Berlin: Schlaganfall-Mobil vor dem Aus?


Berlin (rd.de) – Schlaganfall-Patienten in Berlin können dank des Stroke-Einsatz-Mobils („Stemo“) wirksamer und deutlich schneller therapiert werden. Das teilte vergangenen Mittwoch (23.04.2014) die Charité – Universitätsmedizin Berlin mit und verwies auf die Ergebnisse einer groß angelegten Studie. Einen Tag später berichtete die Zeitung „Der Tagesspiegel“, dass schon im Juni 2014 für das „Stemo“ Schluss sein könnte.

Das „Stemo“ ist ein speziell ausgerüsteter Notarztwagen, der seit Februar 2011 in Berlin eingesetzt wird. Der Wagen verfügt unter anderem über einen eingebauten Computertomographen und ein Labor. Neben besonders geschultem Rettungsfachpersonal gehört auch ein Neurologe zum Team.

Über einen Zeitraum von 21 Monaten wurden die Daten von über 6.000 Patienten ausgewertet. Dabei wurden Wochen mit und ohne zusätzlichen Einsatz des „Stemo“ verglichen. Die Zeit vom Notruf bis zur Therapie verkürzte sich bei Einsatz des Stroke-Mobils um 25 Minuten, teilte die Charité mit. Der Anteil der Patienten, die mittels einer Lyse-Therapie behandelt werden konnten, stieg demnach von 21 auf 33 Prozent. Negative Auswirkungen seien nicht aufgetreten. Diagnostik und Therapie im „Stemo“ seien laut Charité genauso sicher wie im Krankenhaus.

Doch trotz dieser Erfolgsmeldungen scheint die Zukunft des Sonderrettungsfahrzeugs ungewiss. Grund ist das Geld. Bislang wurden die Kosten laut „Der Tagesspiegel“ vom Berliner Senat, dem Bund und der Europäischen Union übernommen. Doch diese Regelung gilt nur für die Laufzeit des derzeit als Projekt geführten „Stemo“-Einsatzes. Ende Mai 2014 läuft der Feldversuch offenbar aus, und die Krankenkassen weigern sich bislang, künftig für die Kosten aufzukommen. Laut „Der Tagesspiegel“ weisen die Kassen darauf hin, dass es sich um kein reguläres Rettungsmittel handelt, und ein Nutzen des Fahrzeugs sei nicht erwiesen.
 
Dies sieht Professor Dr. Heinrich Audebert von der Klinik für Neurologie der Charité, als Leiter der Studie anders: „Mit dem ‚Stemo‘ ist es nicht nur möglich, Patienten schneller zu behandeln. Diese frühzeitige Versorgung bietet auch die Chance, neue Therapieoptionen in der so genannten Golden Hour – der ersten Stunde nach dem Schlaganfall – einzusetzen. Das war bisher so früh nicht möglich.“
 
Das Projekt stellt eine Kooperation des Centrums für Schlaganfallforschung Berlin (CSB) der Charité, der Berliner Feuerwehr und zweier brandenburgischer Firmen dar. Professor Dr. Audebert: „Die Ergebnisse dieser Studie sprechen klar dafür, dass die Patienten vom Stroke-Einsatzmobil profitieren. Eine Übernahme der Versorgung durch die Krankenkassen wäre somit konsequent – auch damit diese schnelle Therapieoption für die Berliner Bevölkerung erhalten bleibt.“

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(28.04.2014; Foto: Charité – Universitätsmedizin Berlin)

4 Responses to “Berlin: Schlaganfall-Mobil vor dem Aus?”

  1. Jo Wørner via Facebook on April 28th, 2014 12:03

    Ach was kein Geld? Wie überraschend. Dann wird es in Zukunft wohl auch kein Thoraxschmerz-, unklares Abdomen- oder Atemnotmobil mit speziell geschultem Personal geben?????

  2. Sascha Steingrobe on April 29th, 2014 21:36

    Gegenstudie: lässt sich das Outcome der Patienten in Berlin durch den herkömmlichen Rettungsdienst genauso verbessern und steigern, wenn die Ressourcen in den Kliniken dahingehend optimiert werden, die 7 Stroke Units unter einer Zentrale zusammengefasst werden und letztendlich ein einheitliches Protokoll zur Erfassung des Patientenzustandes existiert? (CPSS/MEND)? Nur wenn diese bestehenden Strukturen bis an ihr Maximum reibe optimale Arbeit leisten, kann es u.U. gerechtfertigt sein, ein solch neues Mittel einzuführen. Gerade im Zeitalter von cerebralvasculären Stents.

  3. Rüdiger on April 30th, 2014 13:16

    Die Kassen sollten sich mal überlegen wieviel Geld gespart wird durch die Verkürzung der Reha und Verringerung der Langzeitschäden bei optimaler frühzeitiger Versorgung in der ersten Stunde.

  4. Olaf on Mai 13th, 2014 08:05

    Ich weiss nicht wie viele Stroke-Abteilung in Berlin vorgehalten werden, aber ich gehe schon von einigen aus…..ist die Frage braucht man es dort, schon alleine von den kurzen Anfahrtswegen. In ländlichen Regionen bietet es sich ja eher an, dieses einzuführen, wo man vielleicht 20 min fährt bis zur nächsten Stroke….. rausgeschmissenes Geld….., selbst wenn man Langzeitschäden verringert, aber wenn man danach geht bräuchten wir für jedes Notfallbild (fast) ein extra Mobil..

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