11. September: Neue Erkenntnisse zu indirekten Terror-Schäden


Berlin (idw) – Viele US-Amerikaner sind nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 aus Angst vor dem Fliegen auf das Auto umgestiegen und dabei tödlich verunglückt. Doch warum geschah dies in manchen Bundesstaaten mehr als in anderen? Und warum haben die Spanier nach den Zuganschlägen von Madrid im Jahr 2004 ihr Fahrverhalten nicht ebenso verändert? Wissenschaftler des Berliner Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung präsentieren dazu neue Erkenntnisse in der Fachzeitschrift „Psychological Science“.  

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 haben die Welt verändert. In der Öffentlichkeit kaum beachtet werden aber die entstandenen indirekten Schäden. Sie entstehen durch die Gedanken und Ängste der Menschen in Reaktion auf derartige Anschläge. Im Falle des 11. September waren es vor allem wirtschaftliche Verluste in der Luftfahrt- und Tourismusindustrie. Frühere Studien haben ergeben, dass die Menschen nach den Terroranschlägen verstärkt vom Flugzeug auf das nur vermeintlich sicherere Auto umgestiegen sind. Damit erhöhte sich nicht nur das Staurisiko: In den zwölf Monaten nach dem 11. September 2001 gab es schätzungsweise 1600 mehr unfallbedingte Todesfälle auf US-amerikanischen Straßen, als es statistisch zu erwarten gewesen wäre.

Doch warum wurde ein solcher Anstieg an Verkehrsaufkommen und damit auch Verkehrstoten nur in einigen Bundesstaaten beobachtet? Und warum konnte nach den Zuganschlägen von Madrid im Jahr 2004 kein Anstieg von Autofahrten und -unfällen beobachtet werden? Die Psychologen Gaissmaier und Gigerenzer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und dem dort angegliederten Harding-Zentrum für Risikokompetenz präsentieren dazu neue Analysen, die demnächst im Fachblatt „Psychological Science“ erscheinen werden.

Angst und Umwelt bedingen den psychologischen Zweitschlag  

Darin zeigen sie, dass der Autoverkehr insbesondere in der Nähe von New York zugenommen hat. Auf das dortige World Trade Center konzentrierten sich die Hauptanschläge, und diese Bilder und damit auch die Angst waren vermutlich besonders präsent für Menschen, die in der Nähe wohnten. Eine Annahme, die auch durch andere Studien gestützt wird.

Die Autoren identifizieren jedoch darüber hinaus noch einen zweiten, noch stärkeren Faktor, der erklären könnte, warum das Verkehrsaufkommen zum Teil auch in von New York weit entfernten Staaten stark angestiegen ist, insbesondere im Mittleren Westen: Dort war schlicht die Infrastruktur sehr gut geeignet, Fliegen durch Autofahren zu ersetzen. Gemessen an der Einwohnerzahl waren die Straßen sehr gut ausgebaut, und es waren viele Autos gemeldet.

„Unsere Studienergebnisse stützen die Annahme, dass die durch Terroranschläge hervorgerufene Angst potenziell gefährliches Verhalten verursachen kann. Sie verdeutlichen aber auch, dass Angst allein nicht ausreicht, um zu verstehen, wo nach fatalen Ereignissen wie denen vom 11. September indirekte Schäden auftreten können“, sagt Wolfgang Gaissmaier.

(Foto: Bri Rodriguez und Andrea Booher/FEMA News Photo)

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