„Neue Grippe“ nicht mehr zu stoppen


Düsseldorf / London (rd.de) – Der Erreger der „Neue Grippe“ ist nicht zu stoppen. Großbritannien bereitet seine Bevölkerung nun auf einen großen Ausbruch vor. Nordrhein-Westfalen sichert sich eine Kaufoption für weitere Grippe-Impfstoffe. Experten glauben, die Weltgesundheitsorganisation wird in der Sitzung am 7. Juli 2009 Impfempfehlungen aussprechen.

Die Gesundheitsexperten in Großbritannien haben ihre Hoffnung, die Verbreitung der „Neue Grippe“ einzudämmen inzwischen aufgegeben. Das Virus grassiert auf der Insel und die Politik bereitet die Bevölkerung auf einen Ausbruch vor. Im Unterhaus prognostizierte der britischen Gesundheitsminister Andy Burnham, dass es bereits Ende August täglich 100.000 neue Erkrankungsfälle geben könnte. Derzeit gibt es einige hundert Neuinfektionen pro Tag. Der Erreger gerät also außer Kontrolle. Gestern (2.7.09) zählte man rund 6.000 Fälle der „Neuen Grippe“.

NRW sorgt vor

In Deutschland hat die Verbreitung noch nicht ein solches Ausmaß erreicht. Das Robert-Koch-Institut meldete gestern 470 Erkrankungsfälle. Nordrhein-Westfalen ist als bevölkerungsreichstes Bundesland mit 217 Fällen besonders stark betroffen. Die Landesregierung hat antivirale Arzneimittel im Wert von 67 Millionen Euro einlagern lassen. Zusätzlich sicherte sich Nordrhein-Westfalen bereits Mitte Juni eine Kaufoption für Grippemedikamente bei den Pharmafirmen Gloxo-Smith-Kline und Novartis. Sollte der besonders betroffene Teil der Bevölkerung durchgeimpft werden müssen, rechnet das Land mit Kosten in Höhe von 500 Millionen Euro.

Pflichtimpfung derzeit unwahrscheinlich

Experten rechnen damit, dass angesichts der dramatischen Infektionszahlen in den USA und Argentinien sowie der Lage in Großbritannien die Weltgesundheitsorganisation auf der Sitzung am 7. Juli 2009 Impfempfehlungen aussprechen wird. Das Bundesgesundheitsministerium vermutet aufgrund des bislang überwiegend milden Krankheitsverlaufs, dass die Verhängung einer Pflichtimpfung nicht erforderlich sein wird.

Erste Oseltamivir-Resistenz berichtet

Doch das kann sich schnell ändern: In Dänemark ist bei einem Patienten einen Resistenz gegen Tamiflu® festgestellt worden. Es ist der erste offiziell dokumentierte Fall, in dem sich das neue H1N1-Virus gegen den Neuraminidase-Hemmer Oseltamivir (Tamiflu®) resistent zeigte. Der betroffene Patient konnte erfolgreich mit dem Wirkstoff Zanamivir (Relenza®) behandelt werden.

Virusbiologen überrascht die Entwicklung nicht. Ein Grippevirus hat nur einen Lebenszweck: Es will sich selbst kopieren. An irgendeinem Punkt unterlaufen der Natur Kopierfehler, die das Virus allmählich verändern. Eine zweite, schnelle Möglichkeit der Veränderung besteht, wenn sich Viren der saisonalen Grippe mit den Virus der „Neuen Grippe“ vermengen.

Reservierungsprogramm für Entwicklungsländer

Die Firma Roche, Hersteller der Grippemittels Tamiflu® hat heute die Einführung des Tamiflu-Reservierungsprogramms (TRP) für Entwicklungsländer bekannt gegeben. Das Programm, das mit unverzüglicher Wirkung in Kraft tritt, wird gewährleisten, dass Regierungen und Patienten vieler Entwicklungsländer Zugang zu Tamiflu (Oseltamivir) haben, wenn von der World Health Organization (WHO) eine Grippepandemie ausgerufen wird. Roche wird Tamiflu-Vorräte für bestimmte Entwicklungsländer herstellen und lagern, und zwar zu deutlich reduzierten Kosten, die über mehrere Jahre verteilt werden können. Jedes Land könnte unproblematisch eine Bezugsoption in Anspruch nehmen.

Der Pharmakonzern Roche schlägt der Weltgesundheitsorganisation ein solches Reservierungsprogramm als Modell vor, ohne hier Exklusivrechte zu fordern. Also könnten sich auch andere Antivirostatika-Hersteller einem solchen Reservierungsprogramm anschließen.

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