„Christoph Brandenburg“ setzt Nachtsichtgeräte ein


München (ADAC) – Die ADAC-Luftrettung GmbH setzt seit Mai 2012 zur Erhöhung der Flugsicherheit bei Dunkelheit Nachtsichtgeräte (Night Vision Goggles) ein. Die auf Restlichtverstärkung basierenden Geräte bieten der Besatzung die Möglichkeit, auch bei vollständiger Dunkelheit Hindernisse wie Stromleitungen, Masten oder Windräder zu erkennen. Auch Wetteränderungen, wie aufziehender Nebel oder Schlechtwetterfronten, können frühzeitig erkannt und somit umflogen werden. Die elf Piloten des Rettungshubschraubers „Christoph Brandenburg“ sind die ersten, die die Ausbildung erhalten haben und seit Mai 2012 bei Nacht mit Night Vision Goggles fliegen.

Der Einsatz der Night Vision Goggles (NVG) eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der Luftrettung. Passieren bei Dunkelheit schwere Verkehrsunfälle oder erkranken Personen schwer, dann ist besondere Eile geboten. Denn um eine optimale Patientenversorgung zu gewährleisten, sollte der Patient innerhalb von 60 Minuten (die so genannte Goldene Stunde) in einer geeigneten Klinik versorgt werden.

Seit im September 2011 das Luftfahrtbundesamt die Genehmigung zur theoretischen und praktischen Schulung erteilt hat, trainieren die ersten ADAC-Piloten mit den NVGs. Denn der Umgang mit diesem modernen System erfordert eine intensive Ausbildung der gesamten Besatzung. So müssen sich die Piloten erst an das eingeschränkte Sichtfeld und das zweidimensionale Sehen gewöhnen.

Die Ausbildung bei der ADAC-Luftrettung besteht aus drei Teilen. Im theoretischen Teil werden den Piloten Kenntnisse z.B. in Flugmedizin, Flugwetter für NVGs, technischer Aufbau der Nachtsichtgeräte und Notverfahren in Verbindung mit dem neuen Hilfsmittel vermittelt. Die praktische Flugausbildung für den Nachtflug mit den Nachtsichtbrillen besteht aus zwei Teilen: Im sogenannten Basic Flight Training wird den Piloten, unabhängig von Einsatz spezifischen Belangen, der Umgang mit der Night Vision Goggles, gelehrt. In dem anschließenden Advanced Flight Training werden sie auf die Einsatzpraxis vorbereitet.

Die ADAC-Luftrettung GmbH betreibt derzeit bundesweit 35 Luftrettungsstationen, darunter auch vier Stationen im 24-Stunden-Betrieb.

(Foto: ADAC Luftrettung)

2 Responses to “„Christoph Brandenburg“ setzt Nachtsichtgeräte ein”

  1. Jörn on August 30th, 2012 14:06

    Ich tue mich schwer, dies so zu glauben. Denn abgebildet ist wiederum eine EC 135 – und die fliegt zwar auch in Senftenberg, aber als RTH „Christoph 33“. Und der im Text erwähnte „Christoph Brandenburg“ (ADAC-intern: „Christoph 71“) ist ein ITH. Als ITH-Maschine wird dort entweder eine EC 145 (meist D-HWVS) oder – als Back-Up – eine EC BK 117 (meist D-HBRB) eingesetzt.

    Regnerische und etwas kühlere Grüße aus dem Südwesten

  2. HEMS on August 31st, 2012 00:45

    Eine kritische Anmerkung sei erlaubt. Der Einsatz von NVG im Luftrettungsdienst ist sicher eine Option für den Einsatz im Interhospitaltransfer. Allerdings sehe ich den Einsatz in der Primärversorgung eher kritisch. Hier wird meines Erachtens nach zwar ausgebildet, jedoch ist der Stundenumfang relativ gering. Die Häufigkeit der Einsätze in der Nacht wird sehr gering sein und das Risiko auch mit NVGs steigen. Nicht hervor geht aus dem Artikel, ob mit zwei Piloten geflogen wird, sollte ein Single-Flugbetrieb geplant sein, so ist ein noch höheres Risiko gegeben und der HCM wird sicher keine Brille tragen. Er scheidet dann in der Luftraumbeobachtung und Landeplatzauswahl als Teampartner faktisch aus und fällt als warnende Stimme weg. Ausschließlich der Pilot entscheidet dann über machbar oder nicht. Gibt es nachweislich Daten darüber ob der Bedarf für den Primäreinsatz in der Nacht wirklich gegeben ist? Oder geht es hier um wirtschaftliche Interessen? Innerhalb des Heeres und auch der Bundespolizei fliegt kein Pilot NVG wenn er nicht mindestens 50 h unter Aufsicht geflogen ist. Wie sieht das beim ADAC aus? Unbestätigten Informationen zufolge reichen hier 5 Flugstunden aus. Abschließend sei gesagt, das ich niemandem zu nahe treten will, jedoch wollen wir alle sicher und gesund wieder nach Hause kommen. Ist der Bedarf da, ok! Ich sehe Ihn aktuell nicht. Lasst uns diskutieren…

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?