DRK Rettungsdienst Mittelhessen testet NEF-Prototyp


NEF-Prototyp des DRK MittelhessenMarburg (DRK) – Der DRK Rettungsdienst Mittelhessen wird in den kommenden Monaten den Prototyp eines neuen Notarzt-Einsatzfahrzeuges testen. Das auf der RETTmobil 2008 vorgestellte Fahrzeug wird wechselweise an den Notarzt-Standorten Marburg, Kirchhain, Wolfgruben und Gießen eingesetzt. Die während dieser Testphase gewonnenen Erkenntnisse sollen als Basis für die Entscheidung dienen, ob bei der Neubeschaffung der Notarzt-Einsatzfahrzeuge dieser Fahrzeugtyp verwendet wird. Auch das Ausbau- und Ausstattungskonzept steht auf dem Prüfstand.

Das Basisfahrzeug, ein Renault Espace 2,0 dCi mit Partikelfilter (110 kW/150 PS, 340 Nm), wurde wegen des Sicherheitskonzeptes ausgewählt: Neben der in Crashtests nachgewiesen Sicherheit durch eine verstärkte Fahrgastzelle ist der Renault zudem mit zahlreichen Airbags (Seiten-, Kopf- und Frontairbags) ausgestattet. Hinzu kommt die serienmäßige Ausstattung mit Gurtstraffern, Licht- und Regensensoren, automatischer Reifendruckkontrolle, Antiblockiersystem (ABS), Antischlupfregelung (ASR), Elektronische Stabilitätskontrolle (ESP) und Untersteuerungskontrolle (USC).

Außerdem ist das Fahrzeug mit einem System ausgestattet, das im Falle einer Notbremsung automatisch die Warnblinkanlage und die Blinker im Blaulichtbalken einschaltet. Mit kompletter notfallmedizinischer Beladung hat das NEF noch eine Gewichtsreserve von 200 Kilogramm

Die Ausrüstung ist im Wesentlichen in zwei Schränken verstaut. Der eine ist von der rechten Hintertür zu bedienen, der andere wird vom Heck ein- und ausgeladen. Von hinten sind alle die Dinge zu entnehme, die für den Notfalleinsatz beim Verlassen des Fahrzeugs immer benötigt werden (Rucksack-Set, Defibrillator, Absaugpumpe). Durch den kurzen Überhang hinten rückt fast die gesamte Zuladung zwischen die beiden Fahrzeugachsen. Zusätzlich dazu ist der Ausbau im Vergleich zum bisher verwendeten Citroen C5 deutlich leichter, da Aluminium statt Stahl verwendet wurde.

Bei der Sondersignaltechnik wird zum ersten Mal beim NEF das Horn von der Lichtanlage getrennt. Dies soll für weniger Innengeräusche während der Einsatzfahrten sorgen. Der Blaulichtbalken (Federal Signal/Rauwers) wird in LED-Technik (3 Watt) ausgeführt. Die Frontblitzer sind nicht mehr hinter der Windschutzscheibe, sondern (jeweils zwei Stück mit je 5 LED und ebenfalls 3 Watt, inklusive. seitlicher Abstrahlung) am Kühlergrill angebracht.

Die moderne fahrzeugtechnische Ausstattung wird durch eine wesentlich verbesserte notfallmedizinische Ausstattung ergänzt. So wird auf dem Prototyp erstmals ein Video-Laryngoskop mitgeführt. Dieses Gerät ermöglicht es, das Einlegen eines Beatmungsschlauches in die Luftröhre von lebensbedrohlich Erkrankten oder (eingeklemmten) Schwerverletzen auf einem mobilen Bildschirm sichtbar zu machen.

Weitere Neuheit ist ein Gerät zur automatischen Durchführung der Herzdruckmassage (Zoll). Hiermit werden die Rettungskräfte entlastet und Transporte auch unter laufender Reanimation in die Klinik ermöglicht. Dritte Neubeschaffung ist ein Beatmungsgerät Medumat Transport, mit dem auch moderne Beatmungsformen zur Unterstützung einer noch vorhandenen, aber unzureichenden Eigenatmung von Notfallpatienten nun auch bereits am Notfallort möglich werden.

Als Testlauf für den DRK Rettungsdienst Mittelhessen wird beim NEF-Prototypen zudem erstmalig die Ausstattung des bisherigen Notfallrucksacks auf zwei Rucksäcke verteilt. Da dieser bisher über 20 Kilo schwere Rucksack zu den Einsatzstellen getragen werden muss, soll nun erprobt werden, ob die ergonomisch günstigere Verteilung auf zwei Rucksäcke problemlos in das Einsatzgeschehen integriert werden kann.

Eine fünfzehnköpfige Arbeitsgruppe unter Leitung von Betriebsleiter Heiko Hartmann ist für die Auswahl des Fahrzeugs sowie für das Ausbau- und Ausstattungskonzept verantwortlich. Neben den Notärzten und Mitarbeitern der Notarzt-Standorte waren an der Planung auch Führungskräfte, Betriebsrat, Werkstatt und Logistik beteiligt.

Weitere Informationen: www.rettungsdienst-mittelhessen.de

Foto: Michael Rüffer

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