Arbeitsgemeinschaft Wiederbelebung Krefeld möchte Schüler unterrichten


Krefeld (pm) – Bereits 250 Defibrillatoren hängen in Krefelder Schulen, Verwaltungsgebäuden,
Sportstätten, Geschäften, Polizei- und Rettungsfahrzeugen für einen Notfall bereit. Die Arbeitsgemeinschaft Wiederbelebung Krefeld möchte das Thema jetzt in die Schulen bringen.

Bewusstlos und ohne Atmung liegt der Torso auf dem Boden – Rettungsassistent Michael Rammrath beugt sich über den Brustkorb. Jetzt zählt jede Sekunde, um ein Menschenleben zu retten. Kraftvoll und mit rhythmischen Bewegungen drückt er immer wieder auf das Herz. Mindestens fünf Zentimeter presst er seine aufeinanderliegenden Hände in den Brustkorb auf und ab, so fest, dass dabei auch die ein oder andere Rippe bricht. Zwischendurch setzt er routiniert zur Mund-zur-Nase-Beatmung an. Plötzlich ertönt eine Stimme, die ihn auffordert, sofort die Hände von der Person zu nehmen. Ein Stromstoß ist ausgelöst worden, der durch die an der Brust befestigten Elektroden durch den Körper zuckt.

Aufmerksam verfolgen einige Mitarbeiter des Fachbereichs Schule der Stadt Krefeld die Rettungsaktion. Sie richten ihre Blicke auf Rammrath und den leblosen Körper. Sie sind keine Schaulustigen, sondern wissbegierige Schüler an diesem Vormittag. Denn auf dem Boden liegt kein Kollege von ihnen, aber eine Übungspuppe. An ihr sollen sie lernen, wie man einen automatisierten externen Defibrillator (AED) in einem Notfall bedient. Ein Defibrillator kann durch gezielte Stromstöße Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern und Kammerflattern beenden. Der Stromstoß ist jedoch nur eine Funktion des Gerätes.

„Wichtig ist auch die Anwendung der Herz-Druckmassage“, sagt Dr. med. Ulrich Lenssen, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst sowie 2. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Wiederbelebung in Krefeld. Auch dabei hilft der Defibrillator, der durch eindeutige akustische Angaben, Anweisungen wie „fester Drücken“ zur Durchführung einer Herzrhythmusmassage gibt. Das bedeutet, der Schockgeber leitet die Helfer mit Sprachunterstützung durch die
Notfallmaßnahmen und kann so gefahrlos von jedem eingewiesenen Laien bedient
werden.

Insgesamt 250 Geräte hängen bereits in Krefelder Schulen, Verwaltungsgebäuden, Sportstätten, Polizei, Rettungsfahrzeugen und Geschäften für einen Notfall bereit. Doch die Arbeitsgemeinschaft Wiederbelebung Krefeld möchte das Thema noch intensiver und bewusster an mögliche Helfer herantragen. „Wir wollen zukünftig auch die Schulen mit dem Thema Wiederbelebung vertraut machen“, berichtet Lenssen. Den 15- bis 17-Jährigen sollen unter Einbindung der Lehrer und Schulsanitäter in einem Lehrgang der Umgang mit dem Defibrillator erklärt werden. Erste Erfolge hat die Arbeitsgemeinschaft Wiederbelebung schon bei den jüngeren Schülern verbucht. „Uns ist es gelungen, Schulungen mit Neun- bis Elfjährigen in der Kinderuniversität im Klinikum durchzuführen und sind sehr dankbar, dass wir bei der Maßnahme von der Stadt so gut begleitet werden und überall nur offene Türen angetroffen haben“, sagt Lenssen. Es sei wichtig, dass jeder einmal gesehen hat, wie ein Defibrillator bedient wird.

Jährlich sterben in der Bundesrepublik Deutschland rund 130 000 Menschen. Diese Zahl kann durch sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen (Beatmung, Herzdruckmassage, Notruf 112) und insbesondere durch Frühdefibrillation, erheblich verringert werden, denn die Erfolgsaussichten für eine Wiederbelebung ohne Folgeschäden für Gehirn und Herz sind in den ersten drei bis fünf Minuten am Höchsten. Solche Schulungen zur Anwendung des sprachunterstützten Defibrillators gibt Michael Rammrath, Rettungsassistent Arbeitsgemeinschaft Wiederbelebung. „Jeder sollte einmal mit dem Gerät geübt haben“, appelliert Rammrath. „Die meisten Kursteilnehmer sind sehr überrascht, dass man bei einer Herzmassage so fest drücken muss“, berichtet der Rettungsassistent. Es sei vollkommen normal, dass die Rippen bei einer Herzdruckmassage regelmäßig brechen. Diese Scheu müsse man ablegen, um ein Leben zu retten.

Bei der Vermittlung von Kursen mit dem AED-Schulungsset hilft die Arbeitsgemeinschaft für Wiederbelebung. Unter anderem werden Schulungen bei dem Studieninstitut Niederrhein und beim Deutschen Roten Kreuz angeboten. Die einmaligen Anschaffungskosten für einen Defibrillator betragen 1700 Euro, da sich das Gerät regelmäßig selbst wartet, sind damit keine Folgekosten verbunden.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.awi-krefeld.de

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