Bayerns steiniger Weg zur einheitlichen Leitstellenlandschaft


Bremen (rd.de) – Die Alarmierungsprobleme der ILS Würzburg dauern an. Bereits im Dezember 2008 rumorte es hörbar bei den Leitstellenverantwortlichen in Bayern. Probleme bei der Alarmierung wurden dem Softwaresystem „Eldis III BY“ zugeschrieben. Zwei Jahre später kämpfen Würzburg und andere bayerische Leitstellen immer noch mit Schwierigkeiten.

Die Einbindung externer Software an die Alarmierungssoftware stand vor zwei Jahren bereits in der Kritik. Der Hersteller der bayernweit verwendeten Software wurde zu Nachbesserungen aufgefordert. Die Software ist dabei nicht die einzige Baustelle.

Wie die Main Post aktuell berichtet, wurden in Würzburg durch eine Panne die „Helfer vor Ort“ nicht alarmiert. Es ging zwar ein Alarmfax im Feuerwehrhaus ein, doch die Melder der Kräfte blieben stumm. Hinzu kommen fehlerhafte Geodaten, die das Land Bayern zulieferte. Auch organisatorische Probleme sind zu beklagen: Etliche Gemeindefeuerwehren haben keine FMS-Ausstattung in den Fahrzeugen. Die Disponenten können aber nicht erkennen, welches Fahrzeug mit und ohne FMS-Empfänger ausgestattet ist.

In dem offiziellen Nutzerforum der Webseite www.bayern-ils.de ist weiterer Unmut spürbar. So entspricht die Alarmierung der Software offenbar nicht überall dem offiziellen Alarmierungsplan. Einige freiwillige Feuerwehren fühlen sich deshalb übergangen.

Viele Baustellen, richtige Zielsetzung

Viele der beschriebenen Probleme klingen allerdings nicht nach einem Softwarefehler, sondern nach Eingabe- und Planungsfehlern vor Ort.

Dr. Christian Kappacher, Geschäftsführer der Firma Eurofunk Kappacher (Hersteller der Alarmierungssoftware), räumt Schwierigkeiten ein: „Wir haben gerade ein großes Softwareupdate durchgeführt, doch das Update läuft nicht problemlos.“ Das Update wurde notwendig, weil viele Ergänzungen außerhalb des ursprünglichen Lastenhefts gemacht werden mussten.

Doch die Probleme sind deutlich vielschichtiger. „Bayerns Plan der Integrierten Leitstellen mit einheitlicher technischer Ausstattung ist komplex“, weiß Kappacher. „Die Dispositionsbereiche sind groß, man muss das Personal ausbilden, vieles wird Zentral vom Land vorgegeben.“ Die Alarmierungsplanung ist zum Beispiel Sache der Gemeinden, doch die Aufgaben werden aus Kompetenzgründen an die Leitstellen delegiert. Kein Wunder also, wenn in den Leitstellen die Nerven blank liegen.

Nun kommt hinzu, dass sich die Leitstellen auf Gegenseitigkeit technisch vertreten können sollen. Hierfür müssen geeignete Kooperationsmodelle gefunden werden „Die Stimmung ist angespannt. Da haben Sie bei jedem erforderlichen Softwareupdate Gegenwind“, bemerkt Kappacher.

Trotz aller Probleme glaubt der Eurofunk-Geschäftsführer, dass Bayern mit seinem Konzept richtungsweisend unterwegs ist. In Bayern arbeitet man nach den Grundlagen zum Leitstellenzusammenschluss. In anderen Bundesländern kann davon keine Rede sein. Das gilt auch für die Digitalfunkumstellung: „Immerhin ist es in Bayern gelungen, Vertreter der Leitstellen und des Bayerischen Staatsministerium des Inneren unter Führung der Diginet-Gruppe an einen Tisch zu holen und ein Pflichtenheft für die Tetra-Umstellung zu erarbeiten“, freut sich Kappacher. In anderen Ländern ist hingegen nicht einmal die Leitstellenanbindung geregelt.

(Symbolfoto: Michael Rüffer)

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