Britanniens Rettungsdienst in der Krise?


London (rd.de) – Verfolgt man die Berichterstattung rund um den Rettungsdienst in Großbritannien, hat man den Eindruck, das System samt seiner Mitarbeiter steht vor dem Kollaps.

Personalmangel, Überstunden, Ausdünnung von Wachstandorten, Hilfsfristen und Spritkosten. Die Probleme des Rettungsdienst gleichen sich, aber stellenweise scheint die Lage der Kollegen in Großbritannien dramatisch. In London wird die 8-Minuten-Hilfsfrist nur zu 68 % erreicht. Dabei fahren die Paramedics am Limit und sammeln vor allem Überstunden.

Viele Ambulanzgesellschaften machen aus den Problemen keinen Hehl. Der East of England Ambulance Service hat ein Überschreiten des Jahresbudgets um 7,6 Millionen Euro errechnet. Die Belastung der Mitarbeiter führt zu Personalfluktuation und Nachwuchssorgen.

In Gloucestershire ist man inzwischen soweit, auf Sanitäter der Royal Airforce zurückzugreifen. Private Ambulanzanbieter und die ehrenamtlichen St. Johns haben mit dem örtlichen Kommando eine Abrede hierüber getroffen, um den Rettungsdienst sicherstellen zu können.

Andere Ambulance Trusts geraten unter Druck, weil sie ihre Kräfte nicht so verstärken können, um die geforderte 75 %-Marke bei der 8-Minuten-Hilfsfrist auch nur annähernd zu erreichen. Hier werden durch die Hintertür Subverträge mit privaten Ambulanzfahrdiensten abgeschlossen. Doch deren Personal hat einen fragwürdigen Ausbildungsstand und es handelt sich um schlichte Krankenwagen ohne Medikamente an Bord. Auch die Feuerwehr bleibt von der Entwicklung nicht unberührt. In einigen Gebieten muss die Feuerwehr immer öfter als First-Responder ran, weil weit und breit kein Ambulanzfahrzeug in der Nähe ist.

In London werden indessen immer häufiger Rettungswagen aus den umliegenden Boroughs in die Innenstadt gerufen. Doch durch Krankenhausschließungen in den Außenbezirken fallen mehr Verlegungen an und die verkehrsgünstigen Wachstandorte an den Krankenhäusern entfielen ebenso. Die Folge: Rettungswagen quälen sich kilometerweit im Schritttempo über verstopfte Autobahnzubringer und verfehlen die geforderte Eintreffzeit regelmäßig.

(21.08.2008)

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