Blitz-Hochwasser erinnert an 2002


Blitz-Hochwasser in Sachsen (Foto: THW Görlitz)Görlitz (rd.de) – Im Dreiländereck Deutschland, Polen, Tschechien entluden sich am Wochenende schwere Regenfälle. Binnen 24 Stunden sind in der Spitze bis zu 160 Liter pro Quadratmeter niedergegangen.

Entlang der Luftmassengrenze der besonders heißen Luft von Osten und der kühlen Luft von Westen entluden sich Starkregenfälle, die binnen Stunden zu einer katastrophalen Überschwemmung führten.

Nur wenige Stunden nach der Hochwasserkatastrophe in Sachsen hat Umweltminister Frank Kupfer am Sonntag die betroffenen Gebiete in der Sächsischen Schweiz besucht. „Die aktuellen Bilder aus der Sächsischen Schweiz erinnern mich stark an die Katastrophe vom August 2002. Erst jetzt, wo das Wasser langsam wieder abfließt, wird das ganze Ausmaß deutlich. Die Betroffenen werden viel Arbeit und Geld in die Beseitigung der Schäden investieren müssen. Der Freistaat wird dabei selbstverständlich helfen“, sagte Kupfer.

In vielen sächsischen Orten haben die Flüsse neue Rekordpegelstände seit Beginn der Aufzeichnung erreicht. So wurde Sonntagabend in Sebnitz am gleichnamigen Fluss der Rekordwert von 3,23 Metern gemessen. Der bisherige Höchstwert lag bei 1,58 Metern und wurde 1993 registriert. Normal ist in Sebnitz ein Wasserstand von etwa 30 Zentimetern!

Auch in Bad Schandau erreichte die Kirnitzsch mit 3,07 Metern ein neues Maximum, der höchste Pegelstand wurde hier 1954 mit zwei Metern gemessen. Der für diese Jahreszeit durchschnittliche Wert liegt bei 40 Zentimetern.

In Neustadt führte die Polenz in der vergangenen Nacht bis zu 1,95 Meter Wasser und übertraf den bisherigen Spitzenwert von 1995 um elf Zentimeter. Alle drei Flüsse münden zwischen Bad Schandau und Königstein in die Elbe.

Görlitz: ohne Strom, Trinkwasser wird knapp

An der Neiße ließ die Blitzflut den Pegel in Görlitz innerhalb von drei Stunden um vier Meter steigen. Ursache war ein Staumauer-Bruch in Polen. Der Strom fiel aus, das einströmende Wasser brachte ganze Häuser zum Einsturz.

Wie das THW berichtet, wurden zwei Bergungsgruppen des THW zusammen mit mehreren Feuerwehren am Wasserwerk der Stadt eingesetzt. Das Wasser stieg unaufhörlich und setzte trotz des massiven Einsatzes von Pumpen die Technik des Wasserwerks unter Wasser. Das Wasserwerk, verantwortlich für die Wasserversorgung der 70.000 Einwohner, musste außer Betrieb genommen werden.

Altenheim in Chemnitz überflutet

Kritisch ist die Lage aber auch in Chemnitz. Viele Menschen in der Stadt wurden von der Außenwelt abgeschnitten und konnten nur durch Rettungskräfte aus ihren Häusern befreit werden. Auch Helfer des DRK kamen zum Einsatz. Neben Kräften der Bereitschaften wurde auch die Wasserrettungsgruppe der Wasserwacht in Chemnitz zur Evakuierung herangezogen. Gemeinsam mit THW und Feuerwehr musste ein Altersheim im Chemnitzer Stadtteil Harthau gesichert werden. Rund zehn Einsatzkräfte mit zwei Motorbooten und drei Schlauchbooten waren im Einsatz.

Hochwasser schwappt nach Brandenburg

Derweil wird die Scheitelwelle der Flut in Bad Muskau, an der Grenze zu Brandenburg, erwartet. Der zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Fürst-Pückler-Park mitsamt seines Schlosses wird mit hoher Wahrscheinlichkeit überflutet. Tieferliegende Ortschaften bei Bad Muskau werden geräumt.

Über 1.200 Helfer sind allein in Sachsen im Hochwassereinsatz. Insgesamt ist bislang von neun Toten die Rede, doch viele Menschen gelten als vermisst, darunter auch ein polnischer Feuerwehrmann.

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