Demografischer Wandel: An Rettungsfachkräfte denken!


Berlin (rd.de) – Der demografische Wandel wird in den kommenden Jahrzehnten Deutschland tiefgreifend verändern: Die Menschen werden immer älter; die Zahl der Kinder wird zurückgehen. Die Bundesregierung hatte deshalb am Donnerstag (4. Oktober 2012) nach Berlin zum Demografiegipfel eingeladen und ihre so genannte „Demografiestrategie“ vorgestellt. Der Rettungsdienst spielt darin unmittelbar keine Rolle. Dabei ist abzusehen, dass schon in wenigen Jahren Rettungsfachkräfte fehlen werden.

„Im Gesundheitswesen steigt der Bedarf an Einsatzkräften im Rettungsdienst seit 2000 kontinuierlich an“, beobachtet Heiko Schumann, Leiter der IWK-Rettungsdienstschule in Magdeburg. Bundesweit bestehe dennoch ein Mangel an Einsatzkräften im Rettungsdienst. Als Beleg nennt Schumann 700 offene Stellen für Rettungsfachkräfte, die es seinen Recherchen zufolge derzeit in Deutschland gebe. „Trotz kontinuierlicher Ausbildung kann der Bedarf an Rettungsfachkräften nicht gedeckt werden“, schlussfolgert der Schulleiter.

Dabei ist die Zahl der im Rettungswesen hauptberuflich tätigen Arbeitnehmer im Laufe der letzten Jahre deutlich gestiegen. Laut Gesundheitsberichterstattung des Statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2000 zirka 44.000 Männer und Frauen im Rettungsdienst beschäftigt. Zehn Jahre später war ihre Zahl auf rund 56.000 gestiegen.

Doch diese Zahl dürfte nicht reichen. Der zu erwartende Mangel an Rettungsfachkräften wird verschärft durch den Wegfall des Zivildienstes, die Umstellung des Dienstmodelles von 24- auf 12-Stunden-Schichten und einen Mangel an Ärzten im Rettungsdienst.

„Bis zum Jahr 2020 werden in Deutschland 71.000 Ärzte in den Ruhestand gehen, dies wird eine kontinuierliche Leistungssteigerung des nicht-ärztlichen Personals im Rettungsdienst zur Folge haben“, ist Heiko Schumann überzeugt. Er beobachtet den Trend schon seit einiger Zeit und prophezeit trotz abnehmender Bevölkerung bis 2050 einen Anstieg der Einsatzzahlen von 25 Prozent.

Höchste Zeit also, dass die Politik im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel auch die quantitative und qualitative Entwicklung des Rettungsfachpersonals im Blick hat.

(Foto: AOK Mediendienst)

2 Responses to “Demografischer Wandel: An Rettungsfachkräfte denken!”

  1. Olf on Oktober 6th, 2012 15:51

    Im Rettungsdienst wird es wie überall sein: Der „Fachkräftemangel“ wird von allen schön geredet und ein Zuwachs an besseren Arbeitsbedingungen und Lohn wird es nicht geben.
    Es werden sicher Wege gefunden das Klagelied der Kosten noch lange singen zu können….

  2. der Münchner on Oktober 9th, 2012 11:20

    die offenen Stellen sind oftmals bei Zeitarbeitsfirmen, also keine „normalen“ Beschäftigungen. Und die, die Leute direkt suchen, zahlen entsprechend schlecht. Eine ganze Reihe an Schulabgängern nutzen doch ihre Wartezeit auf einen (Medizin-)Studienplatz für eine Ausbildung zum RS evtl RA und anschließender Beschäftigung. Denen ist das Einkommen auch egal, da sie nicht dauerhaft davon leben müssen.

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