DIVI schließt Fördermitglied aus


Bremen (rd.de) – Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hat die DGINA als Fördermitglied ausgeschlossen. Ausschlaggebend für diese Entscheidung sind unterschiedliche Ansichten über die Frage, wer der „bessere“ Notfallmediziner in der Notaufnahme ist.

Die DIVI fordert schon seit geraumer Zeit eine zweijährige Zusatzweiterbildung „Interdisziplinäre Notaufnahme“. Sie soll für Ärzte Voraussetzung für die eigenverantwortliche Tätigkeit in der interdisziplinären Notaufnahme eines Krankenhauses sein. Nach Ansicht der DIVI kommen dafür nur Fachärzten der Inneren Medizin, der Chirurgie, der Anästhesiologie, der Pädiatrie und der Neurologie/Neurochirurgie in Frage. Sie können jeweils eine mindestens fünfjährige Weiterbildung in ihrem Fachgebiet nachweisen.

Europäischer Facharzt für Notfallmedizin

Die Deutsche Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) sieht dies anders. Sie befürwortet eine Regelung wie in den USA oder Großbritannien. Hier gibt es Fachärzte für Notfallmedizin. „Keine in Deutschland vertretene medizinische Spezialität kann den Anforderungen an eine profunde und umfassende Notfallversorgung genügen, welche auch das notwendige organisatorische Know-how beinhalten muss“, urteilt die DGINA über das deutsche System. Deshalb unterstütze man „das Curriculum für den ‚Europäischen Facharzt für Notfallmedizin‘ der Europäischen Gesellschaft für Notfallmedizin mit einer Ausbildungszeit von mindestens 5 Jahren“, schreibt der Verein auf seiner Webseite.

Die DIVI scheint mit dieser Einstellung massive Probleme zu haben. Mit der öffentlichen Forderung für einen eigenen Facharzt für Notfallmedizin habe sich die DGINA gegen ein wichtiges satzungsgemäßes Ziel der DIVI ausgesprochen. Die Ausbildung zum Facharzt für Notfallmedizin orientiere sich eher an der Breite als an der Tiefe des Wissens, teilte die DIVI mit. Das Präsidium der DIVI hat deshalb beschlossen, die DGINA als förderndes Mitglied aus der DIVI auszuschließen.

(Symbolfoto: Techniker Krankenkasse)

5 Responses to “DIVI schließt Fördermitglied aus”

  1. Jo Wørner via Facebook on Dezember 5th, 2013 13:41

    Kindergarten oder was?

  2. Hanseretter on Dezember 5th, 2013 22:12

    „Du bist anderer Meinung als ich, doch ich werde dein Recht dazu bis in den Tod verteidigen“
    Zitat angeblich von Voltaire
    Aber bei Ärzten herrscht ja noch der Absolutismus!

  3. Marcel Eichner via Facebook on Dezember 6th, 2013 08:50

    Wenn die sonst keine Probleme haben.

  4. Voltaire on Dezember 6th, 2013 10:13

    @Hanseretter: Stammt naturellement von mir! Aber der Standesdünkel stammt aus vorabsolutistischer Zeit – würde sagen polykratisch, oder so…

  5. Max on Dezember 11th, 2013 16:28

    Solange sie sich denn überhaupt auf eines von beidem verständigen würden. In Notaufnahmen arbeiten doch gerade Nachts und an Wochenenden häufig überlastete und unerfahrene Assistenzärzte.

    Aussage der DIVI:
    „Was zunächst verlockend klingt, ist in Wirklichkeit eine Mogelpackung“, warnten der Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC), die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie sowie die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. Während derzeit in deutschen Notaufnahmen voll ausgebildete Chirurgen, Internisten, Neurologen, Kinderärzte und Gynäkologen sowie andere Fachgruppen zusammen­arbeiteten, würde es in Zukunft dort zusätzlich den Facharzt für Notfallmedizin geben, der nur Bruchteile des Wissens der einzelnen Fachgebiete erlerne.

    Der DIVI geht es hierbei übrigens nicht wirklich um die Qualität der Versorgung. In ihr sind auch die Fachgesellschaften der einzelnen Disziplinen vertreten, die sich ansonsten ausgeschlossen fühlen würden.

    Weitere Informationen dazu hier:
    http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/55355/Chirurgen-und-Intensivmediziner-wollen-keinen-Facharzt-fuer-Notfallmedizin

    Dazu auch die Kommentare lesen (und den darin verlinkten Beitrag vom SWR gucken). Das sagt einfach alles aus. Hier geht es (der DIVI) schlichtweg um Standesdenken und Eigeninteresse.

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