AEDs müssen schneller werden


(Foto: Defibtech)

Dallas (rd.de) – Eine Untersuchung der American Heart Association kommt zu dem Schluss, dass lange Herz-
kompressionspausen vor der Defibrillator-Schockabgabe das Reanimationsergebnis negativ beeinflussen. AEDs müssten bei der Analysegeschwindigkeit demnach zulegen.

Die Studie stellte fest, dass die Erfolgsrate der Reanimation deutlich ungünstiger ist, wenn vor der Schockabgabe die Herzkompression für länger als 20 Sekunden unterbrochen werden musste. Defibrillatoren, die im automatischen Modus betrieben werden erzeugen eine doppelt so lange „Vor-Schock-Pause“, im Vergleich zur Schockabgabe mit einem manuellen Defibrillator. Die Ergbenisunterschiede sind dabei bemerkenswert: “Wir haben herausgefunden, dass der Zeitabschnitt zwischen der Unterbrechung der Herzkompression und der Schockabgabe großen Einfluss auf das Reanimationsergebnis hat“, erklärt Dr. Sheldon Cheskes, Assistenzprofessor für Notfallmedizin der Universität Toronto (Kanada). „Dauert die Unterbrechung der Herzkompression länger als 20 Sekunden, war die Überlebenschance um 53 % geringer, wie bei einer Unterbrechung von unter 10 Sekunden.“

Die Länge der Pause zwischen der Schockabgabe und der Wiederaufnahme der HLW hatte hingegen einen weit geringeren Einfluss auf das Reanimationsergebnis. Die kanadische Studie untersuchte 815 Fälle von Herzstillstandspatienten in Ottawa, Ontario, Vancouver sowie in King County/Seattle, Pittsburgh (USA), die entweder mit einem manuellen oder automatischen Defibrillator behandelt wurden.

Zwar empfahl die American Heart Association auf Grundlage bisheriger Studien ohnehin Kompressionspausen von mehr als 10 Sekunden zu vermeiden. Die Erkenntnis, dass die Pre-Schock-Pause für den Reanimationserfolg maßgeblich ist, war bisher allerdings nicht bekannt.

Technische Lösungsansätze in Sicht

Die Studie soll Defibrillatorenherstellern den Anstoß geben, die automatischen Defibrillatoren dahingehend zu optimieren, die Analyse- und Auslösezeiten weiter zu optimieren. Die sind hier aber bereits auf einem guten Weg.

Jochen Ulrich von der deutschen Vertretung des US-AED-Spezialisten Defibtech erklärte gegenüber rettungsdienst.de, dass bisher vor allen Dingen eine hohe und zuverlässige Erkennungsrate bei der Analyse im Vordergrund stand. „Der Analysezyklus führt drei Messungen von je zwei Sekunden durch.“ Das Hochladen des Defibrillators zur Schockabgabe bewerkstelligen selbst die einfachen Modelle in weniger als sechs Sekunden. Hinzu kommen einige Sekunden für die Sprachansage und die Bedienung der Auslösetaste. Hier liegt man in der Praxis wohl knapp unter 20 Sekunden. Die neuen Modelle laden binnen vier Sekunden hoch.

Ernst Schorn, Vertriebsmitarbeiter der Firma Zoll, gibt für die Analyse und das Laden insgesamt 9 Sekunden an. „Zwar hängt die Zeitspanne von vielen äußeren Faktoren ab, allerdings laden unsere AED und Profi-Automaten bereits hoch, wenn der erste Verdacht eines schockwürdigen Rhythmusbild besteht.“ Sollte der Schock nach Abschluss der Analyse dann doch nicht erforderlich sein, wird das Gerät automatisch entladen. Bei den manuellen Defibrillatoren gibt es bei Zoll eine Funktion mit der Bezeichnung »See-Thru«: „Das erlaubt die Begutachtung des Herzrhythmus sogar unter der HLW“, so Schorn. Für die Automaten steht diese Technik allerdings noch nicht zur Verfügung.

4 Responses to “AEDs müssen schneller werden”

  1. Franz on Juli 8th, 2011 15:40

    Super wenn die Geräte demnächst noch schneller hochladen. Jetzt ist Philips mit dem Quick-Schock natürlich wieder ganz weit vorne. Vielleicht senken sie ja dann von den ohnehin schon geringen 150Joule auf 100Joule. Fakt ist nämlich, dass die schnellsten Geräte auch nur die geringste Stromstärke abgeben. Das wird oft vergessen.

  2. Guy on Juli 8th, 2011 16:21

    So ganz besonders überraschend kommt diese Nachricht ja nun auch nicht.

    Und es gibt sogar schon Hersteller von AEDs und „Profigeräten“ die solche Möglichkeiten schon haben.

    Bei den Lifepaks z.B. gibt es die Möglichkeit Prä-Schock-HLW einzuschalten.
    Dort wird die Reanimation dann nur kurz zur Analyse und dann wieder zum Schock unterbrochen.
    Bei unser Einweisung hat man gesagt (und das kommt gefühlt auch gut hin) das die Zeit der Unterbrechung bei ca. 5-6 sec pro Schock liegt.

    Ich hab gerade auch noch mal in die Bedienungsanleitung geguckt, dort wird das als cprMax bezeichnet.
    Ist übrigens ein LP1000 auf dem KTW und ein LP15 auf unseren RTW und NEF.

    Wer dazu Fragen hat kann gerne mal in meine Unterlagen schauen.

  3. Guy on Juli 8th, 2011 17:57

    @ Franz:
    Also unser LP1000 braucht von 0 auf 360J keine 10sec.
    Eine genaue Zeit kann ich dir leider nicht sagen, aber er ist schon recht schnell.

    Der 15er braucht 8,5sec von nix auf 360J.

  4. Gerd on Juli 13th, 2011 09:53

    Hier werden die Begriffe Energie und Stromstärke verwechselt. 150J Abgabeenergie bedeutet keinesfalls auch geringe Stromstärken. Fakt ist, dass das genaue Gegenteil der Fall ist aber wohlweislich verschwiegen wird. Die Guidelines fordern bereits seit 2005 das AEDs geregelte Stromstärken abgeben sollten und die Entwicklung auch in diese Richtung voran getrieben werden sollte. Tatsache ist, dass nur drei Hersteller dies bisher umgesetzt haben. Diese Stromstärke sollte bei nicht mehr als 20A im ersten Schock liegen. Dazu sollte man wissen, Strom ist das was defibrilliert – er kann aber auch Schäden verursachen wenn er zu hoch ist. Hier werden jedoch bei älteren biphasischen exponentialen Entladekurven, zum Teil mehr als doppelt so hohe Stromstärken abgegeben als empfohlen. Das hängt vom individuellen Patientenwiderstand ab. Zum Teil betragen die Spitzenströme sogar mehr als 100A. Und das bei sogenannten niedrig-Energie-Geräten. Man darf hier nicht Birnen mit Äpfeln vergleichen und man sollte auch nicht jeder Werbung glauben. Bei mehrfacher Schockabgabe sollte zusätzlich auch eine Steigerung der Abgabeimpulse möglich sein. Hier sind in den USA auch eindeutige Studien veröffentlicht worden. Patientengerechte u. -schonende Defibrillation erfordert eine möglichst genaue Anpassung der abzugebenden Energie an die Patientenparameter bei zusätzlich geregelten Stromstärken. Formel 1 Rennen wurden auch schon verloren weil man zu schnell getankt hat – zu viel verbraucht und das Ziel dann nicht erreicht hat. Die heutigen technischen Möglichkeiten werden leider nicht immer umgesetzt. Gewinnmaximierung steht bei einigen Herstellern im Vordergrund. Ein Golf heutiger Bauart ist mit dem Golf I nicht mehr vergleichbar. Bei AEDs wird hier aus Unkenntnis oft kein Unterschied gemacht. Auf den Seiten der BfArM und der FDA lassen sich alle Recalls und die Gründe dafür für alle Gerätetypen aller Hersteller einsehen. Hier kann man Rückschlüsse auf die Qualität der einzelnen Produkte ziehen und man kann erkennen wie lange einzelne Gerätetypen schon verkauft werden. Die entsprechende Entwicklungs- u. Zulassungszeit hinzugerechnet, ergeben ein Gefühl dafür, auf welchem techn. Stand einzelne Geräte sein müssen. AUGEN AUF! Aufgrund einer einzelnen Studie und eines einzigen Parameters lässt sich kein Gerät hervorheben. Alle Kenntnisse aus mehreren Studien und alle Parameter der Geräte sollten genau beleuchtet werden um hier Aussagen treffen zu können die auch Substanz haben.

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?