Neuer Ausbildungsberuf: Werkfeuerwehrmann/-frau


Düsseldorf (A+A) – Anlässlich der Messe A+A (Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit) in Düsseldorf wird der Werkfeuerwehrverband Deutschland vom 3. bis 6. November dieses Jahres unter anderem über das neu geschaffene Berufsbild „Werkfeuerwehrmann/-frau“ informieren. Unter anderem gehört die Ausbildung zum Rettungssanitäter zur Qualifikation dieser Sicherheitsfachkraft.

Werkfeuerwehren sind eingerichtet zum Schutz besonderer Risiken, z. B. auf Flughäfen, in Krankenhäusern, auf ausgedehnten Messegeländen und in industriellen Bereichen. Sie sehen sich als Partner für die Produktionsstandorte der Industrie, in denen Werte geschützt, sensible Produktionsverfahren überwacht, Mitarbeiter in ihren verantwortungsvollen Aufgaben unterstützt und Unfälle sowie Störungen des regulären Ablaufs verhindert werden sollen. In möglichst unauffälligem, reibungslosem und unspektakulärem Zusammenwirken vieler einzelner Maßnahmen und möglichst ohne sichtbare Beeinträchtigung des Unternehmensalltags wirken Werkfeuerwehren in der Vorbeugung von Gefahren und in deren Abwehr.

In Zeiten, in denen zudem immer höhere Anforderungen an die Produktivität und Wirtschaftlichkeit der Unternehmen gestellt werden, werden gleiche Zwänge seit Jahren auch für die Einheiten der betrieblichen Gefahrenabwehr formuliert. Müssen deutsche Unternehmen im internationalen Wettbewerb ständig Produktionsprozesse bis hin zu ganzen Standorten anpassen, um anspruchsvolle Ziele verwirklichen zu können, wird auch von den Werkfeuerwehren höhere Flexibilität und Effizienz erwartet. Zwangläufig führt dieser Weg auch zur strukturellen Neuentwicklung. Ganz diesem Sinne folgt der Ausbildungsberuf „Werkfeuerwehrmann/-frau“, der durch bedarfsgerechte Ausrichtung Ausbildungszeiten verkürzen und auf demografische Einschränkung reagieren hilft.

Konkret verfolgt das Berufsbild die Ziele, für die Werkfeuerwehren:

  • den Kreis zusätzlicher Bewerber durch Ausweitung auch auf Schulabgängerinnen und -abgänger zu erweitern,
  • eine spezifisch auf typische zukünftige Werkfeuerwehrqualifikationen zugeschnittene Ausbildung zu erschaffen,
  • die Gesamt-Ausbildungsdauer zu verkürzen und damit
  • den Altersdurchschnitt positiv zu beeinflussen.

Die dreijährige Ausbildung ist breit angelegt: handwerkliche Kompaktausbildung, feuerwehrtechnische Qualifizierung, Schulung zum/zur Rettungssanitäter/in, Führerschein, Sportabzeichen, Rettungsschwimmer.

Das Berufsbild enthält eine Vorgabe zur Vermittlung von Fertigkeiten im Handwerk mit Konzentration auf feuerwehrnahe handwerkliche Tätigkeiten. Integriert sind alle die Inhalte der Feuerwehrausbildung, die Fachleute vermeintlich einer Grundausbildung zuordnen würden. Diese ist um einige für Werkfeuerwehren wichtige Aspekte erweitert. Ganz im Sinne moderner Berufe werden ergänzend aber auch integrative Fertigkeiten vermittelt. Dazu gehören Kenntnisse aus der Berufsbildung, dem Arbeits- und Tarifrecht, der Arbeitssicherheit und dem Umweltschutz.

Die Fokussierung auf die beiden Kernkompetenzen Handwerk und Feuerwehr gibt den ausgebildeten Werkfeuerwehrmännern und -frauen die Möglichkeit, sich in einem breiten Bereich zu bewähren. Im Folgenden sind exemplarisch einige Gebiete genannt, in den Werkfeuerwehrmann und -frauen ihre Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten einbringen können.

Industrie-Brandbekämpfung: Werkfeuerwehrmännern/-frauen sind im Besonderen für die Industriebrandbekämpfung ausgebildet. Ihr Ansinnen ist es, Brände in Chemieanlagen, in Stahlwerken und anderen Industrieanlagen sowie auf Flughäfen zu verhindern. Sie können Brände wirksam und effizient bekämpfen und Schäden durch Brände in diesen Gebäuden besonderer Art und Nutzung minimieren. Sie zeichnen sich durch besondere Orts- und Werkkunde aus, die es ihnen ermöglicht, im Schadensfall betriebliche Zwänge zu berücksichtigen und alles zu tun, dass Betriebsabläufe durch Brände möglichst gering beeinflusst werden (Business Continuity).

Technische Hilfe: Immer größere und komplexere Produktionsanlagen beanspruchen zunehmend leistungsfähigere Ressourcen. Auf diese komplexeren Anlagen und daraus folgend auch komplexerer Schadenslagen, die technische Hilfe erfordern, sind Werkfeuerwehrmänner und  -frauen  aufgrund ihrer betriebsnahen Ausbildung im Dualen System gut vorbereitet. In ihrer Ausbildung haben sie die Grundlagen der technischen Hilfe und auch das Umgehen mit betriebsspezifischen Risiken gelernt. So sind sie zudem in der Lage, bautechnische Gefahren, metall-, installations- und elektrotechnische Gefahren zu erkennen und Maßnahmen zu ihrer Beseitigung zu ergreifen.

Rettungsdienst: Werkfeuerwehrmännern/-frauen sind Rettungssanitäter. Aufgrund ihrer theoretischen Ausbildung im Rettungsdienst und ihrer praktischen Ausbildung auf Rettungswagen und im Krankenhaus sind sie bei Unfällen mit verletzten Personen in der Lage, situationsgerechte und lebenserhaltende Hilfe zu leisten.  Werkfeuerwehrmännern/-frauen retten Menschen und versorgen und transportieren Verletzte und Kranke.

Vorbeugender Brandschutz: Qualität und Wirtschaftlichkeit der Leistungen der Werkfeuerwehren beweisen sich nicht nur in der Gefahrenabwehr sondern vor allem in den Arbeiten der Gefahrenprävention. Durch bedarfsgerechte Serviceleistungen  werden die Betriebe an den Standorten entlastet, zum anderen werden externe Ausgaben vermieden. So hat sich das Aufgabenspektrum der Werkfeuerwehren erweitert um fachliche Themen, aber auch um Themen wie Kundenorientierung, Wettbewerbsbewusstseins, Produktverantwortung. Voraussetzung für diese Entwicklung sind hoch motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter.

Werkfeuerwehrmänner und -frauen werden als Sicherungsposten bei feuergefährlichen Arbeiten eingesetzt und sind eingebunden in die Wartung der installierten technischen Anlagen wie Löschanlagen, Brandmeldemeldeanlagen. Sie warten nach weiterer Qualifizierung am Arbeitsplatz in den Produktionsbetrieben beispielsweise Feuerlöscher, Atemschutzmasken oder Messgeräte. Werkfeuerwehrmänner und -frauen schulen Mitarbeiter aus den Betrieben in der Handhabung von Feuerlöschern und in der Ersten Hilfe.

Die Ausbildung zum/-r  Werkfeuerwehrmann/-frau endet mit der Prüfung vor einem Prüfungsausschuss der Industrie- und Handelskammer. Neben einer weiteren Qualifikation am Arbeitplatz zu Sachkundigen sind im Rahmen der IHK-Ausbildungen weitere Fortbildungen zum/r Werkfeuerwehr-Techniker/in, Brandschutz-Meister/in oder zum/-r Industriemeister/in Brandschutz möglich. Die nächste Ausbildungsstufe im öffentlich-rechtlichen Bereich ist der Gruppenführer.

One Response to “Neuer Ausbildungsberuf: Werkfeuerwehrmann/-frau”

  1. thomaswagner on Juli 31st, 2009 14:52

    Es wäre interessant zu wissen wie sich hier die Durchlässigkeit in andere Berufe, insbesondere ein möglicher Wechsel zu einer BF, gestaltet, welche Voraussetzungen dabei berücksichtigt werden müssen und wie der Arbeitsmarkt oder besser gesagt, die Arbeitgeber zu diesem Ausbildungsgang äussern…

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