Hameln: Stromschlag durch 15.000-Volt-Leitung


Stromabnehmer Baureihe ET 423 S-Bahn MünchenHameln (ots) – Zu einem tragischen Unfall im Bereich des Bahnhofes Hameln kam es am Sonntagvormittag (20.03.2016).

Zwei Mädchen im Alter von 18 und 19 Jahren waren auf einen abgestellten Kesselwagen geklettert. Der Waggon stand zu diesem Zeitpunkt auf einem Abstellgleis. Die 18-Jährige kam laut Bundespolizei mit der stromführenden Oberleitung in Berührung und stürzte vom Wagen.

Ihre 19-jährige Begleiterin informierte sofort die Rettungskräfte. Aufgrund der schweren Verletzungen wurde die 18-Jährige mit einem Rettungshubschrauber nach Hannover in das Kinder- und Jugendkrankenhaus „Auf der Bult“ geflogen.

Die schwer verletzte Jugendliche war nach dem Unfall ansprechbar. Ihre Begleiterin erlitt einen Schock und wurde durch einen Notfallseelsorger betreut.

Die Bundespolizei weist darauf hin, dass die Spannung der Oberleitungen 15.000 Volt beträgt. Für einen Stromschlag sei kein direkter Kontakt zur Fahrleitung nötig. Eine Unterschreitung des Mindestabstandes von 1,5 Metern zur stromführenden Leitung könne reichen, um durch einen Stromüberschlag (Lichtbogen) lebensbedrohlich oder gar tödlich verletzt zu werden.

(21.03.2016; Foto: Deutsche Bahn AG/Video: Bundespolizei)

One Response to “Hameln: Stromschlag durch 15.000-Volt-Leitung”

  1. Railfriend on März 21st, 2016 21:54

    Schon wieder ein Bahnstromunfall

    Kein Bahnsystem fordert so viele Menschen- und Tieropfer wie das elektrische.
    Laut EBA-Veröffentlichung ist die Vogelopferzahl je Streckenkilometer im Bahnbetrieb sogar weit größer als auf der Straße. Darin sind die Vogelopfer im bahneigenen 7600 km langen Hochspannungsnetz nicht einmal berücksichtigt.
    Dennoch wird immer weiter elektrifiziert – auch dort, wo es aus Leistungsgründen nicht erforderlich wäre.
    25 Bahnstromunfälle mit Menschen bundesweit in einem Jahr – es sind nicht nur Betrunkene oder angeblich dumme Jugendliche. Wie beim tödlichen Bahnstromunfall jüngst in Fürstenwalde passiert, unterschreitet den notwendigen Sicherheitsabstand zum Fahrdraht bereits, wer auf einem Kesselwagen etwa in einem Meter über Bahnsteighöhe steht.

    Häufig nahe der Wohnbebauung stehen Fahrleitungsmasten und Kesselwagen, auf die man leicht klettern kann. Warnschilder sind hier für die Bahn in doppelter Hinsicht eine preiswerte Lösung:

    1. das Blechschild kostet weniger als Berührungsschutz
    2. die Bahn muss bei Stromunfällen nicht zahlen, wenn das Warnschild missachtet wurde

    Auch die Warnhinweise der Bundespolizei sind als Systembestandteil der sicherheitstechnisch überholten Bahnstromanlagen einzustufen und schützen Tiere ohnehin nicht vor Bahnstromtod.
    Bei vergleichbaren Gefahren gibt es sonst z.B. Kletterschutz. Schließlich sind alle Leitern an Bahnfunkmasten gegen ungefugtes Klettern geschützt. Offensichtlich gelten bei der Bahn ganz unterschiedliche Sicherheitsauflagen für Fahrleitungsmasten und Bahnfunkmasten, obwohl diese nebeneinander stehen.
    Auch Anlagen der öffentlichen Stromversorgung sind im Bereich von Wohnbebauungen durch Erdverkabelung oder verkabelte Freileitungen sicherer als elektrische Bahnanlagen.

    Grünstrom allein macht noch keinen nachhaltigen Bahnbetrieb, zumal dieser an den Stromschlagrisiken nichts ändert.

    Mit Grünstrom kann man auch ohne Oberleitung fahren. Z.B. mit Batterieantrieb, den es zu DB-Zeiten gab und der mit aktueller Batterietechnologie leistungsfähiger wäre. Oder man wandelt bislang abgeregelten Grünstrom in Power to Liquid-Krafstoff um.

    http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/umwelt-technik/johanna-wankas-audi-a8-wird-mit-kuenstlichem-diesel-betankt-13547499.html

    Dieselbetrieb mit solchen Kraftstoffen ist klima- und umweltfreundlich, verursacht keine Stromunfälle, benötigt keine Stromtrassen und kann zum abgasemissionsfreien Fahren sogar Bremsenergie nutzen:

    http://www.mtu-report.com/de-de/Service/Neuigkeiten/MTU-praesentiert-Hybrid-PowerPack-auf-der-Bahnmesse-Railtex
    http://www.freiepresse.de/WIRTSCHAFT/WIRTSCHAFT-REGIONAL/Erzgebirgsbahn-schickt-bald-ersten-Hybridzug-auf-Testfahrt-artikel9346058.php

    Wer weiß, wann der Brennstoffzellenantrieb auf Grünstrombasis einmal praxistauglich ist. Bis dahin bietet der Dieselbetrieb auf grüner Kraftstoffbasis jedenfalls Klima- und Umweltschutz ohne die Stromopfer des Oberleitungsbetriebs.

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