbeatmung, zu Schmerzbeurteilungsverfahren und vielem mehr. Die Referenzkarte wird als zoombares PDF Dokument angezeigt.

US-Retter sind beeindruckt

Der „EMS Field Partner“ ist kostenlos für das Apple iPhone, das iPad sowie Android Smartphones verfügbar und stößt auf große Resonanz: Bereits nach wenigen Tagen schaffte es die Anwendung in die Top 50 des amerikanischen iPhone App Store im Bereich der medizinische Apps. Mittlerweile kann die App mehr als 4.000 Downloads verzeichnen. Durch die zahlreichen Presseberichte bei Yahoo, CNBC (TV) und Engadget haben sich Rettungsdienstler quer durch alle US-Bundesstaaten bereits mit den Möglichkeiten der erstaunlichen App aus Dingolfing vertraut gemacht.

„Wir haben mittlerweile auch Anfragen von weiteren Krankenhäusern aus der USA und eine Erweiterung der App ist angedacht“, berichtet Stefan Ritter. Er ist davon überzeugt, dass eine ähnliche App auch in Deutschland großes Potential haben kann. Anfragen hierfür hat er allerdings noch nicht.

One Response to “Eine App aus Bayern für Retter in Pennsylvania”

  1. Wuidl on Mai 19th, 2011 12:28

    Tja, da steht in großen teilen Deutschlands die „Vereinsmeierei“ aller beteiligten Organisationen, Behörden und Weiterversorgenden im weg. Sichwort nummer eins: Wer bezahl die Entwicklung?

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