ADAC Luftretter schulen Rettungsdienst


Rettungsassistenten wurden durch ADAC-Luftretter geschult (Foto: Kreis Soest)Kreis Soest (pm) – Zehn Lehrrettungsassistenten aus dem Rettungsdienst Kreis Soest wurden von der ADAC HEMS Academy im so genannten „Medical Team Ressource Management“ (MTRM) fortgebildet.

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen lernten, wie sie die Ressourcen aller Mitglieder eines Rettungsteams optimal ausnützen. So standen auf dem Stundenplan unter anderem Themen wie Umgang mit Stress, Teamarbeit und situative Aufmerksamkeit.

Herr M. liegt bewusstlos in seinem Bett. Wenige Minuten zuvor hatte er seiner Frau gegenüber noch über unerträgliche Kopfschmerzen geklagt. Als der Rettungswagen eintrifft, beginnen der Notarzt und die zwei Rettungsassistenten augenblicklich mit der Untersuchung. Ihr Verdacht: Eine Gehirnblutung. Jetzt muss alles sehr schnell gehen. Der erste Rettungsassistent führt eine Kanüle für eine Infusion und Narkosemittelgabe in die rechte Armvene des Patienten ein, um ihn zu stabilisieren. Gleichzeitig legt der Notarzt unter Mithilfe des zweiten Rettungsassistenten den Beatmungsschlauch oben am Kopf des Patienten ein. Der Notarzt weist die Gabe eines Narkosemittels an.

Auf einmal wird es hektisch. Beim Legen des Beatmungsschlauches hat sich im Mundraum von Herrn M. Erbrochenes gesammelt, an dem er ersticken könnte. Das Team sucht fieberhaft den Fehler. Einer der Rettungsassistenten tritt zurück und nimmt für kurze Zeit Abstand zur Situation ein. Dann findet er die Ursache des Problems: „Der Schlauch hat einen Knick!“, stellt er fest und begradigt schnell den Schlauch, bevor sie Herrn M. auf einer Trage zum Rettungswagen bringen. Seit der Ankunft des Rettungsteams sind keine zehn Minuten vergangen.

Ein fiktiver Fall, doch so oder ähnlich retten jeden Tag die Mitarbeiter der sechs Rettungswachen des Kreises Soest Menschen in der Region das Leben. Damit die Rettungsteams im Ernstfall so professionell arbeiten können, müssen sie sich ständig fortbilden. „Gerade in solchen Notfallsituationen kommt es neben der Fachlichkeit auch auf Teamarbeit, Kommunikation, Stressbewältigung und Fehlerkultur an. Patientensicherheit und Wohlergehen stehen an oberster Stelle“, erklärt Hans-Peter Trilling, der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes Kreis Soest.

Lehrgangsleiter des MTRM-Kurses waren die erfahrenen Trainer Maria von Nathusius und Peter Gloger vom ADAC Trainingszentrum für Hubschrauberpiloten, Notärzte und Rettungsassistenten im Luftrettungsdienst (ADAC HEMS Academy). „Ein Novum in unserer Fortbildung – bisher sind solche „lufterprobten“ Konzepte zur Fehlererkennung und damit zur Optimierung der Patientensicherheit in der Medizin eher rar gesät“, freut sich Trilling. Ursprünglich kommt das Konzept aus der Luftfahrt. Die Branche hatte erkannt, dass drei Viertel der Flugzeugabstürze auf menschliche Fehler zurückzuführen waren. Heute wenden weltweit Luftfahrtgesellschaften das in der Luftfahrt „Crew Ressource Management“ (CRM) genannte Verfahren an.

Der Kreis Soest betreibt insgesamt sechs Rettungswachen, davon drei mit einer Außenstelle. An diesen Standorten sind insgesamt dreizehn Rettungswagen, sechs Notarzteinsatzfahrzeuge und acht Krankentransportwagen stationiert. Die Stadt Lippstadt ist als große kreisangehörige Stadt selbst Trägerin einer Feuer- und Rettungswache.

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