Deutsche Luftrettung hält vorerst stabilen Kurs


München (rd.de) - Einen Kostendruck verspürt die ADAC Luftrettungs gGmbH zwar auch, aber ähnliche Turbulenzen wie in der österreichischen Luftrettung sind nach Einschätzung des ADAC in Deutschland vorerst nicht zu erwarten. Der öffentlichkeitswirksame Eklat aus Wien um die Zukunft der Luftrettung beim ÖAMTC wirft die Frage auf, wie sicher die Finanzierung der Luftrettung in Deutschland eigentlich ist. Rettungsdienst.de fragte bei der ADAC Luftrettungs gGmbH in München nach. Die Finanzierung der österreichischen Luftrettung gerät in Schieflage, weil die Krankenkassen nachträglich eine Beurteilung durchführen, ob ein teurer Lufttransport des Versicherten überhaupt erforderlich war. Folge: Die Transportkosten werden nur von Fall zu Fall erstattet. Jeder dritte Hubschraubereinsatz lässt sich hinterher nicht abrechnen. Wie rechnen sich eigentlich die deutschen Rettungshubschrauber? „Die Luftrettung in Deutschland macht ungefähr 0,4 Promille des Budgets im Gesundheitswesen aus“, erklärt die Geschäftsführerin der ADAC Luftrettung, Susanne Matzke-Ahl, und lobt, dass Fragen der Luftrettung mit den Kostenträgern recht partnerschaftlich erörtert werden können. Das Land vergibt eine Luftrettungsstation an einen Betreiber, zum Beispiel den ADAC oder die DRF, und der ist dann für die gesamte Station zuständig. Die Betreiber der Luftrettungsstationen handeln in dem betreffenden Bundesland einen Kassentarifvertrag aus. „Der ist normalerweise nicht ganz kostendeckend“, räumt Susanne Matzke-Ahl ein. „Von 1980 bis heute hat der ADAC die Luftrettung mit 230 Millionen Euro aus Mitgliederbeiträgen unterstützt.“ Die Kostenschere zwischen Erstattung und Kosten strebt dabei in den letzten Jahren zunehemend auseinander. „Es gibt hier schon eine Verschärfung der Kostensituation, wenn man zum Beispiel an die Wartungskosten denkt oder an die stark gestiegenen Kraftstoffpreise“, mahnt die ADAC-Geschäftsführerin. „Das kann im Moment mit Steigerungen der Kostenerstattungen, die an den Grundlohnzuwachs gemäß dem fünftem Sozialgesetzbuch gekoppelt sind, nicht ausgeglichen werden.“ Auch die Zeiten, in denen das Land die Infrastruktur der Luftrettungsstationen zur Verfügung stellte, sind offenkundig vorbei. Für neue Luftrettungsstationen greifen die Länder auf private Investoren zurück. Der Betreiber mietet sozusagen die Infrastruktur mit, und auf diese Weise beteiligen sich die Krankenkassen nunmehr indirekt an Infrastrukturkosten. Fazit: Die Finanzierungsgrundlagen der Luftrettung in Deutschland und Österreich unterscheiden sich zu stark, um einen direkten Vergleich zulässig erscheinen zu lassen. Die Kostenentwicklung in der deutschen Luftrettung sollte man dennoch nicht aus den Augen verlieren, damit uns eine ähnliche Krise in Deutschland erspart bleibt. (Foto: Christopherus Europa 3. Der Gemeinschaftshubschrauber von ADAC und ÖAMTC an der Station Suben, nahe Passau, wird von eventuellen Einschnitten beim ÖAMTC nicht betroffen sein. Quelle: ADAC)

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