Ba-Wü: Notarzt und RTW oft nicht schnell genug


Stuttgart (rd.de) – Im Jahr 2011 wurde die Hilfsfrist in Baden-Württemberg trotz aller Anstrengungen bei den Notärzten nur in sieben und bei den Rettungswagen nur in 23 (von jeweils 37) Rettungsdienstbereichen eingehalten. Das geht aus der Antwort des baden-württembergischen Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage der CDU-Fraktion hervor.

Mit der doppelten Hilfsfrist sowohl für Notärzte als auch für RTW hat Baden-Württemberg einen der höchsten gesetzlich festgelegten Versorgungsmaßstäbe. In den anderen Bundesländern wird die Hilfsfrist in der Regel durch das zuerst eintreffende Rettungsmittel, egal ob NEF, NAW, RTW oder RTH, markiert. Die gesetzliche Hilfsfrist beträgt im Südwesten 15 Minuten, die Soll-Hilfsfrist zehn Minuten.

In der Antwort des Innenministeriums auf die Kleine Anfrage ist auch eine Tabelle eingearbeitet, aus welcher sich die Einhaltung der Hilfsfristen im jeweiligen Rettungsdienstbereich ablesen lässt.

So traf der Notarzt im Bereich Sigmaringen bei 41,6 Prozent der Einsätze innerhalb von zehn Minuten am Einsatzort ein, in Heidenheim lag der Wert bei 70,6 Prozent. Die Zehn-Minuten-Frist wurde vom RTW in Bereich Neckar-Odenwald zu 59,1 Prozent eingehalten, in Stuttgart war er in 81,6 Prozent innerhalb der gewünschten zehn Minuten am Einsatzort.

Binnen einer Viertelstunde war der Stuttgarter Notarzt in 96,7 Prozent der Fälle beim Patienten, in Sigmaringen traf dies lediglich auf 84,3 Prozent der Einsatzfahrten zu. Der RTW war am schnellsten im Rettungsdienstbereich Stuttgart (97,6 Prozent), Schlusslicht bildet Waldshut mit 90,1 Prozent.

Um die Einsatzzeiten zu optimieren gebe es laut Innenminister viele Verbesserungsmöglichkeiten wie beispielsweise bei den Alarmierungs- und Ausrückzeiten, Rettungsmittelaufstockungen, Ausweitung der Vorhaltungszeiten oder moderne Leitsysteme in den Leitstellen.

Neben der Einhaltung der Hilfsfristen sei es laut Innenministerium wichtig, die gesamte Rettungskette vom Auftreten des Notfalls bis zur Behandlung im Krankenhaus zu betrachten. Dazu gehören auch die Stärkung der Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung, die Arbeitsweise in den Leitstellen, die Qualifikation der Rettungsassistenten und Notärzte sowie der richtige Zeitpunkt des Transportbeginns bis hin zur optimierten Aufnahme im Krankenhaus.

Hier kann die Antwort der Kleinen Anfrage eingesehen werden.

(Foto: AOK-Mediendienst)

19 Responses to “Ba-Wü: Notarzt und RTW oft nicht schnell genug”

  1. Jörn on August 17th, 2012 11:17

    Na, wenn da jetzt nicht einige Vertreter in den (geschlossenen?) Reihen der Leistungserbringer/Rettungsdienstträger und Kostenträger anfangen zu schwitzen…

    Hochsommerlich-sonnige Grüße aus dem Südwesten

  2. Achim on August 17th, 2012 15:36

    Mein Vorschlag: die getrennte Hilfsfrist abschaffen und für das erst eintreffende Fahrzeug 12 Minuten definieren! So handhaben es zahlreiche andere Bundesländer! Desweiteren müsste man die Fahrzeugstationierung eventuell auch noch überdenken und zusätzliche Wachen/Stellplätze einrichten. Auch hier darf man mal getrost einen Blick über die Landesgrenze werfen! Die Rettungskette zu hinterfragen ist sicherlich richtig, nur wenn es für niemanden richtige Konsequenzen hat wenn etwas krumm läuft…
    Aber ansonsten sage ich: weiter so Her Innenminister!

  3. Jörn on August 17th, 2012 15:48

    @Achim: Das hatte ich bereits im November 1997 Galls (indirekter) Vorgängerin, Frau Dr. med. Monika Stolz, seinerzeit Landesgesundheitsministerin, vorgeschlagen. Aber sie blieb ihrem Nachnamen treu und wollte an dem ländle-typischen “Ärzte-Vorbehalt” nicht rütteln – getreu dem Motto “BaWü: Wir können alles. Außer – über den berühmt-berüchtigten Tellerrand schauen!”

    Weiterhin hochsommerliche und hitzige Grüße aus dem Südwesten in den Südwesten

  4. Jörn KORREKTUR on August 17th, 2012 15:49

    KORREKTUR 2007 natürlich ;-)

  5. Volker on August 17th, 2012 19:36

    Endlich wird mal von einer Soll-Hilfsfrist geredet und diese auch Ausgewertet. Ich finde es beschämend wenn man stolz darauf ist sich mit den 15 Minuten zu rühmen und diese noch nicht einmal in 95% der Fälle einhält.

    Schwitzige Grüße aus dem Land der 15 Minuten ;-)

  6. Stefan on August 18th, 2012 08:31

    @ Jörn, Achim

    Was ist dann mit dem Notarzt wenn der RTW als erstes eintrifft? Der darf dann auch mal eine halbe Stunde bis zum Eintreffen brauchen? Oder wie stellt Ihr euch das vor?

  7. Tscho on August 18th, 2012 15:01

    Wenn man die doppelte Hilfsfrist abschafft wäre das nicht pure Augenwischerei? Statisisch würde Hilfe zwar ggf. schneller eintreffen, aber nutzt das dem Patienten auch?

    Ich bin davon überzeugt, daß Notärzte ohne gesetzliche Hilfsfrist, auch wenn diese leider oft verfehlt wird, noch seltener zeitnah beim Patienten eintreffen.

    Solange RettAss, NotSan oder wer auch immer nicht per Regelkompetenz retten/helfen dürfen sind Notärzte am Patienten absolut unverzichtbar.

  8. Jörn on August 20th, 2012 10:01

    @Tscho (nachrichtlich Stefan): Ihren letzten Satz möchte ich wie folgt ergänzen: Solange RettAss, NotSan oder wer auch immer nicht per Regelkompetenz retten/helfen dürfen UND KÖNNEN, sind GUT QUALIFIZIERTE Notärzte am Patienten absolut unverzichtbar.

    @Tscho (nachrichtlich Stefan): Schon einmal über den Tellerrand geschaut? In den 15 (in Worten: FÜNFZEHN) anderen Bundesländern gibt es keine gesetzlich verankerte Hilfsfrist für den Notarzt – und trotzdem trifft DORT der Notarzt meist zeitnah beim Notfallpatienten ein!

    Hochsommerlich-sonnige Grüße aus dem Rems-Murr-Kreis

  9. Tscho on August 20th, 2012 14:47

    @ Jörn

    Können Sie das zeitnahe Eintreffen des Notarztes in anderen Bundesländern irgendwie durch öffentliche Zahlen untermauern? Z.B. aus Rheinland-Pfalz ist mir da eher anderes zu Ohren gekommen, aber ich lasse mich durchaus belehren.

    Das Können hatte ich ins dürfen mit eingeschlossen. Wenn man etwas nicht kann sollte man es auch nicht dürfen.

    Aus meiner Sicht ist die derzeitige Ausbildung zum RettAss nicht dazu geeignet Notärzte zu ersetzen, aber diese Diskussion wollte ich hier und jetzt eigentlich nicht führen.

  10. Jörn on August 20th, 2012 16:43

    @Tscho (20.08.2012 – 14:47): “Aus meiner Sicht ist die derzeitige Ausbildung zum RettAss nicht dazu geeignet Notärzte zu ersetzen, aber diese Diskussion wollte ich hier und jetzt eigentlich nicht führen.” Hm, jetzt haben Sie aber damit angefangen, wenn ich die Posts vor Ihrem letzten Kommentar hier zum Thema richtig gelesen und auch verstanden habe…

    NEF-Vergleichszahlen: Teilen Sie mir doch bitte kurz mit, welches Bundesland Sie präferieren (ist es Rheinland-Pfalz?), damit ich dort nachhaken kann, ob die NEF-Zahlen veröffentlicht werden können/dürfen… Zeige mich heute nämlich mal von meiner netten Seite ;-)

    Weiterhin hochsommerlich-sonnige Grüße aus dem Rems-Murr-Kreis

  11. Tscho on August 20th, 2012 22:46

    Ach Jörn, Sie sind doch eigentlich ein ganz Netter :-)

    Welches Bundesland ist mir eigentlich egal. Ich bin Schwabe. Aber Sie hatten ja angeführt, daß der Notarzt auch in Bundesländern ohne entspr. Hilfsfrist meist zeitnah am Patienten eintrifft und ich bezweifle, daß Kosten-, bzw. Leistungsträger flächendeckend etwas bieten wozu sie gesetzlich nicht verpflichtet sind. Hierzulande sieht man das ja eindrucksvoll an der “soll Hilfsfrist” von 10 Minuten.

  12. Achim on August 21st, 2012 11:38

    @Jörn

    Möglicherweise haben da Stefan und Tscho doch nicht ganz unrecht? Diesbezügliche Zahlen und Strategien wären sicherlich nicht ganz uninteressant!
    Ich vermute daß mit dieser Statistik möglicherweise ein ganz großer Stein ins rollen gekommen ist ;-)

  13. Jörn on August 21st, 2012 16:16

    @Tscho: Danke für die Blumen. :) Dann beginne ich mal mit meinen Anfragen im benachbarten Rheinland-Pfalz.. Kann aber ein bisschen dauern mit der Antwort (Sommerzeit und so).

    @Achim: Na klar ist damit der ganz große Stein ins Rollen gekommen, Das war schließlich ja auch so beabsichtigt. :) :) Der Landtagsabgeordnete Wolfgang Stehmer (SPD) hatte es ja 2010 im Kreis Ludwigsburg vorgemacht, als er sogar die ortsbezogenen Eintreffquoten angefragt hatte. Das Ergebnis? Fürcherlich! Die Konsequenzen? Siehe jüngste Comments zur RETTUNGSDIENST.DE-News “DRK-Rettungsdienst muss NOCH besser werden.” Seine Partei hat Herrn Stehmer aber 2011 nicht mehr auf einem aussichtsreichen Listenplatz platziert, so dass er nun nicht mehr im Landtag von Baden-Württemberg vertreten ist.

    Weiterhin hochsommerlich-sonnige Grüße aus dem Südwesten

  14. Achim on August 21st, 2012 18:34

    Auch hier noch ergänzend bezüglich Notarztstandorte mit doppelter Besetzung ( mein kommentar bei “Rettungsdienst als Verlustgeschäft” von heute):

    @ Jörn

    Das Problem ist, wie überall in der Region, daß man zunächst versucht möglichst günstig und politisch korrekt die Problematik zu lösen. Durch die Doppelstationierung an einem Standort deckt man lediglich die sogenannte “Einsatzdupplizität” ab, aber nicht die Erreichbarkeit stationierungsferner Notfallorte. Gleichzeitig zeigt sich aktuell ( siehe Stuttgart EKG / Telemetrie Ausstattung) daß von Seiten der Politik und Ärzteschaft, nur einseitig auf den Notarztdienst fokusiert wird und der RTW Dienst immer noch “nur” als Transportleistung wahrgenommen wird. Hier gibt man für vier EKGs 140 000 € aus während man z.B in Bochum( siehe SK Verlag.de) für 330 000 €, 23 Geräte ohne Telemetrie (Stk Preis ca. 14500 €) auf alle Rettungsmittel verteilt! Meiner Ansicht nach der richtigere Weg. Mein Hoffnung liegt hier bei der neuen zentralen Qualitätssicherungsstelle, daß solche Dinge hier mit einfließen werden.

    Hochsommerliche Grüße

  15. andreas hasselmann on August 22nd, 2012 16:30

    tja mir könnnet alle s ausser…lebe rette….so das motto des rd´s in BW….ich hatte bereits zu einem leserbrief auf 1 zeitungsartikel im offenbuger tageblatt vom 06,05.09 festgestellt ,das der rettungsdienst in meiner ehemaligen heimat hessen um längen besser ist…zum vergleich hatte ich den rd ortenau mit kassel stad+landkreis verglichen….10 min hilfsfrist die eingehalten wird > weil gesetz, nur rtw´s keine ktw´s mehr, 5 itw´s an 4 standorten für 6 mio ew. statt 4 im ländle für 10 mio…etc.schade wenn man bedenkt das BW das geld hierfür sicher hätte…selbst das chronisch pleite berlin schafft es meist in 8 min hilfsfrist…mfg andreas

  16. Olli on August 23rd, 2012 06:56

    Ich möchte hier nur kurz auf den Artikel “Rettungswagen umgekippt, vier Verletzte”
    aufmerksam machen der hier ganz gut dazu passen würde. Als Ergänzung!

    Komische Welt in der wir uns bewegen ;-)

  17. Jörn on August 29th, 2012 10:18

    @Tscho: Im Nachgang zu meinem Kommentar vom 21.08.2012, 16:16 Uhr kann ich Ihnen folgenden Zwischenstand mitteilen:

    Nach Angaben des zuständigen Referenten im Mainzer Innenministerium ist eine detailgenaue Auswertung der Notarzt-Eintreffzeiten durch das für den Rettungsdienst zuständige Ministerium zurzeit nicht möglich, da “RLP [....] eine Hilfeleistungsfrist (Planungsfrist s. § 8 Abs. 2 RettDG) [hat].”

    Ich zitiere aus dem RettDG RLP wortwörtlich:

    ZITATANFANG: “(2) Die Vorhaltezeiten und die Anzahl der für eine Rettungswache
    erforderlichen Krankenkraftwagen (§ 21 Abs. 2 Satz 1) werden im Benehmen
    mit den Sanitätsorganisationen oder den sonstigen Einrichtungen und im
    Einvernehmen mit den Verbänden der Kostenträger von der zuständigen
    Behörde nach Maßgabe des Landesrettungsdienstplanes so festgelegt, dass
    im Notfalltransport jeder an einer öffentlichen Straße gelegene Einsatzort in der
    Regel innerhalb einer Fahrzeit von maximal 15 Minuten nach dem Eingang des
    Hilfeersuchens bei der Leitstelle erreicht werden kann (Hilfeleistungsfrist). Im
    Krankentransport soll die Wartezeit bis zum Eintreffen des
    Krankenkraftwagens in der Regel 40 Minuten nach Eingang der Anforderung
    des Fahrzeugs bei der Leitstelle nicht überschreiten; dies gilt nicht für
    Krankentransporte, die mindestens am Tag zuvor angefordert werden können.
    Kommt eine Einigung über die Vorhaltung nicht zustande, entscheidet die
    Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion.” ZITATENDE

    Quelle: http://www.ism.rlp.de/fileadmin/ism/downloads/sicherheit/rettungsdienst/rettungsdienstgesetz.pdf

    Dies bedeutet de facto, dass das erst eintreffende Rettungsmittel (das KANN der RTW, der NAW oder das NEF sein!) die “Timeline” beendet (Status S4). Eine eigenständige NA-Hilfsfrist wie in Baden-Württemberg gibt es in Rheinland-Pfalz wie auch in den vierzehn anderen Bundesländern nicht! Es wird in meiner alten Heimat also nicht zwischen ärztlicher und “nichtärztlicher” Hilfeleistung unterschieden!

    Ihre Überzeugung (vgl. Tscho – 18.08.2012 15:01 Uhr), “dass Notärzte ohne gesetzliche Hilfsfrist, auch wenn diese leider oft verfehlt wird, noch seltener zeitnah beim Patienten eintreffen”, kann ich somit momentan (noch) nicht widerlegen. Aber ich arbeite dran! :)

    Sommerlich-warme Grüße aus dem Südwesten in den Südwesten

  18. Kranker Pfleger on August 29th, 2012 20:23

    Danke Jörn. Daß es eine eigenständige notärztliche Hilfsfrist nur in Ba.-Wü. gibt wusste ich bereits und ehrlich gesagt glaube ich nicht, daß ohne diese Vorgabe irgendwer Zahlen hierzu erfasst, bzw. freiwillig veröffentlicht, da das Ergebnis wohl nicht gerade prickelnd wäre.

    Im RettDG RLP steht, daß alleine die Fahrtzeit von max 15 Min die Hilfsleistungsfrist bestimmt. D.h. dann aber doch daß die Hilfsfrist länger ist wie in Ba.-Wü., denn hier beginnt die Frist ja bekanntlich mit Eingang der Notfallmeldung.

    Ich will nicht einzelne Bundesländer schlecht reden jedoch auch aufzeigen, daß der RD in Ba.-Wü. längst nicht so schlecht ist wie immer behauptet wird. Optimal ist er hier jedoch absolut auch nicht.

  19. Jörn on März 4th, 2013 17:29

    In den beiden Kreistagen von Ludwigsburg und Waldshut stehen die Hilfsfrist-Probleme aktuell auf der Tagesordnung: vgl. http://www.suedkurier.de/region/hochrhein/kreis-waldshut/kurznachrichten/Themen-Notfallrettung-und-Polizeireform;art1015025,5934722 vom 04.03.2013 und http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.rettungszeiten-im-notfall-die-luftrettung-hilft-vor-allem-im-strohgaeu.985ebf23-2eb1-46b8-b5ae-3e10c2c9174f.html vom 04.03.2013

    Weiterhin sonnige Grüße aus dem Westen

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