Das Infektionsrisiko rückt immer mit aus


Projektgruppe Hygiene beim BRK Kronach (Foto: BRK Kronach)Kronach (rd.de) – In Deutschland gibt es pro Jahr weit über 500.000 Fälle von Krankenhausinfektionen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sterben in Deutschland etwa 15.000 Menschen an den Folgen solcher Infektionen. Grund genug, über den Stellenwert der Hygiene und Desinfektion im Rettungsdienst nachzudenken.

Für die Entwicklung von immer gefährlicheren Krankenhauskeimen gibt es gleich mehrere Ursachen. Das Durchschnittsalter der Krankenhauspatienten steigt und deren geschwächtes Immunsystem erhöht das Infektionsrisiko. Zudem bilden sich resistente Bakterienstämme, gegen die Antibiotika machtlos sind. Etwa 30 % der Staphylokokkus-aureus-Stämme in deutschen Krankenhäusern sind mit Antibiotika nicht mehr behandelbar.

Notfallrettung und Krankentransport befördern immer öfter Patienten mit gefährlichen Keimen und verstärken die Keimverbreitung, ohne es zu wissen. Leider seien gefährliche Erreger zu oft als „Blinde Passagiere“ mit an Bord, berichtete der General-Anzeiger Emsland: Hary Feldmann, Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes Leer ärgert sich, dass seine Sanitäter bei Transporten von Patienten, die mit MRSA (Multi-resistenter Staphylococcus aureus) infiziert sind, oft vor vollendete Tatsachen gestellt werden, statt die Teams vor Transportbeginn zu warnen. Eine Erfahrung, die bundesweit wohl täglich hunderte von KTW- und RTW-Besatzungen machen dürften.

„Wer die Hygiene verbessern will, muss in erster Linie dafür sorgen, dass erheblich mehr Personal, vor allem Pflegefachpersonal, ausgebildet und eingestellt werden kann, das diesen Anforderungen auch gerecht wird“, fordert Werner Schell, Dozent für Pflegerecht und Vorstand des Selbsthilfenetzwerks „Pro Pflege“.

Mit dem Infektionen-Schutzgesetz überträgt der Bund die Verantwortung für die Hygiene auf die Länder. Nur wenige Bundesländer haben eine eigene Hygieneverordnung für Krankenhäuser erlassen; die Rettungsdienstgesetze beschränken sich in der Regel auf das Verhalten nach dem Transport von Patienten mit meldepflichtigen Erkrankungen.

Vorreiter im Hygiene-Management

Arbeit im Vollschutzanzug (Foto: BRK Kronach)Die Projektgruppe Hygiene beim Bayerischen Roten Kreuz in Kronach ist deshalb noch eine Besonderheit: „In der Hauptsache haben wir uns auf die Versorgung von hochinfektiösen Patienten spezialisiert“, erklärt Stefan Becker, Rettungsassistent und staatlich geprüfter Desinfektor der Fachgruppe des BRK. Mit Vollschutzanzügen ist man dort selbst gegen todbringende, eingeschleppte Infektionen wie Dengue-Fieber und Ebola ausgerüstet. Die nächste und bayernweit einzig vergleichbare Einrichtung gibt es in Würzburg. Dort steht auch ein spezieller Infekt-Rettungswagen zum Transport solcher Hochrisikopatienten.

Doch die Projektgruppe wirkt auch auf den rettungsdienstlichen Alltag: „Unsere Mitarbeiter werden gezielt fortgebildet, hier zum Beispiel für dem Umgang mit Patienten, die von MRSA- oder Norovirus-Infektionen betroffen sind.“ Die Kontrolle aller Desinfektionsmaßnahmen und der erforderlichen Dokumentation führt der Desinfektor ebenso durch wie einen Kontrollabstrich. „Den Abstrich machen wir als Erfolgskontrolle allerdings nur einmal im Jahr“, so Becker. Diese Maßnahme ist Teil des Qualitätsmanagements.

Das Thema Desinfektion und Hygiene sollte im Rettungsdienst einen höheren Stellenwert erhalten, findet Becker, der glaubt, dass im Bereich Infektionsschutz noch Verbesserungspotenzial vorhanden ist. „Besonders in den Schnittstellen zum Krankenhaus und zu den Pflegeeinrichtungen fehlt es bisweilen an Information und Abstimmung.“

One Response to “Das Infektionsrisiko rückt immer mit aus”

  1. charlie-zulu on Oktober 5th, 2010 09:34

    „Grund genug, über den Stellenwert der Hygiene und Desinfektion im Rettungsdienst nachzudenken.“

    Wieso das? Wir desinfizieren die Karren bis zum geht-nicht-mehr, Hygiene hier, Hygiene da. Das ist auch alles absolut richtig, aber total sinnlos, wenn man dann im Krankenhaus oder in einer Altenpflegeeinrichtung quasi Arschtritte am laufenden Band bekommt.

    Ungeschütztes Pflegepersonal und natürlich die Ärzteschaft, die eh gegen alles Immun ist und keine Handschuhe benötigt. Mit Schutzkleidung braucht man da gar nicht anzufangen.. Pfff! Wofür auch?!

    Überhaupt, welcher Arzt desinfiziert schon sein Stethoskop?

    ..und wer kennt es nicht:
    „..und ach ja, der Patient, den sie eben Transportiert haben, hat übrigens …… “
    „Oh, danke für die frühe Information.. sie Idiot!“

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