DRF will neue Impulse für die Notfallmedizin geben


Bad Saarow (DRF) – Entwicklungen in der Notfall- und Intensivmedizin standen bei der diesjährigen medizinischen Jahrestagung der DRF Luftrettung im Mittelpunkt. Rund 100 Teilnehmer, neben den Leitenden Notärzte und Rettungsassistenten der Stationen der DRF Luftrettung auch Gäste der Bundespolizei-Luftrettungsstationen, kamen in Bad Saarow zusammen.
Zu Beginn gab Dr. Karl-Heinz Grütte vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie Brandenburg einen Einblick in das Rettungswesen in Brandenburg. Er betonte, dass der Luftrettung in dem dünn besiedelten Bundesland eine besondere Bedeutung zukomme, da insbesondere in den vergangenen Jahren die Anzahl der Notarztstandorte und der Krankenhäuser der Akutversorgung gesunken sei.

Vier Rettungshubschrauber und ein Intensivtransporthubschrauber stellen in Brandenburg die Versorgung aus der Luft sicher. Dr. Grütte erläuterte unter anderem das Einsatzgebiet des in Bad Saarow stationierten Rettungshubschraubers der DRF Luftrettung. „Christoph 49“ wird überwiegend als schneller Notarztzubringer eingesetzt und deckt bei Notfällen mit einem Einsatzradius von 50 km die Landkreise Oder-Spree, Dahme-Spreewald, Teltow-Fläming, Oderland, Barnim, Frankfurt/Oder und Spree-Neiße ab.

Die steigende Bedeutung der Luftrettung betonte auch Prof. Dr. André Gries, Direktor der Interdisziplinären Notfallaufnahme des Klinikums Fulda. Er stellte eine vom Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit sowie vom Regierungspräsidium in Gießen unterstützte Studie zum luft- und bodengebundenen Notarztdienst in Hessen vor (BoLuS-Studie). In diese sich aktuell in Planung befindliche Untersuchung sollen auch Einsatzdaten der in Hessen zum Einsatz kommenden Hubschrauber der DRF Luftrettung (z.B. Mannheim, Christoph 53; Suhl Christoph 60) einfließen.

Unter anderem liegt der Studie das von verschiedenen medizinischen Fachgesellschaften, Notarztarbeitsgemeinschaften und Rettungsdienstorganisationen gemeinsam veröffentlichte aktuelle „Eckpunktepapier zur notfallmedizinischen Versorgung der Bevölkerung in Klinik und Präklinik“ zugrunde. Die „Eckpunkte“ machen deutlich, dass die klinische Therapie bei wesentlichen notfallmedizinischen Krankheitsbildern wie z.B. Schlaganfall und Schädel-Hirn-Trauma, nach höchstens 90 Minuten beginnen muss.

Prof. Dr. Gries zeigte, dass diese Zeitintervalle in einigen Regionen häufig nur mit Hilfe der Luftrettung eingehalten werden können. Die voraussichtlich bis 2010 laufende BoLuS-Studie untersucht nun nicht nur die Zeit von Alarmierung bis zum Eintreffen des Rettungsmittels am Einsatzort, sondern die komplette Versorgungszeit vom Notrufeingang bis zum Beginn der stationären Diagnostik und Therapie des Patienten in der geeigneten Zielklinik. Mögliches Optimierungspotential bei Disposition, Versorgungszeiten und Auswahl der Zielklinik beim Einsatz von boden- und luftgestützten Notarztsystemen soll erarbeitet werden.
Weiterhin stand das Thema „Kühlung in der Notfallmedizin“ auf der Agenda der Jahrestagung. Hierbei wurde eine neue Form der transnasalen Kühlung vorgestellt, die bereits erfolgreich bei Patienten mit Herz-Kreislaufstillstand im Einsatz war. Ein entsprechendes Gerät, das eine schnelle Kühlung des Gehirns bewirkt, ist derzeit an der Freiburger Station der DRF Luftrettung im Test. Darüber hinaus wurden neue Kühltransportsysteme für Medikamente und Infusionen vorgestellt.

Weitere Vorträge der Jahrestagung behandelten neue Erkenntnisse bei der Traumaversorgung, Methoden einer nichtinvasiven Hämoglobin-Bestimmung sowie Themen aus der Pharmakologie und Entwicklungen zu PEER, dem im vergangenen Jahr bei der DRF Luftrettung initiierten Projekt zur Krisenintervention und Stressbewältigung.

Auch in diesem Jahr waren die Rückmeldungen zu der medizinischen Jahrestagung sehr positiv. „Die guten Rückmeldungen der Teilnehmer zeigen, dass die Veranstaltung ein wichtiges Gesprächsforum bietet und neue fachliche Erkenntnisse vermittelt. Wir wollen neue Impulse in der Notfallmedizin setzen. Nur so können wir weiterhin ein hohes Qualitätsniveau halten, das letztlich den uns anvertrauten Patienten zugute kommt“, zieht Dr. Jörg Braun, Ärztlicher Leiter der DRF Luftrettung, eine positive Bilanz.

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