Diskussion um Notarzteinsatzhubschrauber


KBA Helikopter KUNO SH-1 (Foto: KBA)Kiel (rd.de) – Die Inbetriebnahme des fliegenden Notarztzubringers in Hartenholm erregt Widerspruch. Die Kritik richtet sich dabei hauptsächlich gegen das Vorgehen des Betreibers KBA und die technische Umsetzung.

Mit der Inbetriebnahme des Notarzteinsatzhubschraubers (NEH) wird an den Strukturen vorbei eine neue Situation geschaffen. Die Kostenträger haben sich hierzu deutlich zu Wort gemeldet. Sowohl der Verband der Ersatzkassen in Schleswig-Holstein als auch die AOK Nord-West lehnen das Projekt ab.

„Aus unserer Sicht ist die Versorgungsleistung des bodengebundenen Rettungsdienstes in der Region nicht zu beanstanden“, erklärt Florian Unger, Sprecher der VdEK Schleswig-Holstein. „Es kommt hinzu, dass bei Engpässen drei Rettungshubschrauber in Schleswig-Holstein und zwei Hubschrauber aus Hamburg eingreifen können.“

Ungeachtet der Kritik sind für den Notarzthubschrauber seit dem 15. Juli immerhin zwölf Einsätze zusammen gekommen. „Die Alarmierungen kommen durchweg von der Leitstelle Holstein, die für die Gebiete Segeberg und Neumünster zuständig ist“, erklärt KBA-Sprecher Florian Gottschalk. Mit jeder Alarmierung des Notarzteinsatzhubschraubers stellt sich die Frage, ob es um die Notarztversorgung tatsächlich so rosig bestellt ist, zumal noch zwei weitere Leitstellen im Versorgungsradius des NEH liegen, die das neue Angebot noch nicht angenommen haben.

Maschine technisch wenig geeignet

Offenbar haben sich die Kreise inzwischen über die Art der rechtlichen Betriebsgenehmigung beim Luftfahrtbundesamt informiert. Die Genehmigung wurde für die gewerbliche Personenbeförderung erteilt. Die sonst geltenden strengen technischen Leistungsvorgaben für Rettungshubschrauber werden hierbei nicht gestellt. Bei der eingesetzten Maschine, einer BO105, handelt es sich um einen Helikopter der Leistungsklasse III. Nach geltendem Recht darf ein solcher Hubschrauber weder über dicht besiedeltes Gebiet fliegen noch dort landen. „Es stellt sich für uns also die Frage, ob die Maschine für diese Art von Einsätzen geeignet ist“, erläutert Petra Hentschel, Sprecherin der DRF-Luftrettung gegenüber www.rettungsdienst.de.

KBA-Sprecher Gottschalk bestätigt zwar, dass der Hubschrauber formal der Leistungsklasse III entspricht, allerdings verfüge er über zwei Triebwerke. Beim Ausfall eines Triebwerks, hat die Maschine immerhin Reserven, um sicher zu landen.

Die DRF hat in einem Schreiben an die politischen Entscheider gewandt: „Wir wollten mit diesen Schreiben eine fachliche Auseinandersetzung zum Thema Notarztversorgung anregen“, so Hentschel. Nach Beobachtungen der DRF fliegen die Hubschrauber in Schleswig-Holstein jeden dritten Patienten auch in ein geeignetes Zielkrankenhaus, was etwa dem Bundesdurchschnitt entspricht. „Durch die fortschreitende Spezialisierung der Krankenhäuser ist nicht immer das nächstgelegene Krankenhaus auch das geeignete. In der Folge wird der schnelle Hubschraubertransport in entfernte Versorgungszentren immer wichtiger“, argumentiert die DRF-Sprecherin.

Notarztversorgung Thema nach der Sommerpause

Die Diskussion fällt im Augenblick ins Sommerloch, hat aber gute Chancen, es auf die Tagesordnung der Landesregierung zu schaffen. Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Ursula Sassen, rät dazu, im Rahmen einer umfassenden Bedarfsplanung auch das Thema Rettungsdienst vertieft zu beleuchten. Fakt sei, dass eine ausreichende notärztliche Versorgung gerade auch in einem Flächen- und Tourismusland wie Schleswig-Holstein sicher zu stellen sei. Ob es dafür eines Hubschraubers am Standort Hartenholm bedürfe, sei zu klären: „Wichtig ist es, unvoreingenommen bereits bestehende Strukturen der notärztlichen Versorgung auf ihre Verlässlichkeit hin zu prüfen.“

24 Responses to “Diskussion um Notarzteinsatzhubschrauber”

  1. Status3 on August 2nd, 2011 13:26

    „Mit jeder Alarmierung des Notarzteinsatzhubschraubers stellt sich die Frage, ob es um die Notarztversorgung tatsächlich so rosig bestellt ist, zumal noch zwei weitere Leitstellen im Versorgungsradius des NEH liegen, die das neue Angebot noch nicht angenommen haben.“

    Bitte? Zwei von drei Leitstellen fordern das Ding nicht an und daraus wird geschlossen, dass ein Versorgungsdefizit besteht? Das muss mir dann doch erstmal jemand erklären. Ein Hubschrauber ohne Versorgungskapazität ist Quatsch und ein Rettungsmittel, dass nicht in besiedeltem Gebiet landen darf ist unnütz. Aber hauptsache man bastelt sich medienwirksam einen Hubschrauber. -.-

  2. Janina on August 2nd, 2011 14:44

    Schnell zur Notlandung zwingen den Vogel.

    Wenn die Einsätze wie geschildert nur im Zuständigkeitsbereich der baldigen Kreisleitstelle Holstein waren, wurde die Maschine mit Sicherheit mehrfach als schnellstmögliches Mittel eingesetzt und nicht wie sonst üblich als sog. Ergänzung zum bodengebundenen System. Schön für die betroffenen Patienten, schlecht für eine geplante und planbare Versorgung mit präklinischer Notfallrettung.

    In einem Bundesland, wo es keine Hilfsfrist für den Notarzt gibt und man eine solche Frist ob des bestehenden Netzes an Rettungswachen auch nicht braucht, ist das aus meiner Sicht eine Art von moderner Plünderung der gesetzlichen Krankenkassen.

    Die bestehenden bodengebundenen Vorhalte-NEF-Systeme wurden vermutlich nicht eingesetzt weil zumeist wohl der NEH einfach nur schneller zum Einsatzort war? Geht es noch?

    Nun lasst uns das Teil 2,5 Monate intensiv durch die KBA gesponsert als Spielzeug der Leitstelle einsetzen und dann ist der Spuk vorbei. Telefonieren die eigentlich oder haben die eine BOS-4m-Zulassung?

  3. Andreas on August 2nd, 2011 15:57

    Also ich finde sowas sollte nicht zur Diskussion stehen. Immerhin ist er gedacht um Leben zu retten!!

  4. Christian Mersch on August 2nd, 2011 19:52

    Das die Kassen nicht zahlen wollen ist ja zu erwarten gewesen. Die Notarztversorgung ist überall sehr bescheiden. Und so ganz haben es einige glaube ich nicht begriffen. Der RTH kostet ca 1700€ , der NEH wohl ca 800€. 80% aller RTH Einsätze sind zubringer. Kann jeder in einer herausgegebenen Statistik nachlesen.
    Zum Thema BO 105. Richtig das die BO keine HEMS mehr fliegen darf. Ist es HEMS was dort gemacht wird? Ich denke das ist Auslegungssache und von mir nicht zu beurteilen. Die Argumentation des Herrn Gottschalk vom KBA, da kann ich nur sagen da sollte jemand Stellung zu beziehen der sich damit auskennt und nicht nur irgendwas von 2 Triebwerken redet. Den meines wissens ist dieser Hubschrauber modifiziert worden und nun Leistungsklasse 2 ( mindestens) .

  5. Alexander Schreiber on August 3rd, 2011 10:48

    Zur Notwendigkeit dieses Notarzt-Hubschraubers sind zwei Dinge zu sagen:
    1. Angebot schafft Nachfrage; und auch wenn die Alarmierungen über die öffentliche Leitstelle kamen, gibt es für die „Firma“ und für so machen „treuen“ Mitarbeiter „Spielraum“ auf eine Alarmierung hinzuwirken!
    2. Hubschrauber sind nach wie vor geeignet Aufmerksamkeit zu erregen; nur aus diesem Grund dürfte diese „Firma“ diesen Helikopter betreiben.

    Was machen den „freiberuflich tätige Notärzte“ in Bayern, hier kenn ich mich aus, um an mehr Einsätze zu kommen. Sie versprechen den RTW-Besatzungen drei kostenlose Pizzen zum Abendessen, wenn sie für einen „nicht-indizierten Einsatz“ nachgefordert werden.

    Und wenn im Norden mal kein Notarzt für einen echten Notarzteinsatz zur Verfügung steht, dann liegt es sicher sehr oft daran, dass dieser bei einem Einsaz ist, der eigentlich keinen Notarzt erfordert – entweder weil verunsichertes oder unzureichend ausgebildete „nicht-ärztliche Retter“ ihn nachgefordert haben oder weil er unterwegs ist um bei einer Oberschenkelhalsfraktur eine „Schmerzspritze“ zu geben. …

    Mein Vorschlag:
    Dieses Fluggerät stillegen!
    RettAss vernünftig auswählen (allgem. Schulbildung) und vernünftig ausbilden!
    Schmerzbekämpfung bei diesen relativen NA-Indikationen durch RettAss!

    Man muss sich diesen WAHNSINN mal vorstellen: In Afrika verhungern Kinder – und in Deutschland muss aus „politischen Gründen“ ein Hubschrauber geschickt werden, um einem Patienten mit Oberschenkelhalsfraktur die Schmerzspritze zukommen zu lassen.

    Ohne (weitee) Worte …

  6. Daniel on August 3rd, 2011 12:38

    Nun ja, wir sind allerdings hier nicht in Afrika und das ist auch gut so. Ein Patient mit starken Schmerzen hat ein recht auf eine vernünftige Analgesie (sind weder in Mittelalter noch in Afrika). Und diese kann/darf halt nun mal nur von einem Notarzt durchgeführt werden. Folglich->Notarzt zur Einsatzstelle.

    Sicher kann man jetzt wieder eine Brücke zum Thema der Kompetenzen der „nicht-ärztlichen Retter“ schlagen…allerdings müsste im gleichen Atemzug auch über einen der Verantwortung angepassten Lohn gesprochen werden.

    Zum Thema NEH kann ich wenig bis gar nichts sagen da ich mich in der Ecke absolut gar nicht auskenne.

  7. Daniel Grein on August 3rd, 2011 12:52

    Ein wichtiger Punkt, der hier von Alexander Schreiber angesprochen wurde: statt permanent darüber nachzudenken, wie man die Verfügbarkeit von Notärzten verbessern kann, sollte man mehr Zeit und Engagement darin investieren, die Rolle derjenigen, die täglich ihren Dienst in der präklinischen Notfallrettung versehen und jederzeit verfügbar sind – Rettungsassistenten – auszubauen und ihnen adäquate Aus- und Fortbildungen zuteil werden zu lassen.

    Ich wage zu prognostizieren, dass das Notarztsystem, wie wir es uns derzeit in Deutschland noch leisten, auf Dauer nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Auch wenn dies in den Augen Vieler einen Rückschritt bedeutet, so müssen wir uns doch im Klaren darüber sein, dass alleine aufgrund des demografischen Wandels und der geänderten Anspruchshaltung der Bevölkerung das Notarztsystem in seinen heutigen Dimensionen schlicht nicht mehr finanzierbar sein wird. Notärzte im Rettungsdienst? Ja, selbstverständlich! Aber nur dort, wo sie aufgrund ihrer Ausbildung und klinischen Erfahrung tatsächlich unabdingbar sind.

    Wir verfügen schon heute vielerorts über gut aus- und fortgebildete, nichtärztliche Rettungsfachkräfte. Wenn wir diesen und ihrer Ausbildung mehr Aufmerksamkeit sowie eine gerechte Entlohnung bieten, können wir weiterhin einen Rettungsdienst auf hohem Niveau, vermutlich sogar auf noch höherem Niveau, anbieten. Die Zeiten, in denen ärztliche Verbände noch glaubhaft machen konnten, nur Ärzte seien in der Lage, eine fachgerechte und qualitativ hochwertige Notfallversorgung sicherzustellen, gehören mehr und mehr der Vergangenheit an.

    Wer freiberufliche Notärzte, die seit Jahren Patienten nur noch in Notfallsituationen zu Gesicht bekommen befürwortet, der kann sich nur schwerlich gegen die Versorgung durch entsprechend ausgebildete Rettungsassistenten aussprechen. Und freiberufliche Notärzte scheinen sich zunehmender Beliebtheit zu erfreuen.

  8. emjay on August 3rd, 2011 12:56

    Also ich finde diese Diskusionen um irgendwelche Sinnvolle oder nicht Sinvolle Rettungsmittel immer sehr amüsant.

    Ob Befürworter oder Gegner (Sympatisant für den KBA oder Antipathisant der andere LuftRettOrganisationen), immer wieder sehr Interesant.

    Meine neutrale Meinung:
    Ich finde man sollte jeder Organisation eine Chance geben (auch wenn der Hubschrauber ggf. nur ein prestigeobjekt sein sollte).

    Jede Konkurenz gegen die „Großen“ ist in der freien Wirtschaft sinnvoll und sollten sich etablieren.

    Und na klar die DRF wehrt sich mit allen mitteln dagegen, sind ja Gelder die da flöten gehen, ich müsste auch laut werden gegenüber jeder Konkurenz oder verlorenem Geld, ob ADAC od. DRF man darf nicht vergessen es sind auch nur Wirtschaftsunternehmen die Geld verdienen müssen ob gemeinnützig tituliert oder nicht.

    Der Druck wird steigen und die Macht der „Großen“ inkl. Beziehungen bis in die hohe Politik wird versucht ausgespielt zu werden (leider).

    Sehen wir doch aktuell den Machtkampf um Christoph Westphalen, um jede Station wird gekämpft bis ins letzte, verlorene Prestige und many Money :-).

    Wie aktuell in anderen Bereichen eine unabhängige Bedarfsanalyse stellen und dann handeln und vor allem nicht vorurteilen weil ein „kleiner“ sich etablieren will.

    So lange Rechtlich und technisch alles einwandfrei ist haben Sie auch ne Chance verdient und das die vermeindlichen Kostenträger (Krankenkassen) jammern ist ja auch bei jedem neuen Standort so, hier sollte man erstmal zwischen Sinn oder Unsinn überlegen von Verordnungen und Transporten von Ärzten und Krankenhäusern die statt mit RTW/KTW auch von Taxi und öffentlichen Verkehrsmitteln gemacht werden können (missbrauch von Rettungsmitteln).

    Ach ja… Aussage von einigen Kostenträgern bezugnhemend von Transporten von betrunkenen und auferlegung von deren Kosten:

    Der Rettungsdienst währe auf der Kostenscala der Krankenkasse nur ein Bruchteil von 3-7 Prozent und kann deshalb vernachlässigt werden… Also warum dann das Jammern?? (Quelle eig. Telefonat mit Kostenträgern).

    Grüaz
    emjay

  9. chrissy on August 3rd, 2011 19:22

    Ein NEH im Flächenkreis ist sicher keine schlechte Idee. Man könnte so 2-3 NEF einsparen, da dessen Versorgungsbereich durch den fliegenden Notarzt versorgt werden könnte. In Zeiten, wo bei jedem Notarzteinsatz in ländlichen Kliniken ein Arzt fehlt, OPs abgesagt werden müssen, ein Patientenstau entsteht, ist es sinnvoll über so etwas nachzudenken. Dafür sollte der NEH dann mit einem echten Notfallmedizininer und nicht einem Assistenzarzt im ersten Jahr besetzt werden. Also Facharztstandard. Gerne greife ich einen Vorredner auf: Rettungsassistenten besser ausbilden (wenn sie das wollen, kenne viele die kein Interesse an Mehrqualifikation und der daraus resultierenden Verantwortung haben).

    So spare ich zwei NEF ein und wenn ein Notarzt gebraucht wird kommt genau so schnell ein Facharzt mit Erfahrung. Sollte der NEH im Einsatz sein hat man ja die Reserven der Regulären Luftrettung.

    So genug gesponnen…. trotzdem sind NEH nicht so schlecht wie hier immer geschrieben wird

  10. Karin on August 3rd, 2011 22:40

    Ich verstehe das Jammern allerdings auch nicht.
    Kann es echt nicht nachvollziehen.
    LG
    Karin

  11. Alexander Schreiber on August 4th, 2011 11:27

    @Daniel + all:

    Klar har jeder Patient ein Recht auf Analgesie! Habe nie etwas anderes behauptet! Bitte keine polemischen Kommentare, sondern eine sachliche Auseinandersetzung!

    Dass die Analgesie nur durch einen (Not-)Arzt durchgeführt wrden „KANN“ und „DARF“ ist kompletter Unsinn. Das ist eine Aufassung, die in den Jahren 1985 bis etwa 1995 die herrschende Aufassung war – inzwischen aber überholt und auch widerlegt ist.

    Wer sich mit dem Thema auseinandersetzt und den Diskussionsstand unter den kompetenten Juristen betrachtet wird feststellen, dass etwa 80% der Juristen, die dazu in Fachzeitschriften veröffentlichen, die Medikamentgabe durch RettAss im Rahmen von sog. „Standing Orders“ bzw. einer Vorabdelegation für rechtlich unbedenklich halten.

    Und auch das Gerichtsurteil zum sog. „Fall Mayer“ aus dem Jahr 2009 folgt dieser Auffassung! Davor gab es andere mit im Prinzip dem selben Tenor.

    Wer sich in der Bundesrepublik umsieht, der kann erkennen, dass es in vielen Regionen „Programme“ gibt, um die i.v.-Gabe von Medikamenten (überwacht durch einen Ärztlichen Leiter oder verantwortlichen Arzt) zu ermöglichen.

  12. Sven on August 5th, 2011 13:26

    @Alexander Schreiber
    Mein Vorschlag:
    Dieses Fluggerät stillegen!
    RettAss vernünftig auswählen (allgem. Schulbildung) und vernünftig ausbilden!
    Schmerzbekämpfung bei diesen relativen NA-Indikationen durch RettAss!

    Danke für diesen Vorschlag/Sichtweise!!!!!!!

    Wenn dieser Hubschrauber irgendwas besser abdecken soll. Was macht er den nachts oder bei schlechtem Wetter. Irgendeine Idee, wie es dann mit der Versorgung aussehen soll, oder ist das dann höhere Gewalt.

  13. chrissy on August 6th, 2011 22:34

    @sven

    Also das mit dem schlechten Wetter ist immer eine Ausrede. Wenn ein RTH bei uns im Jahr mal 3-5 Tage nicht fliegen kann, weil das Wetter schlecht ist, dann sind das schon viele Tage. Also das Wetter ist kaum ein Problem, die Dunkelheit schon eher. Allerdings hab ich schon genügend Einsätze erlebt wo RTW in Schlamm oder Schnee steckengeblieben sind und aufwendig von der Feuerwehr befreit werden mussten. Manchmal mussten wir hunderte Meter weit laufen um zur Einsatzstelle zu gelangen. Ein Hubschrauber hätte direkt runtergehen können. Ich denke das wiegt sich im Jahresverlauf auf. In der Uckermark wird dieses Jahr ein neuer RTH ausgeschrieben. In Weiden/Oberpfalz ist dieses Jahr einer in Dienst gegangen. Augsburg wird wahrscheinlich einen bekommen. Da regt sich auch keiner auf obwohl jeder Einsatz ca. 1500€ kosten wird. Ein NEH kostet 1/3 davon.

    Mein Statement: Würde der ADAC oder die DRF einen neuen RTH in Hartenholm stationieren wäre alles super und jetzt stationiert die KBA einen NEH und alles ist schlecht…

  14. thomaswagner on August 8th, 2011 17:09

    @chrissy:
    Der Vergleich in Deinem Statement hinkt etwas, denn Du vergleichst Äpfel mit Birnen. Die einzigen Gemeinsamkeiten sind, dass beide Systeme neben dem Piloten eine medizinische Crew haben und eine Ausstattung die ihnen erlaubt, einen Patienten autark, also notfalls auch ohne einen vorher eingetroffenen RTW zu versorgen. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten.
    Der große Unterschied besteht nunmal darin, dass ein NEH zum Transport ZWINGEND ein weiteres Rettungsmittel braucht, ein RTH eben nicht.
    Und auch der von Dir angesprochene Kostenfaktor stimmt definitiv nicht, denn die an jedem Hubschrauber-Flug anteilsmäßig höchsten Kosten entstehen beim Start und bei der Landung wegen der höheren Strukturbelastung als im Flug. Es ist dabei unerheblich ob es sich um einen Privat-Heli, einen RTH oder NEH handelt. Lediglich die Verbrauchs- und Leistungswerte unterscheiden sich dabei.Und auch der Personalbedarf sowie die -kosten sind in diesem Fall identisch, wenn man nicht wie bei Millich-Meermann mit einer 2-Mann-Crew fliegt.
    Ergo: Leider berücksichtigt Dein Statement einige wesentliche Punkte nicht, so dass der Vergleich so nicht zutreffend bzw. sinnvoll ist…

  15. Winkelmann on August 10th, 2011 13:05

    Brauchen wir wirklich nicht! 4 NEF’s im Kreis reichen! Wirklich nicht von nöten… Ich stell mir nu auch n Liegewagen hin und lass anweisen dass ich günstiger stehe!!!

    Gut das sich die Kassen da einig sind. Hoffe es bleibt so!

  16. Olli on August 11th, 2011 02:01

    Die Idee so einen Hubschrauber einzusetzen hatte ich mir zunächst anders vorgestellt! Ein Notarzt aus der Luft ist auch nicht grad schneller da als aus der nächst gelegenen Leitstelle/Rettungswache, glaub ich!und wenn der sowiesoo nicht überall landen kann, wirds schwierig! Diesen NEH als Hol und Bring Flugzeug für Notärzte einzusetzen finde ich überflüssig!

  17. Dome on August 11th, 2011 13:24

    Meine Meinung hierzu ist, dass ein NEH in besiedeltem Gebiet nicht unbedingt sinnvoll ist. Wo eine Stadt ist, ist gleichzeitig auch irgendwo ein Notarzt.
    Wenn wir jedoch über Schleswig-Holstein reden, müssen wir auch beachten, dass wir sehr viele kleine Inseln haben. Wie diese abgedeckt sind, ist oft nicht ausreichend. Zumindest sobald der zweite Notarzteinsatz kommt. Beispiel: Die Nordseeinsel Helgoland. Hier steht ein RTW und es gibt einen Arzt, wie er zur Einsatzstelle kommt… keine Ahnung. Zu jedem Notarzteinsatz wird ein RTH alarmiert. Ob dieser auch transportiert kommt auf die benötigte Klinik an. Helgoland hat jedoch eine mit Notaufnahme. Das heißt, das Tagesgeschäft kann abgearbeitet werden. Und grade wenn wir von Analgesie reden, da heißt es, der Notarzt kommt, spritzt ne Ampulle Mo oder sonstwas und geht.
    Okay. Kritiker meiner Meinung können jetzt sagen dass wir uns hier etwa 70km vom Festland entfernt sind und ein NEH einen eventuellen Notfall nicht transportieren kann, wenn sich der Patientenzustand verschlechtert.

    Nehmen wir aber die küstennahen Inseln (z.B. Föhr, Amrum, ostfriesische Inseln). Diese sind durch einen NEH auf jeden Fall besser abgedeckt, als auf jede dieser Inseln einen eigenen Notarzt zu setzen. Dies wären nicht tragbare Kosten (14 bewohnte Inseln allein an der Nordsee = 14 NEF??). Hier sind 2 bis 3 taktisch klug besetzte NEH sinnvoller.

    Ds NEH-Konzept ist in Bad Doberan schon in Betrieb (Rettung Doberan 64-82-1), ist in den Jahren 2008 und 2009 insgesamt 2786 Einsätze geflogen, auch hier zur Abdeckung der Ostseeinseln.

    Mein Fazit: Ein NEH ist dann sinnvoll, wenn eine engmaschige NEF-Anbindung aus geografischen Gründen nicht möglich ist, jedoch ist in dicht besiedeltem Gebiet der Einsatz aufgrund der Absicherung bei der Landung und der Gefahr durch einen Hubschrauber in Wohngebieten nicht unbedingt sinnvoll.
    Ein NEH ist eine gute Ergänzung zum NEF-System

  18. N. on August 11th, 2011 21:16

    Deutschland, Deine Neinsager!
    Es erstaunt mich immer wieder, wieviel Ablehnung und Feindseeligkeit einer Idee entgenschlägt, die im Grunde dazu gedacht ist vorhandene Lücken zu schließen und im Notfall schnellere Hilfe zu bringen. Am wenigsten verstehe ich, dass viele Beiträge vor Konjunktiven nur so strotzen und trotzdem immer weiter auf den NEH eingedroschen wird.
    Lasst uns doch erstmal abwarten, was passiert. Wenn alles nur Blödsinn ist wird es sich in Kürze von selbst erledigen, auch bei der KBA hat man das Geld nicht zum rausschmeißen. Vielleicht gelingt es aber auch einen Anreiz zu schaffen.
    Ich bin sehr gespannt, wie das Ergebnis am Ende des Projektes aussehen wird. Schade ist nur, dass bereits jetzt auf diversen Ebenen versucht wird, den Einsatz wann immer möglich zu unterbinden; das ist keine Grundlage für eine objektive Datenbasis. Und so wird möglicherweise die an sich gute Idee zu Grabe getragen werden müssen, weil man Angst vor neuen Wegen hat.
    Übrigens hätten wir in Deutschland nicht dieses gelobte dichte Netz von Rettungsmitteln, hätte man seit jeher nur auf die Bedenkenträger gehört.

    Liebe Grüße, N.

  19. N.M. on August 14th, 2011 21:33

    Recht witzig diese Diskussion zu verfogen!

    Fakt ist, und hier stelle ich Sinn und Unsinn eines NEH mal beiseite, dass der KBA, seit dem er besteht, ein einziges Politikum ist!
    Sind wir mal ehrlich, der KBA ist ein Unternehmen für das Gewinnoptimierung sicherlich kein Fremdwort ist.
    Auch wenn Herr Vollmer den Hubschrauber gern als „Geschenk an die Menschlichkeit“ hinstellt, geht es letztendlich nur ums Geld und um Politik.
    Das dieses Unternehmen in Norderstedt nun auch unter Politikern ein hohes Ansehen genießt, sieht man am Statement des Oberbürgermeisters zu diesem Unternehmen und deren Unternehmungen.
    Die Leitstelle Holstein ist hier sicherlich auch nicht unbeteiligt und wird ihrer Rolle als ggf. Einsatzpuscher sicherlich gerecht!
    Der Hubschrauber ist meiner Ansicht nach einfach nur ein Werbemittel und vielleicht sogar ein Platzhalter um sich den „Rettungswachenstandort“ Hartenholm zu sichern… die A20 wird bald kommen und dann sicherlich auch eine neue Rettungswache.
    Eines muss man dem KBA lassen, Öffentlichkeit herstellen kann er!

    Was mich allerding extremst nervt, sind die Wortspiele in der Presse:
    „Ein RTW kostet 500Euro und der NEH nur 300Euro mehr“….. der RTW kommt doch eh, also 500Euro + 800Euro (NEF glaube ich 250EURO) da kommt schon ein schönes Sümmchen im Monat zusammen, was die Kostenträger zu wuppen haben und damit auch wir als Einzahler in eine KV!

    Vielleicht sollte der KBA, wenn er scheinbar zu viel Geld hat, dieses in die Gehälter seiner Mitarbeiter stecken. Denn die werden sicherlich nicht SUPER bezahlt und machen einfach nen guten Job… mit oder ohne Hubschrauber!

    Zu guter letzt finde ich die Art und Weise zum kotzen, warum kann sich dieses Unternehmen einfach herausnehmen ein neues Rettungsmittel zu installieren??? Wenn das neuerdings so einfach geht, werde ich mir in Zukunft nen Rettungswagen auf den Hof stellen und dafür sorgen, dass ich oft günstig stehe… so kann man dann auch Geld machen… denkt mal drüber nacht!

  20. Frank Rickert on August 16th, 2011 00:11

    Sind wir mal ehrlich, die meisten RTH in Deutschland sind völlig unnötig.
    Allerdings versucht jeder Betreiber seine Machinen ins rechte Licht zu rücken und er größte Betreiber ADAC übt mit Sicherheit auch noch politischen Druck aus, damit seine RTH`s genügend Einsätze machen.
    Meiner Meinung sind RTH`s nur in unwegsamen Gebieten (Berge, Meer) oder in Flächengebieten sinnvoll. In Ballungszentren eben nicht. Man könnte diese sinvoll zusammenstreichen, bevor die bodengebundenen NEF`s mangels Einsätze gestrichen werden.
    Wir sollten endlich mal von dieser „Hubschrauber anbetung“ wegkommen.

  21. Patrick on November 30th, 2012 01:10

    Hauptproblem dieser Pseudo-RTH ist :
    1) Der Patient darf nicht transportiert werden. Sollte also ein luftgestützter Transport erforderlich sein muss ein richtiger RTH nachgefordert werden.
    Also warum nicht gleich einen RTH einsetzen?
    2) … und das ist das größere Problem … luftrechtlich kann es bei schlechtem Wetter möglich sein, dass eine Kontrollzone eines Flughafens (z.B. HH) sog. IMC-Bedingungen hat. Dann darf nur ein Luftfahrzeug unter Sichtflugbedingungen in dieser Kontrollzone fliegen.
    Nun stellt euch vor, so ein NEH fliegt in Richtung BW-Khs. um seinen Notarzt wieder einzusammeln und befindet sich in dieser Kontrollzone.
    Zeitgleich will z.B. RTH 29 mit einem Primärtransport zum Khs und darf nicht in die Kontrollzone, weil da der NEH sinnlos rumdümpelt. Da wird die sache dann nämlich kriminell …

  22. Pascal on Juni 5th, 2014 10:40

    @ Frank +all

    Zunächst mal sind RTHs nicht nur in ländlichen Gebieten sinnvoll, sondern auch in Ballungsgebieten – dort zwar nicht als NA Zubringer aber vorallem als schnelles und schonendes Transportmittel. Auch in Ballungszentren müssen Patienten meißt über größere Strecken transportiert werden und das geht numal bei schweren Verletzungen besser mit einem RTH als mit einem RTW durch die Rushhour.

    Nun zur Disskussion über den NEH. Ich sehe das genauso wie andere hier. Die Berechnungen und Zahlen die der Chef der KBA erklärt haben ein defizit. Die Rechnung wurde oben schon häufig gemacht.

    Auch das Statement wir führen einen NEH ein und sparen uns dadurch NEFs ist mit vorsicht zu genießen – so ein Hubschrauber der nur der Klasse III entspricht kann nicht immer starten und landen – und Nachts geht auch nix. Wäre doof wenn wir dann keine NEFs mehr hätten.

    Grundsätzlich ist das Luftrettungssystem dazu gedacht den bodengebundenen Rettungsdienst zu unterstützen und nicht ihn zu ersetzen. Jedoch bleibt auch die Frage, wieso sich die KBA hier so profilieren will. Erstmal son Ding anschaffen, obwohl die Finanzierung überhaupt nicht geklärt ist. Ich persönlich halte nicht viel von privaten Organisationen im RD. Sicherlich gibt es da auch bessere und schlechtere Vertreter.

    Gruß
    Pascal

  23. Olaf on Juni 5th, 2014 13:51

    Finde ich persönlich gut, den RTH bzw. den Notarzteinsatzhubschrauber.
    wenn man bedenkt für was RTHs alamiert werden, Altenheime und den anderen Schwachsinn.
    Irgendwo Südlich? gibt es das ja schon.
    Macht einfach Sinn, aber einen RTH für Pflaster kleben scheint ja wohl von den Kosten vertretbar zu sein

  24. Benny on Juni 11th, 2014 23:49

    @ Olaf: Du triffst es genau auf den Kopf. Wenn man sich die Statistiken der Einsatzabbrüche und Einsätze unterhalb der Indikationsschwelle betrachtet, muss man sich ein paar Fragen stellen. Eine wesentliche Schwachstelle dabei sind die Leitstellen, die – selbst gehört in Hamburg – einen RTW zu einer 78 jährigen mit akuter Atemnot schicken und eine Minute dachach den RTH zu einer 25 jährigen mit Kreislaufproblemen.
    Und wenn man im Internet eine Doku über den CH 2 schaut, sieht man, wie ein älterer Patient nach einem Sturz bewußtlos ist, eine Patientenverfügung bei sich trägt, dass nichts getan werden soll und trotzdem dieser Patient vom RTW zum RTH gefahren, umgeladen und ins Krankenhaus zum sterben geflogen wird – ohne jegliche medizinische Intervention.
    So werden die teuersten und sicher sehr guten Rettungsmittel inflationiert und können kostenseitig in Frage gestellt werden.
    Und folgendes verstehe ich nicht. Die großen Betreiber DRF und ADAC werden nicht müde immer wieder zu beklagen, dass ihre RTH´s nicht kostendeckend fliegen und man Defizite ausgleichen muss. Aber trotzdem wollen sie immer mehr Hubschrauber stationieren oder die bestehenden häufiger auch nachts einsetzen – mit erheblich höheren Kosten und höherem Unfallrisiko. Das erschließt sich mir nicht, es sei denn, hier werden Märchen erzählt. Aber für Lohnsteigerungen beim Personal ist kein Geld bei den Kostenträgern vorhanden…. Schöne Welt!

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