Orales Antidot gegen Blausäure?


München (rd.de) – Forscher in Minneapolis arbeiten an einem oral verfügbaren Antidot gegen Zyanidvergiftungen.

Es würde den Weg weisen, in eine neue Behandlung schwerer Rauchgasvergiftungen und könnte sogar präventiv verabreicht werden.

Bei einer schweren Blausäurevergiftung gilt die Behandlung mit 4-DMAP und Na-Thiosulfat unverändert als Medikation der Wahl. Doch die Behandlung stößt bei manchen Vergiftungsquellen an Ihre Grenzen. Zum Beispiel bei der schweren Intoxikation mit Rauchgasen.

Der Körper hat gegen bestimmte Zyanidaufnahmen seine eigenen Abwehrstrategien. Leichte Blausäureaufnahmen, zum Beispiel durch Aprikosenkerne, können uns nicht viel anhaben. Das in den den Mitochondrien der Leber und Niere gebildete Rhodanase ist das körpereigene Antidot. Mit 4-Dimethylaminophenol (4-DMAP) wird Hämoglobin zu Ferrihämoglobin oxydiert und verhindert so, dass das Zyanid sein Wirkungsziel erreichen kann. Bei Rauchgasintoxikationen ist 4-DMAP hingegen kontraindiziert, da das CO bereits die Sauerstoffbindungskapazität des Hämoglobins stark einschränkt.

Die Forschergruppe um H.T. Nagasawa sucht daher ein körpereigenes Enzym, das, wie Rhodanase, in der Lage ist, die Entgiftung von Cyanid zu katalysieren und gleichzeitig im ganzen Körper möglichst starkt anflutet. Ein solches Enzym wurde mit 3-Mercaptopyruvat Sulfurtransferase (3-MPST) gefunden.

In Tierversuchen erscheint das Projekt vielversprechend. Vielleicht haben wir in einigen Jahren eine oral verabreichbare Antidotlösung für vielfältige Zyanidvergiftungen.

Über den Sachstand der Entwicklung informiert Diplom Pharmakologe Markus Schug bei der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin e.V. unter: http://www.dgkm.org/de/Katastrophenpharmazie_225.html

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