10 Tipps für Fortbildungen im Rettungsdienst


Fortbildung_580Bremen (rd_de) – Fortbildungen im Rettungsdienst erinnern oft eher an ein trauriges Laienschauspiel als an eine zeitgemäße Trainingsveranstaltung. Woran liegt’s? Hier 10 Tipps, wie aus öder Pflicht eine interessante Kür werden kann.

1. Atmosphäre

Es kann keine produktive Lernatmosphäre geschaffen werden, wenn sich 40 Leute in einen kleinen Besprechungsraum zwängen. Das heißt, die Teilnehmeranzahl muss vorher bekannt sein, der Raum mit ausreichend Stühlen bereitgestellt werden. Kaffee und Wasser sind einfache Mittel, dass es mit der Zwischenmenschlichkeit klappt. Wer daran spart, sorgt schon am Anfang für Unmut.

2. Auftreten

Kennen sich der Dozent und die Kursteilnehmer persönlich, kann das ein Vorteil sein, wird aber oft zum Nachteil. Der Dozent muss seine Rolle neu definieren und behaupten. Er sollte souverän auftreten, aber zu Fehlern stehen. Tritt er hingegen zu herrschaftlich auf, wird die Gruppe motiviert, Fehler zu suchen. Die Fortbildung gerät dann schnell zu einem Machtkampf.

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3. Dozent

Der Dozent muss für seine Sache brennen, aber auch den Blickwinkel der Kollegen verstehen. Klassische Fehler des Dozenten sind, sich mit den Teilnehmern zu verbünden oder die oberflächliche „Kein Bock“-Mentalität zu bestätigen. Dies geschieht zum Beispiel, wenn der Dozent einräumt, eigentlich auch keinen Sinn in dieser oder jener Maßnahme zu sehen.

4. Geschäftsleitung

Der Impuls, die Struktur der Fortbildungen im eigenen Haus zu verbessern, muss in der Hierarchie von oben kommen und ehrlich sein. Aber: Pseudo-Initiativen mit dem Ziel, eine moderne Außendarstellung hinzubekommen, werden von den Mitarbeitern schnell durchschaut und dürften scheitern. Kommen Veränderungsinitiativen aus Reihen der Rettungskräfte, sollten diese ernsthaft geprüft und nicht mit klassischen Gewohnheitsargumenten („das haben wir noch nie gemacht…“) abgeräumt werden.

5. Methodik

Der Versuch, mit Moderationskärtchen im Sitzkreis zu arbeiten, führt im Rettungsdienst erfahrungsgemäß nicht zum Ziel. Dieser sehr moderative und pädagogische Ansatz ist bei dieser Zielgruppe selten erfolgreich. Dazu gehört auch die mentale Gängelung in Form von angedrohten Prüfungen für irgendwelche Rezertifizierungen.

6. Motivation

Der größte Fehler des Dozenten ist es, die Kollegen belehren und dominieren zu wollen. Dem Dozenten muss es klar sein, dass er im Normalfall auf eine unmotivierte Gruppe stoßen wird. Er darf dann aber nicht der Versuchung verfallen, das Verhalten der Teilnehmer zu spiegeln oder zu versuchen, dominant den Stoff durchzuprügeln.

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7. Organisation

Besonders in Zeiten des größer werdenden Personalmangels kann die hausinterne Fortbildung zu einem Aushängeschild des Rettungsdienstes werden. Das kann auf gute Fachkräfte attraktiv wirken. Voraussetzung: Die Fortbildung ist gut organisiert. Wenn aber der Ausbildungsleiter immer zu spät kommt und im Thema nicht sattelfest ist, der Beamer wieder mal nicht funktioniert und der Patientensimulator in Reparatur ist, werden alle froh sein, wenn nach zwei Stunden Schluss ist.

8. Teilnehmer

Die Motivation der Teilnehmer darf nicht die Aussicht auf das Nichtbestehen einer Rezertifizierung sein. Vielmehr muss der Dozent die einzelnen Persönlichkeiten der Gruppe erspüren: Wen gilt es zu motivieren? Wer muss in seiner Motivation gefördert und eingebunden werden? Wer ist gut in Theorie, wer in der Praxis? Wer ist ein Vorbild für andere Kollegen? Wen muss man in seiner Destruktivität ausbremsen und versuchen, seine Interessen zu treffen, um ihn damit „umzudrehen“?

9. Themen

Generell sollte bei der Auswahl der Themen auf die Verwertbarkeit im praktischen Alltag der Kollegen geachtet werden. Hier muss der Dozent seine eigenen Vorlieben hinter den thematischen Gesamterfolg der Fortbildung zurückstellen. Praxisnahe Elemente zu nutzen, ist besonders bei destruktiven Kollegen oft erfolgversprechend.

10. Ziele

Die Einheitlichkeit von Auftreten, Sprachregelungen und Lehraussagen sind Schlüsselfaktoren für die Glaubwürdigkeit und Akzeptanz bei den Teilnehmern. Deshalb muss neben der materiellen und personellen Ausstattung klar definiert werden, was erreicht werden soll, welche inhaltlichen Ziele verfolgt werden und wie das Personal angesprochen wird. Denn die motiviertesten Teilnehmer bringen nichts, wenn das Dozententeam gelangweilt und visionslos ist.

(Text: Jan C. Behmann, freier Journalist, Lehrrettungsassistent; Symbolfoto: Markus Brändli; 16.02.2017) [1730]

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