40 Prozent der Schüler trinken sich in den Rausch


(Foto: DAK/Wigger)Hamburg (pm) – Alkohol bis zum Abwinken: Viele Jugendliche trinken mindestens fünf Gläser Bier, Schnaps oder Mixgetränke direkt hintereinander. An diesem sogenannten Rauschtrinken beteiligen sich nach einer neuen DAK-Studie 43 Prozent der Schüler mindestens einmal monatlich.

Ein Drittel dieser Schüler stürzt sogar dreimal oder öfter im Monat ab. Das zeigt eine aktuelle Befragung von mehr als 4000 Jungen und Mädchen zwischen zehn und 18 Jahren, die die Leuphana Universität Lüneburg im Auftrag der Krankenkasse an 17 Schulen in sieben Bundesländern durchgeführt hat.

Bei den 15-Jährigen bekennt sich jeder zweite zum Rauschtrinken, obwohl diese Altersgruppe laut Jugendschutzgesetz noch gar keinen Alkohol konsumieren dürfte. Ab 16 Jahren steigt der Anteil der „Rauschtrinker“ auf mehr als 60 Prozent.

Mädchen greifen zu Mixgetränken

Laut Studie haben fast zwei Drittel aller Schüler zwischen zehn und 18 Jahren schon Alkohol getrunken. Das Einstiegsalter liegt häufig bei zwölf Jahren. Bis zum 13. Lebensjahr haben mehr als die Hälfte der Jungen und Mädchen schon einmal Alkohol getrunken. 37 Prozent aller Befragten greifen mindestens einmal pro Woche zu Bier oder Wein. Während die Mädchen meistens Mixgetränke wählen, greifen die Jungen öfters zum Bier. Zehn Prozent der zwölfjährigen Jungen geben an, dass sie bereits wöchentlich trinken.

„Über den Alkoholmissbrauch von Kindern und Jugendlichen wird oft nur berichtet, wenn Komasäufer im Krankenhaus landen“, erklärt Dr. Cornelius Erbe, Leiter des DAK-Geschäftsbereiches Produktmanagement. „Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass Alkohol schon bei vielen jungen Schülern zum Alltag gehört.“ Die Schule sei deshalb neben der Familie der beste Ort, um mit einer frühzeitigen Suchtprävention zu beginnen. Ziel sei die Alkoholabstinenz bei den unter 16-Jährigen. Bei den älteren Jugendlichen gehe es vor allem um den bewussten und selbstbestimmten Umgang mit Alkohol.

Leistungsdruck an Gymnasien und Alkoholkonsum

Je nach Schulform unterscheidet sich der Alkoholkonsum. An Haupt-, Real- und Regionalen Schulen gibt jeder vierte Schüler an, regelmäßig zu trinken. Bei den Gymnasiasten ist es jeder Dritte. „Ein Risikofaktor dafür ist offenbar der erlebte Schulstress“, erklärt Projektmanagerin Silke Rupprecht von der Leuphana Universität Lüneburg. An Gymnasien geben 46 Prozent der regelmäßigen Alkoholkonsumenten an, dass sie unter einem „hohen Leistungsdruck“ stehen. Bei den anderen Schulformen bestehe dieser Zusammenhang nicht. Auch andere Schulvariablen beeinflussen das Konsumverhalten: Jungen und Mädchen, die mit ihren eigenen Schulleistungen unzufrieden sind oder keine Lust auf Schule haben, trinken deutlich öfter Alkohol.

An den Befragungen im Mai 2009 und Mai 2010 haben sich insgesamt 4116 Schüler von sieben Haupt-, Real- und Regionalen Schulen, einer Gesamtschule, fünf Gymnasien und vier Berufsschulen beteiligt. Die aktuelle Alkohol-Studie entstand im Rahmen der DAK-Initiative „Gemeinsam gesunde Schule entwickeln“. Dabei begleitet und berät die Leuphana Universität Lüneburg für die Krankenkasse bundesweit 30 Schulen, die sich für das dreijährige Projekt beworben haben.

(Foto: DAK/Wigger)

One Response to “40 Prozent der Schüler trinken sich in den Rausch”

  1. Kontrabass on Dezember 6th, 2010 10:21

    Es ist ja löblich, dass die Rettungsdienste diese Meldung verbreiten. Doch was nützt es? Die Leser werden wie immer denken, so ist es, man kann ja doch nichts machen, und zur Tagesordnung übergehen.
    Nötig wäre aber, dass die, welche Einsicht in das Problem besitzen, politischen Druck auf die Behörden ausüben, dass die endlich für Abhilfe sorgen und sich dem Druck der Alkoholindustrie entziehen. Das werden sie nur tun, wenn der Druck von unten stark genug ist. Die Ärzteschaft, die Rettungsdienste, die Polizei und Justiz sollten diese Herausforderung anpacken und auch über die Lösungsmöglichkeiten orientieren. Die Bevölkerung wird von den Medien nicht informiert, auch die sind Komplizen der Alkoholwirtschaft. (Vielleicht mit wenigen Ausnahmen)

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