Notfalleinsatz mit Sprachkompetenz


Berlin (pr) – Die Berliner Rettungsassistentenschule Medakademie, die Europa-Universität Viadrina und das Institut für Personalmanagement kooperieren bei einem neuartigen Modellprojekt, das eine bessere Sprachkompetenz von Einsatzkräften zum Ziel hat.

In Deutschland finden in Ballungsgebieten oder in Grenzregionen überdurchschnittlich viele Rettungseinsätze statt, in denen Menschen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen aufeinander treffen. Um die Rettungskräfte auf diese Situationen umfassend vorzubereiten, startete die Medakademie Berlin jetzt in Zusammenarbeit mit der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder und dem IP-Institut für Personalmanagement in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ein innovatives Projekt.

„Gebündelt werden soll so die Wissenschaftskompetenz von Hochschulen mit dem Know-how der Wirtschaft und den praktischen Erfahrungen eines Weiterbildungsinstitutes im Gesundheitsbereich“, meint André Müller, Geschäftsführer der Medakademie.

„Der Rettungsdienst ist in Notsituationen oftmals der einzig erreichbare Ansprechpartner“, erläutert Ingrid Knapp-Hein, die das Modellprojekt bei der Medakademie leitet. „Dabei entsprechen die Einsatzgründe nicht immer dem originären Bild eines Notfalls. Der Rettungsdienst – und insbesondere der Rettungsassistent als Einsatzleiter – steht in dieser Situation vor Herausforderungen, die nicht allein notfallmedizinisch, sondern darüber hinaus auch kommunikativ gelöst werden müssen.“

Sprachliche Hemmnisse, unterschiedliches Verständnis von Schmerz, Gesundheit, Krankheit und Medizin sowie Vorurteile und nicht reflektierte Erfahrungen auf Seiten des Rettungsfachpersonals könnten so in Notsituationen zu Konflikten und Missverständnissen führen.

„Dieses Themenspektrum war letztendlich der Grund für unsere Entscheidung, dieses Projekt zu begleiten“, erläutert Prof. Dr. Hartmut Schröder vom Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG) an der Europa-Universität Viadrina. „Schließlich widmet sich das IntraG in Forschung und Lehre gesundheitswissenschaftlichen Fragestellungen auch vor dem Hintergrund einer zunehmenden Internationalisierung der Medizin.“

Dr. Ellis Huber, Mitglied des Beirates des IntraG, ergänzt: „Transkulturell orientierte Gesundheitswissenschaften beschäftigen sich mit unterschiedlich kulturell geprägten Begriffen wie Gesundheit, Krankheit, Heilung und dem diesen Konzepten zugrunde liegendem Menschenbild. Wir wollen in der Praxis der Rettungseinsätze mehr Kompetenz bei der Untersuchung und Behandlung von Patienten aus anderen Kulturkreisen erreichen.“

Das Projekt verfolgt daher vorrangig einen praktischen Ansatz. Knapp-Hein: „Ziel ist eine Doppelqualifizierung: Die Ausbildung zum Rettungsassistenten wird mit der Zusatzqualifizierung zum Sprach- und Kulturmittler verknüpft und erprobt.“ Deshalb solle die Maßnahme auch evaluiert werden, um eine interkulturell standardisierte Ausbildung im Gesundheitsbereich – und möglicherweise darüber hinaus – zu erreichen, so Knapp-Hein weiter.

„Uns interessiert dabei insbesondere, wie sich diese arbeitsmarkt- und bildungspolitische Maßnahme auf die Personalpolitik von Unternehmen auswirkt“, meint Klaus-Dieter Teufel, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg e.V. (UVB) und Mitglied des Beirates des Instituts für Personalmanagement.

Finanziert wird das  Modellprojekt aus Landesmitteln und dem Europäischen Sozialfonds.

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