Fehlermanagement macht Schule


Trainingsmöglichkeiten der SanAreana (Foto: Matthias Grübel)Lauf (rd.de/ASB) –  Die in Lauf an der Pegnitz ansässige ASB-Schulen Bayern gGmbH wurde kürzlich von der DEKRA für ihr erfolgreiches Qualitätsmanagementsystem zertifiziert. Wir sprachen mit Schulleiter Stefan Leibinger über die Auszeichnung sowie über das Fehlermeldesystem des ASB in Bayern.

Herr Leibinger, was sind die Kerninhalte Ihres Qualitätsmanagementsystems?

Leibinger: Man kann sagen, dass wir zweigleisig fahren. Einerseits bezieht sich unser System auf sämtliche Aus-, Weiter- und Fortbildungen innerhalb der Schule. Auf der anderen Seite aber auch auf die Beratungsleistung, die wir gegenüber den 14 Rettungswachen und Stellplätzen des ASB in Bayern erbringen. Darauf aufbauend haben wir eine Meldesystematik für Fehler und Risiken eingeführt, welche die Anonymität jedes Mitarbeiters garantiert. Jeder Rettungsdienst-Mitarbeiter kann dabei durch ein Formular oder über das Internet anonym Fehler melden, ohne arbeitsrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Nachdem die Meldungen hausintern bewertet wurden, werden sie im nächsten Schritt an alle anderen ASB-Rettungswachen in Bayern weitergeleitet. Auf diese Weise können alle aus dem Fehler eines Einzelnen lernen. Weiterhin nutzen wir die Rückmeldungen, um die Erkenntnisse sofort in die Ausbildung und Versorgungsstandards einfließen zu lassen.

Welche Fehler konnten denn zuletzt dank des Systems abgestellt werden?

Zum Beispiel Gefährdungen von Patienten durch falsche Defibrillationselektroden. Gut in Erinnerung ist mir aber auch noch jene Nadelstichverletzung, zu der es gekommen ist, obwohl von der Rettungswagenbesatzung ein stichsicheres System benutzt worden war.

Wie konnte das passieren?

Bei einer Fehlpunktion wurde die Metallnadel nicht vollständig aus dem System entfernt – und somit konnte die Stichsicherung nicht greifen. Gegriffen hat dafür unser Qualitätsmanagementsystem: Die Information über diese Gefährdung konnten wir binnen 24 Stunden an jeden Mitarbeiter des ASB-Rettungsdienstes in Bayern weiterleiten. In der bayerischen Rettungsdienstlandschaft ist das zweifellos ein einmaliges Vorgehen, um Fehler zu vermeiden.

Zu Ihrer Schule: Welche Art von Ausbildungen kann man denn an den ASB-Schulen absolvieren?

Trainingsmöglichkeiten der SanArena (Foto: Matthias Grübel)In erster Linie geht es uns darum, junge Menschen zu Rettungssanitätern und -assistenten auszubilden. Darüber hinaus können bei uns Mitarbeiter des Arbeiter-Samariter-Bundes sowie anderer Hilfsorganisationen Fortbildungen in allen Belangen des Rettungsdienstes absolvieren. Wichtig ist uns dabei unsere internationale Ausrichtung: In unseren Lehraussagen orientieren wir uns an den Richtlinien des European Resuscitation Councils (ERC) und den Lehrmeinungen des International Trauma Life Supports (ITLS). In jedem Jahr bieten wir durchschnittlich zehn neue Kurse an – das spricht für unser Innovationspotential.

Inwieweit werden die angehenden Retter auch praktisch auf ihren künftigen Beruf vorbereitet?

Im Untergeschoss unseres Schulgebäudes befindet sich unser runderneuerter Trainingsparcours, die SanArena. Hier können wir realistische Notfallszenarien eins zu eins nachstellen – angefangen vom schweren Verkehrsunfall über den Sturz vom Baugerüst bis hin zum Herzinfarkt im heimischen Wohnzimmer. Alles wird auf Video aufgezeichnet, damit man im Anschluss in der Gruppe über mögliche Fehler sprechen kann. Auch die Kabine eines Intensivtransport-Hubschraubers haben wir zu bieten. In unserem Schulrettungswagen und in unserem RTW-Simulator – einem vollständig ausgerüsteten RTW-Innenraum im Klassenzimmer – kann auch die weitere Versorgung des Patienten auf dem Weg ins Zielkrankenhaus simuliert werden. Der Schulrettungswagen steht auch für Fahrtrainings zur Verfügung.

Mehr Information: www.asb-schulen.de

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