Antidotbehandlung bei Rauchgasintoxikationen?


Blausäuremetabolit- und Hämoglobin-Messung mit einem Spektrometer (Foto: GIZ-Nord)Göttingen (rd.de) – Reicht es aus, Rauchgasvergiftungen im Wesentlichen wie eine CO-Vergiftung zu versorgen? Und ist eine mögliche Zyanwasserstoffvergiftung (Blausäure) wirklich zu vernachlässigen? Diesen Fragen geht derzeit das Giftinformationszentrum-Nord in Göttingen nach und bittet Rettungsdienste um ihre Mitarbeit.

Bei einer schweren Rauchgasvergiftung mit eingetrübtem Patienten ist immer eine CO/HCN-Kombinationsvergiftung zu befürchten. Trotzdem wird in der Rettung auf eine Gabe von Methämoglobinbildnern wie 4-DMAP in der Regel verzichtet. Bei einer CO-Vergiftung kann das Zyanid-Antidot die Dyshämoglobinfraktion erhöhen und zu einer Verschlechterung des Patientenzustandes führen. Bisher weiß man aber nicht genau, ob die Zyanidvergiftung nach einer schweren Rauchgasinhalation wirklich relevant ist. In der Folge sind die Behandlungsempfehlungen vage, mahnen bei der Antidot-Behandlung mit 4-DMAP jedenfalls zur Vorsicht.

Das Giftinformationszentrum-Nord in Göttingen ist im Rahmen einer Studie über schwere Rauchgasintoxikationen, auf der Suche nach Blutproben und bittet Deutschlands Rettungsdienste um Mithilfe.

Blutproben gesucht

Es wird gebeten, bei Patienten mit schwerer Rauchvergiftung (d.h. zumindest einer deutlichen Bewusstseins- und/oder Kreislaufstörung) frühzeitig nach Anlage des venösen Zugangs am Einsatzort eine übliche Menge Laborblut zu asservieren (ca. 5 ml Heparin- bzw. EDTA-Blut oder mittels Einmalspritze) und nach dem Einsatz umgehend telefonisch das GIZ-Nord in Göttingen zu verständigen (24-Stunden-Rufnummer: 0 55 1 / 383 180 oder 19 240).

Die Studie soll Klarheit schaffen, ob und in welchem Maße diese Patienten an einer therapiepflichtigen Intoxikation mit Zyanwasserstoff („Blausäure“) leiden.

Guido Kaiser, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Toxikologischen Abteilung an der Uni Göttingen, erklärt gegenüber Rettungsdienst.de, es sei noch zu früh über bisherige Ergebnisse zu referieren. Doch die Folgen einer Rauchgasintoxikation scheinen sich tatsächlich in der präklinischen Versorgung zu entscheiden. „Letztes Jahr wurden nach unseren Beobachtungen in Deutschland 220 Patienten mit schweren Rauchvergiftungen rettungsdienstlich behandelt“, berichtet Kaiser. „Von diesem Fällen überlebten 45 Patienten die präklinische Reanimation nicht; dem gegenüber sind nur 19 Fälle sekundär in der Klinik verstorben.“ Hatten die 45 im Rettungsdienst verstorbenen Patienten möglicherweise eine therapiepflichtige Blausäurevergiftung?

Rettungsdienste, die sich an der Studie beteiligen möchten, finden hier alle Unterlagen .

One Response to “Antidotbehandlung bei Rauchgasintoxikationen?”

  1. kanzleramt on April 28th, 2010 15:54

    Es hört sich nach einem rechtlichen Drahtseilakt an. 1. Muss der Pat. einwilligen, das sein Blut zu stud. Zwecken an Dritte weitergeleitet wird. Was bei einer schweren Rauchgasintox sehr schwierig werden könnte. 2. rechtl. gesehen darf nur ein Notarzt Blut abnehmen (Organentnahme) aber da kommt dann wieder Punkt eins zum tragen

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