DRK-Studie: Jeder dritte Einsatz ist kein Notfall


Berlin (DRK) – Mehr als 120 DRK-Rettungsdienste haben sich deutschlandweit an einer bisher einmaligen Studie beteiligt. Die Stichtagsabfrage ergab unter anderem, dass – obwohl die Notrufnummer 112 gerufen wurde – jeder dritte Einsatz kein Notfall war. In dieser Studie zum Rettungsdienst wurde nach dem medizinischen Lagebild der Patienten, den eingesetzten Rettungsmitteln sowie Geschlecht und Alter gefragt. Die Ergebnisse dieser Studie, bei der 3.130 Fälle ausgewertet wurden, stellte DRK-Bundesarzt Prof. Peter Sefrin im Rahmen eines DRK-Symposiums am Dienstag (07.10.2014) in Berlin vor.

Wichtigste gesetzliche Grundlage des Rettungsdienstes in Deutschland ist bisher die so genannte „Krankentransport-Richtlinie“, nach der Patienten Anspruch auf die sachgerechte Verordnung einer Krankenfahrt, eines Krankentransportes oder einer Rettungsfahrt haben. Am Stichtag erfolgten jedoch nur knapp 20 Prozent der Einsätze auf Verordnung durch einen Arzt. Mehr als 80 Prozent der Einsätze wurden ohne vorherige Verordnung über die Rufnummer 112 durch die Leitstellen disponiert und bis auf wenige Ausnahmen durch Rettungswagen (RTW) bzw. RTW und Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) gefahren. Allerdings zeigte sich im Nachhinein, dass 34,5 Prozent gar keine echten Notfälle waren.

Der Einsatz dieser Fahrzeuge (RTW und NEF) setzt voraus, dass die Leitstellendisponenten aufgrund ihrer Lageinformationen zu der Überzeugung gelangt sind, dass beim Patienten ein akut lebensbedrohlicher Gesundheitszustand vorliegt. Die drei häufigsten lebensbedrohlichen Erkrankungen betrafen dabei Herz-Kreislauf (46,9 Prozent), das zentrale Nervensystem bzw. Schlaganfall (20,7 Prozent) und die Atmung (15,9 Prozent). Von den Fällen ohne Verordnung waren insgesamt 42 Prozent der Patienten über 70 Jahre alt.

Derzeit gibt es bundesweit nur zwei Quellen, um Angaben über rettungsdienstliche Leistungen zu erhalten: Zum einen die Angaben der Gesetzlichen Krankenversicherung zu den Leistungsfällen im Rettungsdienst und zum anderen die regelmäßige Replikationsstudie der Bundesanstalt für Straßenwesen mit einem derzeitigen Erhebungsturnus von vier Jahren.

(07.10.2014; Symbolfoto: AOK Mediendienst)

13 Responses to “DRK-Studie: Jeder dritte Einsatz ist kein Notfall”

  1. Marcel Eichner via Facebook on Oktober 7th, 2014 16:59

    Ich behaupte sogar, dass noch nicht einmal jeder 2. Einsatz gerechtfertigt ist. Und da spreche ich aus Erfahrung! Die Leute sollten mal zur Kasse gebeten werden. Am schlimmsten ist es in den unteren sozialen Schichten. Da wird oft der RTW gerufen um Wartezeiten beim Hausarzt zu vermeiden !

  2. Jörn on Oktober 8th, 2014 05:47

    @Marcel Eichner via Facebook (07.10.2014 – 16:59 Uhr):

    ZITAT: „Am schlimmsten ist es in den unteren sozialen Schichten. Da wird oft der RTW gerufen[,] um Wartezeiten beim Hausarzt zu vermeiden !“

    Guten Morgen, Herr Eichner!

    Ihre hier via Facebook geäußerte Meinung ist nicht nur diskriminierend, sondern zugleich entlarvend!

    B-DENKE: Ein missbräuchliche Nutzung der Ressource(n) „Rettungsdienst“ und „Zentrale Notaufnahme“ bzw. „Ärztliche Bereitschaftspraxis“ gibt es in allen „sozialen Schichten“ – und sie ist zur Wahrung des Gesamtsystems durchaus tolerier- und hinnehmbar!

    Ärgerliche Grüße aus dem Westen

  3. Mark on Oktober 8th, 2014 08:28

    Leider sind unsere Bürger weder am Telefon noch vor Ort nah an der Wahrheit. Mittlerweile wissen sie, wie man eine schnelle Bahndlung bekommt und wenn Sie merken das man nicht weiterkommt, wird man mit rechtlichen Konsequenzen bedroht. Manchmal nervt mich die „Nimm Gesellschaft“ ganz schön an. Ich muß aber auch leider feststellen das die Eingenverantwortlichkeit unserer Gesellschaft in Deutschland ganz schön leidet.

  4. Hanseretter on Oktober 8th, 2014 13:34

    Zu Marcel Eichner

    Sie und die Leute, die so denken, sollten sich einen anderen Job suchen.
    Ich meine das gar nicht herablassend, ich meine, Sie leben an der herrschenden Realität vorbei.
    Ich sage das auch Kollegen und in meiner Funktion als Lehrrettungsassistent auch Auszubildenden aller Kategorien. Wer wegen „Rettungsflieger“ oder „Kobra 11“ im Blaulichtgewerbe landet, wird besser Schauspieler.
    Die Realität ist, für uns sind Patienten unter 50 Jahre junge Menschen, alle Autos sind Krankenwagen, das Personal entweder Notarzt oder Träger und man kann froh sein, wenn die Bevölkerung wenigstens eine Notrufnummer kennt!
    Also wachen Sie bitte auf oder suchen Sie sich eine Alternative!

  5. olaf on Oktober 8th, 2014 19:39

    @Jörn und Hanseretter, erst zu Hanseretter, finde den Vergleich etwas witzig, Haben Sie deswegen den Beruf ergriffen…wegen Rettungsflieger oder Cobra 11.Anderen Job suchen? Was für eine selten dumme Äusserung.
    Die Bevölkerung ist wohl nicht von gestern und kennt garantiert die Notrufnummer.
    Und zu Jörn….halten Sie mal den Ball flach, diskriminierend? Naja wenn Sie meinen….hinnehmen muss niemand was.
    Für mich stellen Sie beide das Berufsbild ohne Rückrad und eigene Meinung da.
    Wobei ich Ihnen beiflichte, dass dieses in allen sozialen Schichten vorkommt.
    Aber jeder weiss hier, das die Bevölkerung den Bogen raus hat. Gibt sogar einen netten Bericht dazu, dass sogar Ärzte „Alarm “ schlagen , dass Pat. wegen Kleinigkeiten den RTW alamieren oder die Notaufnahme aufsuchen.
    Dieses ist fakt.
    Finde es unsachlich nur weil jemand seine Meinung äussert , Ihm zu unterstellen Er solle sich einen anderen Beruf suchen.
    Es ist fakt RTWs werden missbraucht und ja wenn es in einer 12 Std. Schicht vorkommt hat man 1 wirklichen Notfall, wenn es mal hochkommt 2 und am WE , steigen die Einsätze für Taxi fahrten , weil die Bevölkerung meint warum soll ich selber fahren, gibt ja das grosse Auto mit blauen Licht.Denn Sie wissen so kommen Sie schneller dran, so oder so günstiger ins KH und schneller.
    Man kann dieses weiterhin skeptisch betrachten und es sollten wirklich rechtliche Konsequenzen für böswillige Alamierungen nach sich ziehen

  6. Bernd on Oktober 9th, 2014 05:56

    Du triffst meiner Meinung nach den Nagel auf den Kopf, Hanseretter!
    Das Problem liegt nicht in der sozialen Schicht, sondern im System!

  7. Ralf on Oktober 9th, 2014 10:22

    Wird in obiger Statistik eine Synkope als Notfall gezählt oder nicht?
    Wenn ich den Text richtig verstanden habe in den meisten Fällen nicht.

    Wenn wir die Zahl der Fehlfahrten reduzieren wollen müssen wir die Bevölkerung besser schulen Notfälle als solche zu erkennen.

    Wie häufig die Notrufnummer missbräuchlich benutzt wird geht aus dieser Statistik nicht hervor.

    Mir ist klar das echter Missbrauch der Notrufnummer bestraft gehört und wird in klaren Fällen wohl auch gemacht.
    Allerdings jede Sanktion eines Missbrauchs der Notrufnummer führt auch dazu das bei einemem echten Notfall aus Angst kein Notruf getätigt wird.
    Hir den richtigen Kompromiss zu finden ist sicher nicht einfach

  8. Hanseretter on Oktober 9th, 2014 10:28

    Zu Olaf

    Als ich den Beruf ergriffen habe, gab es Sendungen wie „Notruf California“.
    Und definitiv wissen viel zu wenig Menschen die richtige Nummer für welchen Fall.
    110, 112, 19222, 116 117, 19221, 19220, 228022, 19218, 19212, 19219, usw.
    Eine Auswahl der hier möglichen und beworbenen Nummern.

  9. Olaf on Oktober 9th, 2014 11:32

    @Bernd richtig auch im System. Nur wird dieses Problem nicht angegangen. Kollegen berichten und befürchten, dass es noch schlimmer wird. Rtws werden für richtige Notfälle blockiert. Was vielen egal ist, den jeder ist sich selbst der nächste und dieses kann wohl nicht hingenommen werden. Zum Großteil ist dieses aber ein Problem in der Stadt in den meisten Fällen findet man es auf dem Land nicht. Eine Statistik wird es auch wohl nicht geben oder Konsequenzen , den mehr Einsätze heisst mehr Rtws die in den Dienst gestellt werden können. Kann auch nicht Sinn der Sache sein.

  10. Ralf on Oktober 9th, 2014 17:08

    @olaf
    Marcle antworte ich nicht direkt weil ich Trolle nicht füttere.
    Doch es handelt sich um Diskriminierung genauer um strukturelle Diskriminierung.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Strukturelle_Diskriminierung

    Eine Sache vor der man sich in Acht nehmen muß.
    Der Jugendliche der sich nicht mehr richtig artikulieren kann ist natürlich besoffen und hat keinen Schlaganfall :-(.
    Wichtig dabei: Die Wahrscheinlichkeit für einen Jugendlichen einen Schlaganfall zu erleiden ist ziemlich unabhängig vom aktuellen Alkoholkosum

  11. Olaf on Oktober 10th, 2014 18:04

    Naja Trolle……da sollte man eigentlich mit guten Beispiel vorangehen.
    In 2 sätzen hat Er ja nicht ganz unrecht. Ausser den satz was sozial angeht.

  12. Surrounder on Oktober 15th, 2014 12:51

    Ich sehe das auch so, dass dieses Phänomen auf alle soziale Schichten anzuwenden ist. Bin schon oft als RTW mit oder ohne Signal in eine Arztpraxis gefahren um einen Krankentransport durchzuführen, das wird auch von den Ärzten bewusst ausgenutzt. Das wird von Eltern die mit dem Kind in der Klinik oder in der Notfallpraxis waren und wieder nach Hause geschickt wurden ausgenutzt, und letztlich auch von den Ordnungshütern die den „betrunkene“ auf dem Volksfest der dann seine Nacht auf der Intensiv verbringt als RTW Taxi bestellt. Am liebsten sind mir die Patienten die wenn man mit Blaulicht vorfährt mit Koffer und Angehörigen am Straßenrand stehen und sich freuen das man kommt. Die Angehörigen fahren dann im privaten PKW hinterher, man will ja nichts verpassen. Die Meinung der Angehörigen kann man dann oft als Leserbriefe in der Zeitung lesen, die Wartezeit im KH ist deutlich zu lange und man hat keinerlei Info bekommen wie es dem Angehörigen geht.

    Zusammengefasst, ich arbeite ehrenamtlich im Rettungsdienst und ich mache das sehr gerne. Ich ärgere mich da auch manchmal darüber, aber es gehört zu dem Beruf dazu. Ärgere mich genauso über RD Kollegen die Patienten unhöflich behandeln. Ich versuche jeden Patienten gleich zu behandeln. Natürlich ist einem der eine oder andere unsympathisch, aber es menschelt halt überall.

    Zum Thema Schulung der Bevölkerung bin ich der Meinung dass das nicht funktioniert. Man hat die letzten Jahre bewusst darauf hingearbeitet mit so Themen wie „Schlaganfall ein Notfall“ etc. die Bevölkerung auf die Themen zu sensibilisieren. Das führt dazu, dass lieber zu viel angerufen wird, als einmal zu wenig.

  13. Rolf Pleyer on November 9th, 2014 18:55

    Ich bin nun seit 25 Jahren dabei und musste mit ansehen, wie dieses gute
    Rettungssystem in Deutschland kaputt gemacht wird. Es gibt sicherlich Grenzfälle wo man nicht drüber redet und den Patienten sicher ins Krankenhaus bringt, aber
    es gibt heute viele Einsätze wo man sich fragt ob das so richtig ist? Es wundert mich schon. dass hier das DRK einen Studie zu diesem Thema veröffentlicht, denn
    man verdient ja schließlich Geld damit. Ich bin nebenbei seit ca 20 Jahren auch in der Ausbildung beschäftigt und versuche schon meinen Teilnehmern zu vermitteln wann man die 112 ruft und wann man ein Pflaster drauf macht und evtl. zum Artzt geht. Da haben wir aber noch viel zu tun! Viel Spassss noch bei der Arbeit!

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