Ein Telenotarzt für NRW


Staffelübergabe auf der Medica: Med-on@-ix geht, TemRas kommtAachen (pm) – Das Aachener Telenotarztprojekt „Med-on-@aix“ geht mit „TemRas“ in die Verlängerung. Fünf entsprechend ausgerüstete Rettungswagen werden in verschiedenen Rettungsdienstkreisen ab 2012 zur Verfügung stehen, um einen Beitrag zur Etablierung der Telemedizin im deutschen Rettungsdienst zu leisten.

Am 30. September 2010 beendete der Aachener Telenotarzt vorerst seinen Dienst. Im vergangenen Jahr haben die Notärzte der Klinik für Anästhesiologie des Universitätsklinikums Aachen als Telenotärzte etwa 500 Einsätze der Berufsfeuerwehr Aachen telemedizinisch unterstützt. Die Forschungsergebnisse des Aachener Projektes Med-on-@ix kamen damit in Form einer verbesserten Notfallversorgung erstmals einem breiten Bevölkerungskreis zugute.

Seit 2007 wurde das Vorhaben im Rahmen des Forschungsprogramms „SimoBIT – Sichere mobile Informationstechnik in Mittelstand und Verwaltung“ durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert. Das interdisziplinäre Konsortium aus RWTH und Universitätsklinikum Aachen sowie der P3 communications GmbH und Philips Healthcare erforscht seit dieser Zeit ein einzigartiges Konzept zur telemedizinischen Unterstützung des Rettungsdienstpersonals in Notfalleinsätzen.

Zur Verbesserung der Versorgungsqualität werden von der Einsatzstelle und aus dem Rettungswagen Daten, Messwerte und Live-Bilder eines Patienten via Mobilfunk verschlüsselt an eine Telenotarzt-Zentrale übertragen. Ein qualifizierter Notarzt in der Telenotarzt-Zentrale beurteilt anhand dieser Werte den Gesundheitszustand des Patienten. Bei Bedarf holt er zusätzliche Informationen und Ratschläge anderer Institutionen des Gesundheitswesens ein. Über eine ständige Sprachverbindung zum Team vor Ort unterstützt er das Rettungsdienstpersonal im Einsatzablauf und bei der Behandlung des Patienten – orientiert an einheitlichen Qualitätsmaßstäben und anerkannten medizinischen Leitlinien.

Die erfolgreiche Einbindung des telemedizinischen Konsultationssystems in den Rettungsdienst geht nun in eine zweite Runde. Seit dem 01. August 2010 läuft das Folgeprojekt „TemRas – Telemedizinisches Rettungsassistenzsystem“. Mit dem neuen Projektpartner 3M Medica ist es dem Konsortium gelungen, einen Antrag auf Förderung im Rahmen des Wettbewerbs InnoMeT.NRW des Landesministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung erfolgreich zu platzieren. Auf der Medica in Düsseldorf erfolgte nun die Übergabe des Telenotarzt-Projekts an die neuen Projektpartner.

In den kommenden drei Jahren wird das telemedizinische Konsultationssystem technisch und organisatorisch weiterentwickelt. Ab 2012 geht das System für ein Jahr in NRW „online“. Insgesamt werden fünf telemedizinisch ausgestattete Rettungswagen in unterschiedlichen Rettungsdienstbereichen an die Aachener Telenotarzt-Zentrale angeschlossen.

Für das Forscherteam besteht während dieses einjährigen Betriebs die einmalige Chance, die Effizienz des Systems in einem breiten Einsatz zu evaluieren. Ziel des Konsortiums aus Wissenschaft und Industrie ist es, aufbauend auf dem Erfolg von Med-on-@ix auch mit dem Forschungsvorhaben TemRas einen wesentlichen wissenschaftlichen Beitrag zur Etablierung der Telemedizin im deutschen Rettungsdienst zu leisten.

Weitere Informationen unter www.telenotarzt.de.

3 Responses to “Ein Telenotarzt für NRW”

  1. Status3 on November 19th, 2010 20:22

    Fragt sich, ob man die Einführung dieses Systems gutheißen muss… Die Antwort auf fehlende Notärzte können nur weitere Standorte sein.

  2. SH on Januar 28th, 2011 16:05

    @Status3:
    Ja genau… und die füllen wir dann mangels Notärzten mit Luft. Ich habe den Beitrag bereits in der Mediathek gesehen und muss sagen, dass dieser das Problem recht gut beleuchtet. Es geht eben nicht nur um „mehr Notärzte“ sondern um eine brauchbare Versorgungsqualität. Und diese hat grundsätzlich mal nichts mit der bloßen Anzahl zu tun.

  3. T on Januar 31st, 2011 14:47

    Sicher ist der Ansatz interessant und hilfreich. Die Antwort auf Notarztmangel kann sich nicht allein darauf beschränken, Notärzte zur Ferndiagnose per Kamera ranzukriegen. Notwendig ist vielmehr eine Reform des RettAss-Gesetzes mit dem Ziel, rechtlich wasserdichte Regelkompetenzen für das nichtärztliche Personal zu schaffen.

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