50 Jahre Herzschrittmacher


Bonn (rd.de) – Am 8. Oktober 1958 wurde in Schweden erstmals ein Herzschrittmacher implantiert. Der funktionierte gut drei Stunden. Gebaut wurde er in der Küche des Medizintechnik-Ingenieurs Rune Elmqvist. Der erste Patient Arne Larrson, überlebte diese Technikexperimente allesamt, wurde 86 Jahre alt und starb nicht an Herzversagen.

Den mutigen Eingriff durch den Thoraxchirurgen Åke Senning verdankte Arne Larrson seiner resoluten Ehefrau Else-Marie Larsson, die den Arzt und den Techniker zum Handeln drängte, denn eigentlich befand sich das Schrittmacher-Experiment in einem recht frühen Tierversuchsstadium.

Hauptproblem war die Stromversorgung. Schon beim zweiten Schrittmacher, der am nächsten Morgen eingesetzt wurde, hatten die Schweden eine vorübergehende Problemlösung gefunden. Die wiederaufladbare Batterie, unterschiedlichen Quellen zur Folge eine Quecksilberbatterie oder eine Nickel-Cadmium-Zelle wurde kurzerhand ausserhalb des Körpers getragen. Der erste Schrittmacher bestand im wesentlichen aus einer Schaltung mit zwei Transistoren die als „Kippschaltung“ (Flip-Flop) ausgeführt wurde und einer Spule zur Erzeugung der Erregungerspannung. Das Ganze wurde in eine kleine Schuputzdose gepackt und mit Epoxidharz ausgegossen.

Arne Larrson litt an einem AV-Block und Stokes-Adam-Anfällen und hätte ohne den Schrittmacher nicht lange überlebt. So lebte er noch weitere 43 Jahre und „verbrauchte“ in dieser Zeit 22 Schrittmacher mit fünf verschiedenen Elektrodensystemen, bis er am 28. Dezember 2001 starb.

In Deutschland werden pro Jahr bereits mehr als 65.000 Schrittmacher neu eingesetzt, Tendenz steigend. „Zweifellos zählt die Behandlung mit dem Herzschrittmacher zu den erfolgreichsten Therapien der Herzmedizin überhaupt“, sagt Prof. Dr. med. Hans-Joachim Trappe, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung. Meilensteine in der Schrittmacher-Geschichte waren etwa die Einführung so genannter Zweikammersysteme, die durch gleichzeitige Stimulierung von Herzkammer und -vorhof für einen verbesserten Blutfluss im Herz sorgen, oder die Entwicklung der frequenzadaptiven Schrittmacher, welche die Herzschlagfrequenz jederzeit an eine veränderte Körperaktivität (wie zum Beispiel beim Treppensteigen) anpassen. Ein ebenso großer Fortschritt ist die seit rund zehn Jahren bestehende „Resynchronisationstherapie“ mittels Dreikammer-Schrittmacher, mit Elektroden im rechten Vorhof und beiden Kammern: Sie hilft Patienten mit fortgeschrittener Herzschwäche, bei denen das Zusammenspiel beider Herzkammern gestört ist, die Pumpleistung des Herzens wieder zu verbessern.

One Response to “50 Jahre Herzschrittmacher”

  1. Schrittmacherpatient mit geringer Indikation on September 9th, 2013 16:52

    Die Frage ist bei dieser steigenden Implantationsrate, ob wirklich alle Implantationen notwendig sind, oder ob es mittlerweile zu einem florierenden Wirtschaftszweig gekommen ist. Wenn ich dass mal allein bei mir betrachte, so wenig wie er „anspringt“. Wenn man davon ausgeht, dass ich die Hälfte meines Lebens mit der später gestellten Anamnese bereits beschwerdefrei gelebt habe und der Zufall die Extrasystolen nicht ans Licht gebracht hätte, ich würde weiterhin ohne Leben.

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