Bei Reanimation, Lyse


Köln (idw) – Die Studie Kölner Notfallmediziner untersuchte Chancen auf bessere Wiederbelebungserfolge nach Herz-Kreislauf-Stillstand,  durch die Gabe von Thrombolytika. Doch das Ergebnis belegt, die vermuteten Positiveffekte begrenzen sich insbesondere auf Patienten mit Lungenembolie.

Die Ergebnisse der Studie werden heute, am 18. Dezember 2008, im rennomierten „New England Journal of Medicine“ (NEJM) veröffentlicht. Insgesamt brachte die Lysetherapie im Rahmen der Reanimation zwar keine sichtlichen Überlebensvorteile, aber: Patienten, die einen Kreislaufstillstand aufgrund einer Lungenembolie erleiden, half die Lysetherapie. Von ihnen überlebten ausschließlich Patienten, bei denen das in der Studie untersuchte Thrombolytikum zum Einsatz kam.

Unter der Federführung von Professor Dr. Bernd Böttiger, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Uniklinik Köln und Vorsitzender des Europäischen Wiederbelebungsrates, wurde nun diese größte Studie, welche die Lysetherapie bei Wiederbelebungsmaßnahmen nach akutem Herz-Kreislauf-Stillstand testet, abgeschlossen. An der Studie nahmen europaweit insgesamt 1.050 Patienten in 70 Studienzentren teil.

Untersucht wurde die Wirksamkeit des Wirkstoffes Tenectplase (MetalyseR), eines Produkts der Firma Boehringer Ingelheim, das bereits als „Thrombolytikum“ für die Auflösung von Blutgerinnseln vielfältig im Einsatz ist.

In der jetzt veröffentlichten klinische Studie TROICA („Thrombolysis in Cardiac Arrest“) erhielt die Hälfte der 1.050 Patienten das gerinnungslösende Medikament, die andere Hälfte ein wirkungsloses Scheinpräparat (Placebo). Teilnehmer der Studie waren Patienten, die wegen eines Herzstillstands vom Notarzt beziehungsweise vom Notfallteam behandelt wurden. Zunächst wurden alle erforderlichen Standard-Maßnahmen der Wiederbelebung durchgeführt, dann erhielten die Patienten zusätzlich das Testmedikament. Der mögliche zusätzliche Erfolg der neuen Therapie wurde daran gemessen, wie viele behandelte Patienten im Vergleich die Intensivstation erreichten und wie viele den Herz-Kreislauf-Stillstand 30 Tage und mehr überlebten. Ein weiteres wichtiges Kriterium war die Fähigkeit der Patienten, in ihren Alltag zurückzukehren.

Ursache des plötzlichen Herzstillstandes ist bei zwei Drittel der Patienten ein Herzinfarkt oder eine Lungenembolie, erklärt Professor Bernd Böttiger, der die größte Untersuchung zum Einsatz von Medikamenten in der Notfallmedizin leitete.

Professor Bernd Böttiger, leitete die bislang größte Untersuchung zum Einsatz von Medikamenten in der Notfallmedizin.

Die vorliegende Studie ist eine der größten Untersuchungen zum Einsatz von Medikamenten, die jemals in der Notfallmedizin durchgeführt wurde. Sie begann Anfang 2004 und lief über zwei Jahre. Sie unterstützt die Empfehlung der derzeit gültigen Reanimationsleitlinen, nach denen ein routinemäßiger Einsatz eines Thrombolytikums bei Patienten mit Kreislaufstillstand nicht empfohlen wird. Gleichzeitig unterstreicht sie die mögliche Bedeutung dieser Therapie bei Patienten mit Kreislaufstillstand aufgrund einer Lungenembolie.

Jeden Tag sterben in Europa etwa 1.000 Menschen an einem plötzlichen Herztod; in Deutschland sind es etwa 100.000 Todesfälle pro Jahr. „Trotz Wiederbelebung und dem Einsatz eines Defibrillators überlebte bisher nur etwa jeder zehnte der betroffenen Patienten“, erklärt Professor Böttiger. Ursache des plötzlichen Herzstillstandes ist bei zwei Drittel der Patienten ein Herzinfarkt oder eine Lungenembolie, also ein Verschluss der Blutgefässe durch Blutgerinnsel. Treten diese beiden lebensbedrohlichen Ereignisse weniger akut auf, gehört die „Lysetherapie“, die Auflösung des Blutpfropfens mit Medikamenten – neben anderen Verfahren – schon seit Jahren zur Standardtherapie.

Dass auch Patienten mit einem plötzlichen Herzstillstand von der Lysetherapie profitieren, hatten frühere Untersuchungen und die Beobachtung von Einzelfällen nahe gelegt. „Auf einen Herz-Kreislauf-Stillstand reagiert auch die Blutgerinnung überschießend, und es besteht die Gefahr, dass sich im ganzen Körper kleine Blutgerinnsel bilden“, erklärt Professor Böttiger, der sich seit Jahren mit diesen Phänomenen wissenschaftlich beschäftigt.

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?