Deutschlands erstes Team-Training am Neugeborenensimulator


Puchheim/Tübingen (prcenter.de) – Seit heute (14.5.09) bietet die Universitätsklinik Tübingen spezielle Notfall-Kurse mit einem Neugeborenen-Simulator an. Mit NeoSim leistet das Tübinger-Patientensicherheits- und Simulationszentrum TÜPASS Pionierarbeit.

Zu den schwierigsten Situationen für Mediziner gehören Notfälle bei Neugeborenen. Anders als bei erwachsenen Patienten ist der Umgang mit Säuglingen noch immer keine Routine. Um die Qualität der Versorgung in der Kinderheilkunde zu erhöhen, wurde an der Universitätsklinik Tübingen ein einzigartiges Trainingsprogramm für medizinisches Personal entwickelt. In dessen Rahmen werden ab dem 14. Mai spezielle Kurse im Bereich Neugeborenen-Simulation veranstaltet. Während Simulation als Trainingsform in der allgemeinen Notfallmedizin bereits Einzug gefunden hat, ist diese Form der Aus- und Weiterbildung in der Kinderheilkunde noch kaum verbreitet. Mit einem der deutschlandweit ersten Trainingskonzepte wird an der Universitätsklinik Tübingen daher Pioneerarbeit geleistet.

Pädiatrische Notfallsituationen sind äußerst risikobehaftet. Sie treten vergleichsweise selten auf, weshalb es medizinischem Personal häufig an Praxiserfahrung bei der Durchführung von Operationen und Prozeduren sowie beim Einsatz von speziell für die Kinderheilkunde entwickelten Geräten fehlt. Darüber hinaus lassen oft unklare Symptomkomplexe keine Routineabläufe zu. In Kombination mit der hohen psychischen Belastung können Notfallsituationen im pädiatrischen Umfeld schnell außer Kontrolle geraten.

Das Kurskonzept NeoSim

Das Tübinger-Patientensicherheits- und Simulationszentrum TÜPASS der Universitätsklinik Tübingen entwickelt seit über 10 Jahren unter der Leitung von Dr. Marcus Rall innovative Simulations-Trainingskonzepte für medizinische Notfallsituationen. Dabei werden die Notfälle realitätsnah an Simulatoren dargestellt, auf Video aufgezeichnet und in einer anschließenden Nachbesprechung analysiert. Um diese hochgradig effektiven Trainings nun auch Teams der Neonatologie zu Gute kommen zu lassen, wurde in Kooperation mit dem Leiter der Neonatologie Prof. Christian Poets und Dr. Oliver Heinzel das Kurskonzept NeoSim entwickelt. Hierbei handelt es sich um ein intensives Trainingsprogramm, mit dessen Hilfe die Kursteilnehmer an hochmodernen Neugeborenensimulatoren die Akutbehandlung bei unterschiedlichen frühkindlichen Notfallsituationen einüben. Basierend auf den am TüPASS weiterentwickelten Grundsätzen des Crew Resource Management (CRM) aus der Luftfahrt, werden hier insbesondere „non technical skills“ wie Teamfähigkeit, Kommunikation, Führungsverhalten und Entscheidungsfindung geschult.

Bei dem Training am 14. Mai handelt es sich um eines der ersten Team-Trainings an Neugeborenensimulatoren in Deutschland überhaupt.

Dr. Oliver Heinzel, Projektleiter NeoSim am TüPASS: „Mit NeoSim haben wir ein innovatives Ausbildungsprogramm entwickelt, das medizinisches Personal auf mitunter seltene Notfallsituationen vorbereitet. Dadurch optimieren wir medizinische Prozeduren und senken gleichzeitig das Risiko von ungewollten Zwischenfällen. Einmal im Monat trainieren wir ganztägig Ärzte und Pflegepersonal der neonatologischen Abteilung der Universitätsklinik Tübingen im Team am Neugeborenen-Simulator.“

SimNewB von Laerdal Medical

Das TÜPASS setzt für das Trainingsprogramm NeoSim den frühkindlichen Patientensimulator SimNewB des norwegischen Unternehmens Laerdal Medical ein. Der interaktive Simulator ist erst seit April 2009 auf dem Markt und stellt damit das neueste Produkt in der Reihe der Baby-Simulatoren dar.

Das SimNewB ist mit allen lebenswichtigen Funktionen wie Herzschlag, Atmung und Blutdruck ausgestattet und kann vollständig in einen realistischen klinischen Arbeitsplatz integriert werden. Per Fernbedienung ist es möglich, verschiedenste Patientenzustände, vom gesunden termingerechten bis zum schwer erkrankten Neugeborenen, zu simulieren.

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