Man baut sich seinen eigenen Schutzschild


Es gab in den letzten drei Wochen viele Einsätze, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Darunter gab es spektakuläre Notfälle, die mir doch im Gedächtnis geblieben sind und von denen ich jetzt gebündelt berichten möchte. Von einer Gruppe Jugendlicher, die Medikamente zusammen ausprobierten und danach alle auf die Intensivstation kamen bis zum alkoholisierten Patienten, der nur in sein Bett wollte, war alles dabei.

20140811-IMG_2342Stefanie Hahl und Sebastian Hanisch absolvieren beim DRK-Rettungsdienst Mittelhessen ihre Ausbildung zum Notfallsanitäter. Seit August 2014 berichten sie auf www.rettungsdienst.de einmal im Monat über ihre Erfahrungen und Erlebnisse als angehende Notfallsanitäter.

Die Jugendlichen nahmen Medikamente ein und bekamen es dann mit der Angst zu tun. Beteiligt an diesem Einsatz waren zirca 20 Einsatzkräfte des Rettungsdienstes (mehrere RTW, mehrere NEF, OLRD, LNA).

Der alkoholisierte Mann lag wenige Stufen von seiner eigenen  Eingangstür entfernt und schlief. Nachbarn machten sich Sorgen und alarmierten den Rettungsdienst. Als wir vor Ort waren, wollte sich der Mann nicht behandeln lassen und einfach in sein Bett. Also griffen wir ihn links und rechts unter die Arme und begleiteten ihn in seine Wohnung. Seine Freundin blieb bei ihm und passte die Nacht auf ihn auf.

Auch Kindernotfälle waren dabei: Vom Säugling, der eine Woche alt gewesen ist und blau anlief, bis zum Dreijährigen, der sich den Kopf an einer Tischkannte stieß.

Anders war ein Einsatz mit der Feuerwehr: Hier brannte ein Wohnhaus, und es war unklar, ob noch Personen im Haus waren. Wir stellten uns an der Einsatzstelle bereit und warteten auf Informationen und Anweisungen vom Einsatzleiter der Feuerwehr. Bei diesem Einsatz befanden sich zwei Hunde im Gebäude, die schnell und unbeschadet gerettet werden konnten. Personen waren keine mehr im Haus. Den winterlichen Temperaturen war es zu verdanken, dass das Löschwasser das recht schnell gefror. Hier musste die Feuerwehr dann schnell Salz streuen, um die Einsatzstelle halbwegs rutschfrei und somit sicher zumachen.

Wo ich beim Thema Glätte bin…

Auch der Rettungsdienst bleibt vor glatten Straßen nicht verschont und irgendwann ist auch der RTW am Ende der Möglichkeiten angelangt. Mein Kollege fuhr einen steilen Berg hinauf und plötzlich war es so arg glatt, dass eine Weiterfahrt nicht mehr möglich war. Die restliche Strecke zum Patienten wurde dann zu Fuß „gerutscht“. Da unser RTW sich verkeilt hatte, mussten wir einen weiteren RTW anfordern, der dann den Patiententransport übernahm.

Außerdem waren da noch mehrere Patienten, die eigentlich in einer Klinik hätten behandelt werden müssen, die aber mit bestem Wissen und Gewissen sowie vollem Bewusstsein einen Transport ins Krankenhaus vehement ablehnten.

Damit muss man lernen, umzugehen und sich nicht so viele Gedanken zu machen. Unser Glück beim Rettungsdienst ist es, dass wir die Patienten in den meisten Fällen nicht kennen und den familiären Hintergrund nicht wissen. Dies erleichtert die Verarbeitung solcher Einsätze – eigentlich aller Einsätze ungemein.

Man stumpft ab

Nach fast drei Jahren Rettungsdienst merke ich auch eine persönliche Veränderung. Man geht mit den Einsätzen ganz anders um. Man baut sich seinen eigenen Schutzschild. Man stumpft ab, um die Sachen auf der Arbeit zu lassen und dementsprechend nicht mit nach Hause zu nehmen.

Etwas anderes zu mir: In den letzten Tagen fanden Mitarbeitergespräche statt, bei denen wir Arbeitsangebote erhalten haben. Also wenn ich die Prüfung schaffe, werde fest im Unternehmen als „Notfallsanitäter“ angestellt.

Euer Basti

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